Montag, 1. April 2013

Leder mit Ammoniak-Konzentrat dunkler färben bzw. künstlich altern lassen

Vor ein paar Tagen bekam ich zwei schöne Lederbeutel geliefert. Die Bänder zum Verschnüren waren mir allerdings zu hell. Also griff ich zu einer Flasche Ammoniak-Konzentrat (normalerweise in jeder Apotheke für ein paar Euro erhältlich) gab ein wenig der Flüssigkeit in eine Glasschale und goss im Verhältnis 1:1 Wasser dazu. In diese Mischung legte ich das Leder für ca 5 Minuten.


Als Nächstes wurden die Bänder für eine Stunde in reichlich klares Wasser gelegt, danach abgespült, auf einer Schnur zum Trocknen aufgehängt zum Schluss großzügig mit einem Lederpflegemittel auf Bienenwachsbasis eingerieben. Mit dem Endergebnis bin ich durchaus zufrieden.

Über mögliche Spätfolgen, die diese Behandlung nach sich ziehen könnte, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen. Im Netz las ich zwar, dass das Material angeblich nicht signifikant spröder wird, aber verlassen möchte ich mich auf solche Aussagen von "Heimwerkern" nicht. 
Aus diesem Grund würde ich nur Leder auf diese Weise "färben", bei dem es nicht allzu viel ausmacht wenn sich nach einigen Monaten eventuell doch ein nachteiliger Effekt einstellt. Es wäre demnach ratsam, nicht unbedingt gleich die kunstvoll punzierte Messerscheide auf obige Art zu behandeln ;)

Abschließend ein Warnhinweis: Ammoniak-Konzentrat hat einen überaus scharfen Geruch und wirkt daher ziemlich aggressiv auf die Atemwege. Aus diesem Grund sollte man die Arbeit tunlichst bei geöffnetem Fenster oder im Freien durchführen. Die Hände mit Gummihandschuhen zu schützen, wäre auch keine schlechte Idee.

Anmerkungen: Dieser Beitrag ist kein Aprilscherz. Und ja, obige Vorgehensweise ist wohl wenig "authentisch". Aber bei zwei lausigen Lederbändchen ist mir das ehrlich gesagt ziemlich wurscht :)
Ammoniak kommt übrigens auch im Hühnerkot vor. So gesehen könnte man es ja auch einmal damit probieren ;)
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Update 1 (20. Juni 2014): Über ein Jahr ist seit diesem Versuch vergangen und die Lederbänder befinden sich nach wie vor in gutem Zustand. Die künstliche Alterung mit Ammoniak-Konzentrat hat sich bisher nicht spürbar nachteilig auf das Material ausgewirkt.

Update 2 ( 23. Mai 2015): Da dieser Beitrag relativ häufig über Google aufgerufen wird, möchte ich ergänzen, dass ich zwischenzeitlich schon mehrfach Lederriemen mit dieser Methode erfolgreich gefärbt habe. Die dabei gewonnene Erfahrung zeigt, dass auch eine deutlich geringere Ammoniak-Konzentration - z.B. 1:4 - zu einem schönen Ergebnis führt.
Das abschließende Einweichen in klarem Wasser sollte man allerdings auf mehrere Stunden verlängern. Auch ist es sinnvoll, das Wasser zwischendurch zwei bis dreimal zu wechseln.

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11 Kommentare

  1. "Ammoniak kommt übrigens auch im Hühnerkot vor. So gesehen könnte man es ja auch einmal damit probieren ;)" - spätestens jetzt müsste, auch das ist kein Aprilscherz, der Verweis auf das Einlegen in eine Urinmarinade kommen. Das sollte funktionieren und ist deutlich ungefährlicher als der Umgang mit Ammoniak.

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    1. Das "Marinieren" in Urin wurde bereits ausprobiert (nicht von mir persönlich). Allem Anschein nach ist die Wirkung auf bereits gegerbtes Leder recht bescheiden. Außerdem müsste man alles mehrere Tage stehen lassen, ähnlich wie beim Blaufärben. Und wie das zum Ende hin riecht, habe ich schon einmal erlebt...

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    2. soweit ich weiß entsteht beim urin ammoniak erst im laufe der zeit. die konzentration dürfte als zu beginn der prozedur zu gering sein um einen wirklichen effekt zu erzielen. bei hühnerkot dürfte wohl von anfang an mehr ammoniak enthalten sein.

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    3. @david-mo:
      Ja, Ammoniak entsteht im Urin erst im Laufe der Zeit in höherer Konzentration.

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  2. Hallo Richard,
    das beschleunigte Nachdunkeln von Leder mithilfe von Salmiakgeist, also einem Ammoniakkonzentrat, habe ich bei einem meiner Gürtel ausprobiert. Allerdings stärker verdünnt als von dir beschrieben (3:1)
    Das Leder war nach dem Trocknen zwar relativ steif, aber wenn man es vorsichtig mit einem Pflegemittel behandelt, dann wird es meiner Erfahrung nach rasch wieder so weich wie zuvor.
    Ich konnte auch nach zwei Jahren nichts Negatives am Material feststellen.
    Vielleicht hatte ich aber auch einfach nur Glück.

    Liebe Grüße,
    Maria

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    1. Hallo!
      Ja, mehr Wasser hätte ich möglicherweise hinzugeben können...
      Allerdings kommt es wohl auch drauf an, wie stark das Konzentrat in der Flasche an sich schon ist. Bei mir waren es 25 Prozent.

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  3. Also ich hab ja nicht viele Ledergegenstände, aber bei meinen Pfadfindersachen früher haben wir uns immer gegenseitig geraten, es mit Feuchtigkeit zu versuchen, immer mal wieder ein bisschen Wasser und dann schön in der Sonne trocknen lassen wieder. Und auch wenns eklig ist, aber Schweiß (vermutlich auch in Verbindung mit anderen Haut-Ausscheidungen) ist da besonders hilfreich. Ledersachen, die man also oft in der Hand hat und anfasst, entwickeln schneller diese Patina. Hat vermutlich damit zu tun, dass Leder ja auch nur Haut ist und genau auf sowas reagiert.
    Was ich also an Mittelaltersachen hab, lass ich einfach natürlich altern, dann wirkts auch ganz realistisch, wenns etwas fleckiger ist.

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    1. Ja, die Sachen natürlich altern zu lassen ist wahrscheinlich die beste Methode. Ich wollte allerdings vor allem einmal die Ammoniak-Nummer ausprobieren, von der ich schon mehrfach etwas gelesen hatte ;)

      Außerdem fürchte ich, das dieses helle Leder anderenfalls auch in 5 Jahren noch neuwertig ausgesehen hätte, da ich in meiner Kleidung bzw. Ausrüstung höchstens 2-3 mal im Jahr wirklich etwas unternehme.

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  4. Ammoniak Konzentrat: Ich bekomme in der Apotheke nur Ammoniak Lösung 25%ig.
    Ist die wohl gemeint?

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    1. Auf der von mir gekauften Flasche steht "Ammoniak-Konzentrat 25-30 Prozent".
      Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird es sich bei der von dir genannten "Lösung" um das gleiche handeln.

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  5. Versuch läuft; mit verschiedenen Lederstücken, vorher distressed oder auch nicht; unterschiedliche Einwirkzeiten.
    Ich werde berichten.
    Bis hierher schonmal vielen Dank für das Veröffentlichen Deiner Erfahrungen.

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