Freitag, 9. November 2012

Viel los, in römischen Bädern

Rekonstruktion eines Apodyteriums
Rekonstruierter Umkleideraum einer Therme,
Archäologischer Park Xanten
(Foto: Hartmann Linge /Wikimedia.org)
Zweifellos gehörten die unzähligen Badeanstalten der Römer zu den wichtigsten Arbeitgebern im Reich - auch wenn wohl die meisten Beschäftigten Sklaven waren; die allerdings oftmals entlohnt wurden, denn die Römer gestatteten ihren Sklaven auch persönlichen Besitz (peculium).

Tagsüber herrschte in den Thermen ein geschäftiger Betrieb. In und vor den Säulenhallen tummelten sich, wie wir aus den Überlieferungen wissen, Garköche, Kuppler, Prostituierte, Quacksalber, Taschendiebe usw. Man schwatzte, fädelte Geschäfte ein, betrieb Sport oder schlug sich den Bauch voll. Senecas launiger Bericht über seinen Aufenthalt im noblen Badeort Baiae, wird in dem Zusammenhang besonders gerne zitiert.

Reiche Badebesucher brachten ihre eigenen Sklaven mit und ließen sich von diesen einölen, massieren und mit dem strigilis abschaben. Nicht ganz so wohlhabenden Römer konnten sich, zumindest in den größeren Badeanstalten, gegen ein Entgelt von den hauseigenen Sklaven versorgen lassen. Passend dazu, überlieferte uns Plutarch folgende Anekdote: 
Kaiser Hadrian besuchte häufig öffentlicher Thermen und entdeckte dabei eines schönen Tages einen alten Soldaten, den er noch von einem vergangenen Feldzug her kannte. Der Alte rieb gerade seinen Rücken an der marmornen Innenverkleidung des Baderaums und Hadrian fragte ihn nach dem Grund dafür. Er antwortete, er könne es sich leider nicht leisten, einen Sklaven zu bezahlen, der ihm den Rücken schrubbt. Der Kaiser mietete ihm daraufhin sofort einen Sklaven und schenkte ihm auch Geld. Als Hadrian am nächsten Tag wieder das Bad betrat, scheuerten mehrere Alte ihre Rücken an den Wänden :D
Hadrian ließ sie jedoch wissen, sie sollen sich doch gegenseitig die Rücken abreiben. Von da an soll sich dieses gegenseitige Abreiben, in den Bädern zu einem beliebten Zeitvertreib entwickelt haben :) Ich denke mir allerdings, dass arme und sparsame Römer dies wohl schon lange so praktizierten ;)

Während der Nacht ruhte der Badebetrieb - wobei man die Feuer, welche man zum Erhitzen des Wassers und zur Beheizung der Räume benötigte, trotzdem nie ganz erlöschen ließ. Die Heizräume befanden sich meist im Kellergeschoss und waren durch Versorgungsgänge zu erreichen, in denen auch die Wasserleitungen frostfrei verlegt waren. Da im Dunkeln bekanntlich gut Munkeln ist, waren diese unterirdischen Gewölbe oft Treffpunkte für Anhänger des Mithraskultes...


Weiterführende Literatur:
Erika Brödner | Römische Thermen und das antike Badewesen | Primus | 2011 | Infos bei Amazon

2 Kommentare

  1. Danke für den Artikel :). Die Anekdote über Hadrian kannte ich noch nicht - finde ich aber lustig und plausibel.
    Leider habe ich als ich eine Auswahl von Senecas Briefen gelesen habe, den Brief vom Aufenthalt in Baiae nicht gelesen. Oder handelt es sich gar nicht um einen seiner Briefe? Ich würde den Bericht gerne nachlesen.

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    1. Bezüglich Senecas Brief, siehe hier: http://www.gottwein.de/Lat/sen/epist.056.php

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