Montag, 17. Juni 2013

Cave canem!


Vom Historiker Curtius Rufus ist uns folgender Satz überliefert, den er einem Gefolgsmann des baktrischen Königs Bessos zuschreibt: 
"... canem timidum vehementius latrare quam mordere altissimaque flumina minimo sono labi ..." (Historia Alexandri Magni 7,4,13)
Übersetzt bedeutet dies, dass ein ängstlicher Hund heftiger belle als beiße und dass die tiefsten Flüsse mit dem geringsten Geräusch dahinglitten.
Aus dem ersten Teil dieses Zitats entwickelte sich im Laufe der Zeit das auch heute noch allseits bekannte Sprichwort "Hunde, die bellen, beißen nicht".
Ob es sich in der Realität tatsächlich immer so verhält, darf bezweifelt werden ;) Fakt ist allerdings, dass der Hund im antiken Rom ein relativ weit verbreitetes Haustier war; und das sicher nicht zuletzt auch wegen seiner Angewohnheit laut zu bellen, sobald Fremde dem Haus zu nahe kommen oder sich gar unerlaubt Zutritt verschaffen wollen. 
In Pompeji fand man im sogenannten "Haus des Tragödiendichters" das Mosaik eines Wachhundes (obiges Bild); unter der Darstellung steht unmissverständlich und in großen Buchstaben geschrieben: "CAVE CANEM" - Hüte dich vor dem Hund!
Tatsächlich gibt es erstaunlich handfeste Beweise dafür, dass im antiken Rom Hunde zur Bewachung des Eigenheims eingesetzt wurden. Beispielsweise entdeckte man im "Haus des Vesonius Primus" (ebenfalls in Pompeji) neben einem im Eingangsbereich angelegten Hundemosaik die sterblichen Überreste eines Wachhundes.
Der Körper des Tieres war bereits weitestgehend vergangen, aber durch die Vulkanasche des Vesuvs hatte sich ein Hohlraum gebildet, der von den Archäologen mit Gips ausgegossen wurde. Dabei stellte sich heraus, dass der getötete Hund jenem auf dem Mosaik sehr ähnlich sieht (siehe die beiden nebenstehenden Bilder). Ist dies Zufall oder war hier Absicht im Spiel? Sollte mit dieser Darstellung vielleicht die Liebe des Besitzers zu seinem treuen Vierbeiner zum Ausdruck gebracht werden?
Möglich wäre es, denn welch große Zuneigung bereits die Menschen der Antike ihren Haushunden entgegen brachten, zeigt folgende, berührende Grabinschrift:
"Kommst dieses Weges du und hast dieses Grabmal vor Augen, bitte, dann lache nicht, dass hier bestattet ein Hund. Tränen flossen um mich. Die Hand des Herrn, hat das Grab mir bereitet, der auch diese Klageworte eingemeißelt dem Stein."
Wer nun aber meint, der Hund wäre in der Antike grundsätzlich angehimmelt und verehrt worden, der irrt. So war es z.B. dem flamen dialis verboten Hunde zu berühren oder auch nur das Wort "Hund" auszusprechen.
Laut Livius waren es Gänse, die (387 v. Chr.) mit ihrem Geschnatter die Verteidiger des Kapitol-Hügels vor den anrückenden Galliern warnten. Die Hunde hatten hingegen als Wächter versagt. In Erinnerung daran sollen einmal jährlich Gänse in einer Prozession gehrt worden sein, während man gleichzeitig einige Hunde kreuzigte...


Weiterführende Literatur:

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2 Kommentare

  1. Die künstlerische Qualität des obersten Mosaiks ist absolut erstaunlich und wirkt sehr modern!

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    1. Dem kann ich nur zustimmen.
      Dieses Motiv wird übrigens heutzutage gerne für diverse Hunde-Accessoires verwendet.

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