Montag, 13. Mai 2013

Warum darf der Papst nicht heiraten?


Der Papst bzw. das Amt des Papstes soll fest in der Tradition von Petrus stehen, dem Lieblingsjünger des Jesus. So residiert der Papst in Rom, weil angeblich auch Petrus dort geraume Zeit weilte und der damals noch jungen christlichen Gemeinde der Reichshauptstadt vorgestanden haben soll - bis er einen nicht näher bekannten Märtyrertod starb.
Wenn das Papstamt sich umfassend vom Wirken und Leben des Petrus ableitet, stellt sich allerdings die Frage: Wieso darf der Papst nicht heiraten? Petrus (und etliche seiner Kollegen!) waren schließlich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch verheiratet, wie man beispielsweise dem 1. Korintherbrief (9, 5) entnehmen kann:
"Haben wir nicht das Recht, eine Schwester, eine Frau, mitzuführen, wie auch die übrigen Apostel und die Brüder des Herrn und wie Kephas?" (Anm.: Kephas = Petrus)
Da dies vor allem der Katholischen Kirche eher weniger gelegen kommt, hat man sich die Sache in der katholisch-evangelischen Einheitsübersetzung der Bibel sozusagen zurechtgebogen. Petrus wird hier bloß eine "gläubige Frau" an die Seite gestellt. Dumm nur, dass an anderer Stelle, und zwar beim Evangelisten Markus, folgendes steht :
"Sie verließen die Synagoge und gingen zusammen mit Jakobus und Johannes gleich in das Haus des Simon und Andreas (Anm.: Simon = Petrus). Die Schwiegermutter(!) des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie, und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr und sie sorgte für sie. (Mk 1, 29-31)
Wer eine Schwiegermutter hat, der muss zwangsläufig auch verheiratet sein ;)

Ich will hier sicher nicht die Priesterheirat als Modell für die Katholische Kirche bewerben. Das ist eine Diskussion, die mich ehrlich gesagt wenig interessiert. Allerdings sollte man trotzdem darauf aufmerksam machen, dass sich der Zölibat nicht unbedingt im Einklang mit dem Urchristentum befindet. Auch der angesehene Altphilologe Carsten Peter Thiede ist zu diesem Schluss gekommen. Wie ich überhaupt seine Bücher, vor allem jene, in denen er sich mit dem frühen Christentum auseinandersetzt, sehr empfehlen kann.

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