Freitag, 7. März 2014

Der Off-Topic-Freitagabend: Schlechte Filme, interessante Cover-Art from US & A

Man sieht ja so vieles nicht, aber das sieht man ganz besonders gerne nicht: Klick mich
Bereits bei 300, den ein Kritiker als "teuersten S c h w u l e n p o r n o aller Zeiten" bezeichnet hat,  wäre ich bereits nach 20 Minuten am liebsten schreiend aus dem Kino gelaufen. Ich bin also gewarnt und werde mir die Fortsetzung dieses ahistorischen Unsinns natürlich ersparen.
Hollywood beweist immer und immer wieder, dass es einfach zu ignorant ist, ein historisches Thema spannend und gleichzeitig auch halbwegs korrekt wiederzugeben; stattdessen setzt man auf die obligatorischen Quoten-Amazone, die mit ihren spindeldürren Ärmchen beidhändig große (Aluminium-)Schwerter schwingen.
Möglicherweise trägt für diesen Trend aber auch das auf Superhelden und Computerspiel-Ästhetik geeichte Publikum eine gewisse Mitverantwortung. Die Realität scheint den durchschnittlichen Kinobesucher zunehmend anzuöden.
Passend dazu unterhielt ich mich vor ein paar Wochen mit jemandem der die Reenactment-Szene seit etlichen Jahren mit diversen Ausrüstungsgegenständen beliefert. Er meinte, dass selbst Filme die historische Ereignisse völlig verzerrt wiedergeben, seiner Erfahrung nach etliche Leute dazu bringen, sich in seriöser Weise mit der thematisierten Epoche zu beschäftigen.
Es ist durchaus vorstellbar, dass dies tatsächlich zutrifft. So gesehen kann selbst der größten Geschichtsklitterung aus Hollywood noch etwas Positives abgewonnen werden.
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Wieso sieht man so ein cooles CD-Cover nie bei unseren Schlagersängern? Vielleicht käme deren Musik dann ja auch bei jüngeren Leuten besser an ;)  Klick mich 
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Ach ja, ich bin wieder voll da. Noch dazu einen Tag früher als gedacht :)
Ich wünsche jedenfalls allen Lesern ein schönes und erholsames Wochenende.

9 Kommentare

  1. 300 ist in erster Linie eine Comicadaption, kein Historienfilm :) Die Comicvorlage hat auch nicht den Anspruch erhoben, historisch korrekt zu sein. Ich persönlich favorisiere bei "historischen" Nicht-Lehrfilmen definitiv den Mix mit der (gerne heroischen) Fantasy. Und das, obwohl ich Archäologie studiere.
    Man muss es trennen. Wer das natürlich nicht kann(oder möchte), rennt dann eben aus dem Kino ;) Jeder, wie er will. Verteufeln würde ich beides nicht.

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    1. Dass es sich doch bloß um anspruchslose Fantasy oder dergleichen handelt, ist auch das Lieblingsargument der Filmemacher.
      Nur das stimmt ja im konkreten Fall nicht wirklich. Hier steht schließlich nicht irgend eine Sage, etwa die von Herkules, im Mittelpunkt, sondern ein konkretes historisches Ereignis.
      Das Grundproblem bei solchen Filmen ist, dass sie gerade in die Köpfe der nicht einschlägig Vorgebildeten - also der großen Masse - ein extrem verzerrtes Bild der Vergangenheit einimpfen. Und das bekommt kein Geschichtslehrer und keine TV-Doku (die oft genauso schlimm sind wie Kinofilme) wieder weg. Man muss ja nur die römische Antike betrachten, die in der Vorstellung der meisten Menschen selbst heute noch so aussieht, wie sie in den Monumentalschinken der 50er- und 60er-Jahre konstruiert wurde.
      Kurz gesagt, die Filmschaffenden leisten seit vielen Jahrzehnten einen gewichtigen Beitrag zur sogenannten "Volksverblödung" - vor allem im geschichtlichen Bereich.
      Zwischen Fiktion und Realität will und kann der durchschnittliche Kinobesucher hier nämlich nur in vergleichsweise geringem Ausmaß unterscheiden. Der typische Spartaner sieht für ihn deshalb zukünftig so aus wie König Leonidas im Film 300 - und immer hat Otto-Normal-Seher das passende Zitat im Hinterkopf: "This is Spartaaaaa!"
      Nope, das ist es eben nicht ;)

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    2. @Zeitzeugin
      Also ich habe Telematik studiert und bekomme gerade deshalb jedesmal die Krise, wenn ich sogenannten "Hackern" in Hollywoodfilmen dabei zusehe, wie sie auf ihrer Tastatur herumklopfen und sich dabei hübsche aber völlig sinnfreie Popup-Fenster öffnen.
      Mich können solche Filme zwar trotzdem unterhalten, aber nur wenn ich in den peinlichen Momenten mein Hirn in den Standbymodus schicke ;-)
      @Hiltibold
      Auch am Namen dieses Sprechsängers könnten sich unsere Schlagerfuzzis ein Beispiel nehmen :-)
      LG,
      Erwin

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  2. Ich muss gestehen, dass mich Filme wie "Königreich der Himmel" oder "King Arthur" viel mehr aufregen als "300", denn die machen vollmundige Versprechen von historischer Authentizität und "wahrer Geschichte", die sie dann nicht mal im Ansatz einlösen konnten. Von einer Comicadaption wie "300" hat niemand behauptet, dass die authentisch oder korrekt wäre, und das hat wohl auch niemand erwartet. Erwartet hatte ich einfach nur spannendes Popcornkino – das Enttäuschende an "300" war, dass er nicht einmal diese Minimalanforderung erfüllen konnte: Ich fand ihn weder spannend noch lustig noch emotional noch sonstwas (außer blutig).
    Was den konkreten historischen Hintergrund betrifft: den hat z.B. Art Spiegelmanns Comic "Maus" auch, und trotzdem würde davon niemand Realismus erwarten.
    Da ich selbst von Fantasy-Rollenspielen und -Romanen zum Interessen am Mittelalter und schließlich zum Geschichtsstudium gekommen bin, würde ich der These zustimmen: Auch falsch repräsentierte Geschichte kann echtes, seriöses Interesse wecken - sie kann immerhin als Ansatzpunkt und Diskussionsgrundlage dienen. Dann muss der Betreffende nur noch erkennen, dass die Wahrheit viel spannender ist als alles, was sich Hollywood je ausdenken könnte! (Bei mir waren es John Boormans 80er Jahre Epos "Excalibur" und dann "Le Morte d'Arthur" von Sir Thomas Malory (15. Jh.). Ist das wirklich 25 Jahre her? OMG …)

    Ach, und was Plattencover betrifft, empfehle ich dieses: http://www.discobole.gr/images/NASHVILLE%20PUSSY%20-%20LET%20THEM%20EAT%20PUSSY.jpg

    Ich wünsche ein schönes (Vor-) Frühlingswochenende!
    Jan

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    1. Richtig "aufregen" tun mich solche Filme eigentlich nur, wenn ich dafür Geld ausgegeben habe. Genau deshalb meide ich das Kino mittlerweile.
      Ansonsten denke ich, dass große Teile des Publikums bezüglich des historischen Anspruchs nicht in der Lage sind, strikt zwischen Filmen wie 300 und "Königreich der Himmel" zu unterscheiden, womit meiner Ansicht nach der angerichtete Schaden in beiden Fällen ähnlich hoch sein dürfte.
      300 fand übrigens auch ich aus vielerlei Gründen wenig prickelnd; angefangen bei der penetranten CGI-Kulisse, bis hin zur ins Groteske übersteigerten Ästhetisierung der Gewalt.
      Aber, um einen ehemaligen RTL-Chef zu zitieren: "DIE Leuten wollen das."
      (angeblich)

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  3. fantasy-lastige historisierende filme wie "300" haben sicher einen großen und nachhaltigen einfluss auf die vorstellung die sich der durchschnittsdödel von der antike macht . sich drüber ärgern, habe ich aber schon lange aufgegeben.
    dann gibts andererseits historisch total pingelig umgesetzte filme wie master & commander, die einfach nur langweilig sind und deshalb auch keine attraktive alternative darstellen .
    wie man es dreht und wendet, die situation bleibt deprimierend.

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    1. Historisch korrekt war Master and Commander weitestgehend. Der Titel war allerdings grober Unsinn, wie jeder Salzbuckel weiß, der Hornblower, Bolitho, Ramage und natürlich Aubrey kennt ;)

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    2. Also ich fand Master und Commander recht gut. Die Fortsetzung von 300 kann man nur mehr als Geschichtsfantasy bezeichnen. Da stimmt bewusst nichts mehr. Ich glaube , dass es einfach kein Publicum mehr gibt dass entsprechend historisches Wissen hat deshalb versucht man in Hollywood etwas neues und altes Geschichte als Propagandamittel fuer das eine wackelnde Reich. Wenn man Themistokles so zuhoert steht da ein Amerikaner in falscher griechischer Ruestung.

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    3. "deshalb versucht man in Hollywood etwas neues und altes Geschichte als Propagandamittel fuer das eine wackelnde Reich."

      Der Verdacht einer gewissen Instrumentalisierung kommt bei vielen Hollywoodfilmen rasch auf - und häufig sicher nicht zu Unrecht.
      Wobei das mit Abstand übelste mir je untergekommene Beispiel aus dem historischen Bereich "Der Patriot" mit Mel Gibson ist. Ich hätte es ehrlich gesagt nicht für möglich gehalten, dass eine dermaßen plumpe Propaganda und Geschichtsfälschung heute in einem westlichen Staat überhaupt noch möglich ist. Im Vergleich dazu verdienen sogar 300 und seine Fortsetzung das Prädikat "pädagogisch wertvoll" ^^

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