Freitag, 7. September 2012

Die Türkei will "ihr" Gold zurück

Priamos-Schatz
Nachbildung eines Teils des Schatzes
(Foto: Einsamer Schütze / Wikimedia.org
Die Türkei verlangt nach rund 140 Jahren den sogenannten Schatz des Priamos zurück, den Heinrich Schlieman in Troja/Ilium im 19. Jh. ausgrub, über diverse Umwege nach Deutschland brachte und dort dem Volk schenkte.

Blöd für die Türkei ist nur, dass 1945 die sowjetische Soldateska Deutschland nicht nur von der nationalsozialistischen Herrschaft befreite, sondern auch von allem was ihr irgendwie von Wert erschien. So gelangte auch besagter Schatz in ein russisches Depot, wo er seitdem verstaubt (wie so viele andere geraubte Kunstgegenstände). Und wie "verständnisvoll" Russland reagiert, wenn es darum geht "Beutekunst" wieder den rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben, ist nicht nur in Deutschland hinlänglich bekannt...

Hinzu kommt, dass der Anspruch der Türkei grundsätzlich ein überaus fragwürdiger ist. Denn Schliemann hat für das illegale Ausführen des Schatzes, nach einem Gerichtsurteil bereits 10 000 Goldfranken an Strafe entrichtet und weitere 40 000 Goldfranken aus Kulanz an die Türkei bezahlt. Womit er de jure das Recht an dem Schatz von der Türkei (bzw. deren Rechtsvorgänger, dem Osmanischen Reich) käuflich erwarb. Die Türkei hat meiner Meinung nach durch das Akzeptieren des Urteils, wie auch des Geldes, auf weitere Ansprüche klar verzichtet. Bezeichnenderweise lässt man dieses Faktum, im Zuge der neuerdings vorgebrachten Forderungen, unerwähnt.

Es ist typisch für Länder wie die Türkei (oder Ägypten), dass man, nachdem man weit über tausend Jahre lang massenhaft vorislamische Artefakte zerstört oder verhökert hat, sich genau dann des Wertes dieses Erbes bewusst wurde, als der westliche Kulturtourismus sich zu einem der wichtigsten Devisenbringer entwickelte.
Und wir, die wir im Gegensatz zur heutigen Türkei einen direkten und starken historischen Bezug zu den Hochkulturen der antiken Mittelmeerwelt haben, müssten Leuten wie Schliemann eigentlich die Füße küssen. Dadurch, dass man im 19. Jahrhundert die zutage geförderten, antiken Artefakte in europäische und us-amerikanische Museen brachte, hat man sie letztendlich vor der Zerstörung bewahrt.

3 Kommentare

  1. wenn man bedenkt daß bis zum heutigen tag ein großteil der in der türkei stattfindenden grabungen von westlichen archäologen-teams durchgeführt und zumindest von westlichen staaten mitfinanziert wird, dann sind diese großsspurigen, rechthaberischen töne aus ankara besonders irritierend.
    nebenbei bemerkt: schöner blog! :-)

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  2. Hallo Hiltibold!

    Wer weiß, vielleicht haben die Russen den Goldschmuck aus Troja bereits eingeschmolzen, dann kann die Türkei bestenfalls die Barren zurückverlangen ;)

    Kürzlich habe ich gelesen, dass Russland auch etliche Kunstgegenstände, die zuerst Deutschland mitgehen hat lassen, wiederum von Deutschland gestohlen hat. Betroffen sind davon Länder wie Holland und Belgien. Russland streitet den Besitz bis heute ab, oder rechtfertigt sich inoffiziell damit, dass einen Dieb zu bestehlen kein Diebstahl ist. Das ärgert natürlich die auf diese Weise doppelt Bestohlenen.
    Zur Zeit von Jelzin wäre die Gelegenheit gewesen, von Russland die Kunstgegenstände zurückzubekommen, da der russische Staat damals völlig pleite war. Aber weder die belgische, noch die deutsche oder die niederländische Regierung, haben sich mit voller Kraft darum bemüht. Stattdessen hat Deutschland Russland das Bernsteinzimmer geschenkt, um an lukrative Gasverträge zu kommen *kopfschüttel*

    Liebe Grüße aus Brügge nach Graz,
    Markus

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    1. Servus,
      das Gas ist möglicherweise wirklich der "springende Punkt", wie Niki Lauda sagen würde ;)

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