Dienstag, 31. Juli 2012

Dem Kaiser die Meinung geigen

Caligula (Foto: Wikimedia.org)
Da dürfte Kaiser "Caligula" nicht gerade freudig überraschte gewesen sein, als er während eines Wagenrennens im Circus, mit Unmutsäußerungen seitens des Publikums zugeschüttet wurde. Worum ging es? Natürlich um zu hohe Steuern, die das Volk nicht bezahlen wollte (so wie heute :D). Es gab da z.B. eine Steuer für Prostituierte, wonach der Gewinn aus einem Beischlaf pro Tag an den Staat abgeliefert werden musste. Lastenträger mussten ein Achtel des täglichen Verdienstes herausrücken (und diese armen Kerle bekamen für ihre Knochenarbeit ohnehin keinen üppigen Lohn). Bei Prozessen wiederum, floss ein Vierzigstel des Streitwerts in die Staatskasse.
Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.  Besonders verärgert waren die Menschen aber darüber, dass kaiserliche Dekrete nicht einmal öffentlich angeschlagen wurden. 
Caligula war zweifellos klar, dass die Stimmung rasch überkochen konnte - es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass sich aus einer Sportveranstaltung eine zünftiger Aufruhr entwickelt.
Deshalb kam er dem Publikum im Circus entgegen. Zwar wurden die Steuern nicht gesenkt, aber die Steuersätze sollten veröffentlicht werden, um für Transparenz zu sorgen.
Doch Caligula wäre nicht er selbst gewesen, wenn er sich für dieses abgenötigte Versprechen, nicht insgeheim schon eine Retourkutsche überlegt hätte. Zwar ließ er, wie versprochen, die Steuersätze öffentlich anschlagen, allerdings in so kleiner Schrift und an einem so unzugänglichen Ort, dass niemand in der Lage war, eine Abschrift davon anzufertigen. Daraufhin kam es zu wütenden Protesten - sogar der Circus wurde besetzt (quasi die "Occupy-Bewegung" von Anno dazumal ;) )
Caligula setzte Truppen ein, um der Lage noch Herr zu werden (er hätte natürlich auch nachgeben können, aber das entsprach nun einmal nicht seinem Charakter.)

Ähnliche Unmutsäußerungen, die im Rahmen von öffentlichen Veranstaltungen stattfanden, gab es auch während der Regentschaft von Tiberius, Claudius und Nero. Wobei diese Herrscher meist souveräner mit der Situation umgingen. 
Tiberius gab beispielsweise eine wertvolle Statue, die er von einem öffentlichen Platz hatte entfernen lassen, um sie in seinem privaten Garten aufzustellen, nach Protesten wieder zurück.

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