Sonntag, 20. März 2016

Die 300 Spartaner bei der Thermopylen-Schlacht: Cooler Humor, Feigheit und warum die Perser von den Griechen "Meder" genannt wurden

Relief in Persepolis: Medischer Krieger (links)
und perischer Krieger (rechts)
Im Jahr 480 v. Chr. blockierten 300 Elitekämpfer Spartas - plus mehrere Tausend Verbündete (dieses Detail wird gerne verschwiegen) - die sogenannten Thermopylen. Dabei handelte es sich um eine Engstelle an der Ostküste des griechischen Festlandes (Karte), die an einigen Abschnitten so schmal war, dass sie gerade noch von einem Fuhrwerk befahren werden konnte.
Mit der Besetzung dieses Platzes sollte das Heer des persischen Königs Xerxes am Marsch nach Südwest-Griechenland gehindert werden; eine Mammutaufgabe für die Griechen, denn die Perser führten - konservativ geschätzt - rund 250.000 Mann ins Feld. Dies war eine Zusammenballung an Soldaten, wie sie die Welt bis dahin wohl noch nicht gesehen hatte!
Als der gewaltige feindliche Heerwurm, vom Hellespont kommend, immer näher an die Thermopylen heranrückte, machte sich bei den in der Sommerhitze schmachtenden Griechen Nervosität breit. So kam es, dass ein kriegserfahrener Soldat der Hilfstruppen seinen Kameraden ängstlich erklärte, die unzähligen bogenbewehrten Meder* (Perser) würden dermaßen viele Pfeile verschießen, dass sich deshalb sogar der Himmel verdunkle. Aus den Reihen der Spartaner kam die coole Erwiderung: "Wenn die Meder mit ihren Pfeilen die Sonne verdunkeln, so kann man wenigstens im Schatten gegen sie kämpfen."  :)
Das Ende vom Lied ist bekannt; die 300 spartanischen Hopliten wurden allesamt niedergemacht - mit einer Ausnahme: Ein gewisser Aristodemos, der zum Zeitpunkts des Gefechts aufgrund einer Augenentzündung kampfuntauglich war, wurde zusammen mit dem Großteil der Hilfstruppen aus dem Kampfgebiet evakuiert. In Sparta legte man es ihm freilich als Feigheit aus, dass er nicht halbblind in den Kampf gezogen war. Um diese Schande zu tilgen, stürzte sich Aristodemos im darauffolgenden Jahr bei der großen Schlacht von Plataiai an vorderster Front auf den persischen Feind - und starb.


Die Griechen verwechselten Perser und Meder gerne; soll heißen, sie sprachen von "Medern", obwohl sie eigentlich die Perser meinten. Der wahrscheinliche Grund hierfür: Die ersten 'Perser' mit denen die Griechen in intensiveren Kontakt kamen waren medische Soldaten, welche die griechischen Städte in Kleinasien ca. 60 Jahre vor der Schlacht bei den Thermopylen auf Befehl des persischen Königs Kyros II. unterwarfen. Die Meder wiederum waren mit den Persern verwandte Arier (!) und selbst erst kurz zuvor in das aufstrebende Persische Großreich eingegliedert worden.
Bei all dem Durcheinander scheinen die Griechen den Überblick verloren zu haben, sodass die Überlieferung häufig etwas undeutlich ist. Im Fall der Thermopylen-Schlacht könnten freilich durchaus spezielle medische Truppenverbände gemeint sein, aber völlig sicher ist das nicht, denn sowohl Perser wie auch Meder genossen einen hervorragenden Ruf als Bogenschützen.

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4 Kommentare

  1. Ach, bei den Barbaren den genauen Überblick zu behalten ist auch kompliziert, die Römer verwechselten Kelten und Germanen auch gerne. Ist letztlich ja auch egal, solange sich das Zielpublikum halbwegs vorstellen konnte, wer oder was gemeint war...

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    1. Genau, und teilweise ist das ja auch heute noch nicht anders.

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  2. Kelten und Germanen scheinen unentwirrbar. Der Anführer der germanischen (?) Kimbern, Boiorix, könnte mit dem Namen glatt in einem Asterix-Heft als Gallier auftreten. Die Teutonen, die mit den Kimbern zusammen nach Süden vorstießen, werden von den Römern allerdings als Kelten bezeichnet.
    Dabei soll ihre Heimat allerdings das germanische (?) Jütland sein. Der dort gefundene Kessel von Gundestrup gilt dagegen als keltisch.
    Einmal werden sogar die Alamannen als Kelten bezeichnet. Das wiederum passt gut zu Lehmanns Theorie von den "frühen Alamannen" des 3. und 4. Jhs. als nur oberflächlich romanisierte Kelten unter der Herrschaft der aus dem Elbgebiet zugewanderten Germanen:
    Hans-Dieter Lehmann: Die dunklen Jahrhunderte. Überlegungen zu den "frühen Alamannen" des 3. und 4. Jahrhunderts in den südlichen Teilen von Baden-Württemberg, in: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte 26, 1990, S. 9-26
    Leser

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    1. Unausweichlich landet man im Falle der weder klar als Kelten oder Germanen definierbaren Völker auch schnurstracks bei der Nordwestblock-Theorie.


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