Mittwoch, 9. Oktober 2013

Die Angelsachsen, von Harald Kleinschmidt

Nachdem ich hier vor nicht allzu langer Zeit bereits Wilhelm Störmers Einführungswerk "Die Baiuwaren" besprochen habe, möchte ich mich heute einem quasi artverwandten, ebenfalls beim Verlag C.H. Beck erschienen Buch widmen. Es stammt aus der Feder des Historikers Harald Kleinschmidt und trägt den Titel "Die Angelsachsen". Gemeint ist das germanische Stammesgemisch, welches im 5. und 6. Jahrhundert England eroberte und besiedelte. Die Erörterungen des Autors erstrecken sich zeitlich bis in das 8. Jahrhundert; die Umbrüche der Wikingerzeit sowie die normannische Eroberung im 11. Jahrhundert, werden nur gestreift. 
Die Sprache derer sich Herr Kleinschmidt bedient, ist kurz und prägnant. Auf verschachtelte Wortkaskaden und Fremdwortvöllerei, wird dankenswerterweise verzichtet. Das Buch enthält zwei Karten, ansonsten jedoch keine weiteren Abbildungen. Archäologische Erkenntnisse werden somit nur besprochen, nicht jedoch gezeigt. Bei einer kostengünstigen Zusammenfassung wie dieser, ist das allerdings auch wenig überraschend.

Was erfährt der Leser in diesem Buch? Beispielsweise, dass sich bis ins 8. Jahrhundert keltische Sprachinseln inmitten angelsächsischer Herrschaftsgebiete erhielten. Oder, dass einige vermeintlich angelsächsische Könige britisch-keltische Namen trugen. Und während die germanischen Stämme der Angeln und Sachsen in England archäologisch nachgewiesen werden können, geben die Jüten (Iutae), die laut Beda das Königreich Kent gegründet haben sollen, große Rätsel auf; möglicherweise handelt es sich hierbei sogar um einen reinen Mythos.
Des Weiteren schenkt der Autor dem angelsächsischen Rechtssystemen eine gewisses Maß an Aufmerksamkeit: War es mehrheitlich eine Neukreation oder stammten viele Elemente noch aus den kontinentalen (z.T. "deutschen") Ursprungsländern der Eroberer? Wie sehr war es kirchlich beeinflusst und unterschied es zwischen den germanischen Zuwanderern und der keltoromanischen Urbevölkerung?

Fazit: Eine interessante und gelungene Zusammenfassung, welche die Entstehung des angelsächsischen Englands schnörkellos und in aller Kürze schildert; 4 von 5 möglichen Punkten. 
Ein Punkt wurde übrigens abgezogen, weil man auch hier - wie in Störmers Baiuwaren-Buch - kaum auf das praktische Alltagsleben der Menschen eingeht (wie kleideten sie sich, wie wohnten sie, was aß man, usw.). Dies ein wenig zu umreißen, wäre auch in einem Einführungswerk sinnvoll gewesen, da der Leser so eher in die Lage versetzt wird, sich ein möglichst komplettes Bild vom Menschen des frühen Mittelalters zu machen.

Inhaltsverzeichnis:

I. Überblick über die politische Geschichte der Angelsachsen 
1. Das Römische Britannien
2. Territorien und Königreiche
3. Mission und Kirchenorganisation
4. Von den Wikingern bis zur Schlacht von Hastings

II. Lebensformen der Angelsachsen im 5., 6. und 7. Jahrhundert
1. Herkunft
2. Sprache
3. Lebensgrundlagen
4. Glaubensvorstellungen 
5. Herrschaftsformen
6. Rechtsauffassung

III. Die angelsächsischen Königreiche in Britannien während des 8. Jahrhunderts
1. Wandlung der Wirtschaftsformen
2. Wandlung der Glaubensvorstellungen
3. Wandlung der Herrschaftsformen
4. Die Entstehung Englands

Verzeichnis der wichtigsten Quellen
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