Mittwoch, 23. September 2026

Eine Leser-Zuschrift über den Zustand der Universitäten


Mein vor ca drei Wochen veröffentlichter Blogbeitrag über die weltanschaulich intendierte Verharmlosung der Völkerwanderungszeit schien es irgendwie in den E-Mail-Verteiler einer Uni bzw. in ein Forschungsnetzwerk geschafft zu haben. Mir sind entsprechende Zugriffe aus einschlägigen Domains bereits wenige Tage nach der Veröffentlichung in den Logfiles des Blogs aufgefallen. Gut, an sich ist so etwas nicht ungewöhnlich, weil das kommt immer wieder vor. Hier allerdings war die Häufigkeit der Zugriffe auffällig. Über Tage hinweg täglich bis zu ca. 100 mal. Bei mir hat das den Verdacht geweckt, dass hier vielleicht ein LLM-gestütztes Crawling-System seine Identität durch User-Agent-Spoofing verschleiert, indem es HTTP-Anfrage-Header fälscht - z.B. um irgendwelche Anti-Bot-Mechanismen der Blogspot-Plattform zu umgehen. Doch nein, das waren schon 'genuine' Zugriffe, wie sich bald herausgestellt hat. Ich bekam nämlich am vergangenen Montag plötzlich eine E-Mail von jemandem aus diesem Netzwerk. Ein Herr 'XYZ, MA schrieb mir, dass er mein Blog schon länger kennt und der besagte Blogtext gerade unter ihm und seinen Kollegen "viral" die Runde macht; und das sich viele darüber ärgern. Schön, dachte ich mir. Solche Reaktionen aus diesen Kreisen sind mir immer willkommen 😁.
Er selbst - also der Leserbriefschreiber - sah die Sache aber anders. Er stimmte meiner Analyse hinsichtlich des Konformitätsdrucks in geschichtswissenschaftlichen Kreisen umfänglich zu. Und er unterstrich dies mit einem persönlichen Erlebnis. 

[...] Als ich dann das thematische Konzept für meine Master-Thesis meinem Betreuer vorgelegt habe, hat es geheißen, das geht so nicht, diese Betrachtungsweise entspricht nicht dem Forschungsstand.
Dabei war ja gerade das der Punkt. Ich wollte mit meiner Arbeit über das Verbindende unter den germanischen Stämmen diesen Forschungsstand, der in Wirklichkeit nur eine Meinung ist, infrage stellen und einer wissenschaftlich fundierten Neubewertung unterziehen.
Ich bin dann zum Dekan gegangen, weil mich die Ablehnung, und mehr noch die Begründung dafür, geärgert hat. Dort habe ich dann zu hören bekommen, dass ich ein überkommenes Germanenbild mit so einer Master-Thesis wiederbeleben könnte. Das wolle man nicht und es wäre auch nicht in meinem Interesse, da nicht förderlich für den späteren akademischen Werdegang.
Daraufhin bin ich mit meinem Problem direkt zur Hochschulleitung marschiert, zu der mein Vater gute Kontakte gehabt hat. Der damalige Rektor XXX hat mir zugehört und dann gemeint, ich solle doch einen Teil der Master-Thesis dem ideologischen Missbrauch des Germanenbegriffs widmen. Dann würde auch mein Hauptthema nicht so kontroversiell wahrgenommen. Ein gewagter Ratschlag, da meine Arbeit im Fachbereich Ur- und Frühgeschichte und nicht im Fachbereich Zeitgeschichte verfasst werden sollte.
Zu meinem heutigen Bedauern habe ich schlussendlich die Flagge gestrichen und ein komplett anderes Thema gewählt. Ich habe nicht den Mut gehabt, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. Später hat mir derselbe Rektor, er ist längst in Rente, in gönnerhaftem Tonfall erklärt, ich sei zu ambitioniert gewesen, vor allem für jemanden im Master-Studium.
Solche Leute stehen also an der Spitze unseres staatlichen Forschungsbetriebs. Logisch, dass dann auch die von Ihnen thematisierten Völkerwanderer zu Touristen umgedeutet werden, [...]

Ja, an die universitären Futtertröge darf nur, wer artig mitmarschiert und auch dafür sorgt, dass der Nachwuchs nicht aus der Reihe tanzt. Ich muss deshalb immer innerlich lachen, wenn von "Wissenschaftsfreiheit" die Rede ist. Mehr Verlogenheit geht nicht, wenn ein politisch-universitäres System Abweichlern durch Geldmittelentzug und Karriere-Hindernisse massive Schwierigkeiten bereiten kann. Die öffentlich gewordenen Beispiele - welche naturgemäß nur die Spitze des Eisberges darstellen - sind mittlerweile dermaßen zahlreich, dass auch der Dümmste erkennen müsste, was hier gespielt wird. 

Es ist außerdem eine absolute Mär, wenn manch Kritiker meint, die Zustände an den Unis seien früher grundsätzlich besser gewesen. Nein, denn Bildungseinrichtungen standen ganz allgemein historisch nie außerhalb gesellschaftlicher und politischer Herrschaftsinteressen. Im Gegenteil: Man denke an die Universität von Wittenberg sowie Martin Luther und Konsorten. Der damlige sächsische Landesherr instrumentalisierte seine Akademiker dort massiv für politische Zwecke. Und auch ansonsten, von der Habsburgermonarchie bis Preußen und Frankreich lässt sich zigfach belegen, dass staatliche Bildungspolitik ausdrücklich darauf abzielte, loyale bzw. "wohlgesittete und brauchbare Unterthanen" zu erhalten - wie es zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia so schön entlarvend formuliert wurde. Das heißt, wer herrscht, der hat kein Interesse daran, dass ihm widersprochen wird. Das liegt in der Natur der Sache und in der des Menschen. In Monarchien ist das offensichtlich, in den heutigen sogenannten "demokratischen" Systemen ist man freilich bemüht, die einschlägige Indoktrinierung mit Euphemismen zu tarnen. Beispiel: "Medienkompetenz vermitteln", um gegen "Fakenews" im Internet zu immunisieren. Und dann karrt man zu diesem Zweck Schüler zum Redaktionsgebäude eines größeren (aber arg schrumpfenden) Mediums, das selbst schon zigfach wegen seiner tatsachenwidrigen Berichterstattung juristisch abgewatscht wurde. Über diesen konkreten Fall, der in der steirischen Gemeinde Dobl-Zwaring seinen Ursprung hatte, aber zu einem anderen Zeitpunkt mehr. Wenn ich nämlich über die Denkmalschutzmissetaten am dortigen Schloss und seiner unmittelbaren Umgebung berichte.

1 Kommentar:

  1. Hallo! Meine ältere Schwester hat man sogar Monate nach dem Mauerfall in der DDR nicht zum Studium zugelassen, weil sie als politisch nicht auf Linie gegolten hat. Als sie dann nach einer mehrjährigen beruflichen Odysse in Hamburg doch noch das Studium beginnen konnte, sind ihr in der Universität zwei Kerle als Professoren untergekommen, die erst ein paar Jahre vorher in der DDR daran beteiligt waren, ihren Studienantrag zu vereiteln. Einer davon ist später an einer anderen Universität zum Dekan aufgestiegen.

    Solche Personen aus der DDR haben viel zu oft im wiedervereinigten Deutschland Karriere gemacht und sind dann dort in der Position gelangt, in denen sie die Karrieren anderer Leute fördern oder zerstören konnten. Ihre politische Ideologie dürften nur wenige jemals komplett abgelegt haben. Das ist meiner Ansicht nach einer der zentralen Gründe, warum unsere deutschen Universitäten heute so sind wie sie sind. Dass zum Bsp die Ur- und Frühgeschichtsforschung extrem von der marxistischen Geschichtsforschung beeinflusst ist, hast du, glaube ich, selber schon mal angesprochen.

    Es war total falsch und fatal, dass man solchen hochstehenden DDR-Ideologen den Zugang zur Justiz, der Polizei, den Universitäten, den Parteien und den Medien gewährt hat. Hier wären Berufsverbote dringend nötig und auch rechtfertigbar gewesen, denn die Betroffenen haben an wichtigen Stellen eines verbrecherischen Unrechtsstaates gewirkt. Stattdessen hat man ihnen die Gelegenheit geegeben, wenn auch subtiler, ihr böses Treiben fortsetzen zu können.

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