Sonntag, 3. Mai 2020

📖 Buch: Die Armbrust - Schrecken und Schönheit

In der vorliegenden Publikation dreht sich alles um BrĂŒste - genauer gesagt um ArmbrĂŒste. Ich unterstreiche das deshalb, weil die Verantwortlichen sich dafĂŒr entschieden haben, die heutzutage eher ungewöhnliche Schreibweise "Armbruste" zu verwenden, eventuell um gewisse Assoziationen mit der menschlichen Anatomie zu vermeiden? 😉

Das 336-seitige Buch besteht aus zwei Teilen: Im 1. Teil - der Einleitung - wird auf rund 100 Seiten von verschiedenen Autoren Grundlagenwissen ĂŒber ArmbrĂŒste vermittelt. So etwa, dass diese bereits in der Antike sowohl in Europa wie auch in Asien Verwendung fanden; dass ihr Einsatz gegen Christen jedoch in Europa im Jahr 1139 von der Kirche im 2. Laterankonzil wenigstens fĂŒr das Turnier-Umfeld verboten wurde; dass ArmbrĂŒste sich besser fĂŒr den Belagerungskrieg eigneten, aber weniger fĂŒr die Feldschlacht; dass ArmbrĂŒste mit Hornbogen im Winter bzw. bei kalten Temperaturen besser funktionierten, als ArmbrĂŒste mit Holzbogen; usw. usf. Ebenfalls wird in der Einleitung auf die Geschichte des DHM (Deutsches Historisches Museum) eingegangen, wobei sich die Einlassungen fĂŒr mich phasenweise anhörten, als ob man um Nachsicht dafĂŒr bittet, auch viele historische Waffen in den BestĂ€nden zu haben. So gesehen mĂŒsste man besonders Stalins Roten Armee dankbar sein, die Deutschland nicht nur vom Nationalsozialismus befreit hat, sondern auch gleich von allem, was irgendwie von finanziellem Wert war - darunter etliche der alten Waffen des DHM, die nun in russischen Depots vor sich hin gammeln.
Im 2. Teil des Buchs - dem Katalogteil - werden unzĂ€hlige komplette ArmbrĂŒste, aber auch Zubehör und sonstige Einzelteile aus dem Museumsbestand sehr ĂŒbersichtlich prĂ€sentiert (siehe die nachfolgenden Bilder). Die Informationen, die dabei etwa zu einer bestimmten Armbrust geliefert werden, umfassen neben einer Beschreibung die Abmessungen (auch einzelner Komponenten), das Gewicht, die verwendeten Werkstoffe, die Provenienz, die Literatur dazu und die Nennung vergleichbarer StĂŒcke in anderen Museen.
Der Anhang des Buchs enthÀlt u.a. ein interessantes Markenverzeichnis von historischen Armbrustbauern.

Fazit: Sammlungsbedingt liegt der Schwerpunkt auf dem SpĂ€tmittelalter und der Renaissance - genauer gesagt handelt es sich vor allem um den Zeitraum vom spĂ€tem 15. bis zum spĂ€ten 16. Jahrhundert. Ich persönlich hĂ€tte mir mehr Ă€ltere StĂŒcke gewĂŒnscht. Doch abseits davon hat der Hirmer Verlag mit "Die Armbrust - Schrecken und Schönheit"  wieder einmal einen interessanten und optisch ansprechenden Bildband vorgelegt.

Armbrust-Schlösser
Das Buch enthĂ€lt einige ausfĂŒhrliche Darstellungen, anhand derer die Funktionsweise verschiedener Armbrust-Schlösser bzw. Schloss-Typen erlĂ€utert wird. | Foto: Hiltibold / Buchinhalt: (C) Hirmer Verlag
Der Schwerpunkt des Buches liegt auf den Fotografien von ArmbrĂŒsten wie dieser Hornbogenarmbust aus dem 15. Jahrhundert. | Foto: Hiltibold / Buchinhalt: (C) Hirmer Verlag
Auch die verschiedenen Typen von Armbrustbolzen werden anhand von entsprechenden Fotos vorgestellt. Hier Exemplare aus dem 13.- 15. Jh.  | Foto: Hiltibold / Buchinhalt: (C) Hirmer Verlag
Wie der BogenschĂŒtze brauchte auch der ArmbrustschĂŒtze einen Köcher. Hier ein Exemplar das in das 15. Jahrhundert datiert  | Foto: Hiltibold / Buchinhalt: (C) Hirmer Verlag

Zum Spannen der ArmbrĂŒste wurden u.a. Zahnstangengewinde wie dieses deutsche Beispiel aus dem spĂ€ten 15. / frĂŒhen 16. Jh. verwendet. | Foto: Hiltibold / Buchinhalt: (C) Hirmer Verlag

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WeiterfĂŒhrende Informationen:


Kommentare:

  1. "als ob man um Nachsicht dafĂŒr bittet, auch viele historische Waffen in den BestĂ€nden zu haben."
    Passt doch perfekt zu einem Land, in dem man MilitÀrhistoriker schrÀg ansieht und durch Gender-Studies-Tanten ersetzt.

    C3PO

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  2. Neuere ArmbrĂŒste sind aber nicht enthalten, richtig?

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    1. Nur einige Exemplare aus dem 19. Jahrhundert. Nichts von aktueller Machart.

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