Donnerstag, 20. Oktober 2016

Krimskrams: Unfassbar, unglaublich, der totale Wahnsinn! -- Drei kritische Campus-Galli-Rezensionen -- usw.

Unfassbar, unglaublich, der totale Wahnsinn ...

... jetzt gibts Clickbait sogar schon auf den Covern von Sachbüchern!  Klick mich
Oder sollte man hier nicht eher von 'Buybait' sprechen? 

Nachtrag: Bei den positiven Rezensionen des Buchs scheint es sich um 'Fakes' zu handeln. Man vergleiche einmal die drei Profile der Rezensenten bzw. die von ihnen bisher rezensierten Bücher (Danke für den Hinweis).

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Drei kritische Campus-Galli-Rezensionen

So richtig rund läuft es auf der Mittelalterbaustelle Campus Galli trotz der für diese Saison planmäßig erreichten Besucherzahlen nicht; beispielsweise missglückte der aufwendige Guss einer Glocke nun schon zum dritten Mal.
Die Verantwortlichen dürften das eigene Versagen bereits im Vorhinein erahnt haben, denn der besagte Glockenguss fand diesmal unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit statt: Weder gab es eine Ankündigung auf der Homepage noch bei Facebook oder in einer Zeitung - wie es ja ansonsten in geradezu inflationärer Weise praktiziert wird. Diese heimlichtuerische Vorgehensweise führt die angebliche Intention des Projekts - nämlich mittelalterliches Handwerk möglichst vielen Menschen vorzuführen - wieder einmal ad absurdum. 
Erst nachdem ein Medienvertreter konkret nach der Glocke fragte, wurde das jüngste Missgeschick ruchbar. Hannes Napierala - seines Zeichens Geschäftsführer des Campus Galli, Wissenschaftsimitator und promovierter Spruchbeutel - war die Angelegenheit offenbar ziemlich peinlich; zweifellos hätte er sie lieber unter den Teppich gekehrt, da ihm wohl schwant, dass sich längst etliche Beobachter zu fragen beginnen, ob es sich hierbei wirklich nur um die Unwägbarkeiten der Experimentalarchäologie handelt oder nicht auch die Unfähigkeit der Verantwortlichen das Ihrige zu der Serie von Fehlschlägen beigetragen hat.

Eventuell nicht ganz zufällig mehren sich in letzter Zeit auch die kritischen Projekt-Rezensionen. Siehe folgende Screenshots, die von der Facebook-Seite des Campus Galli stammen:

Quelle

Quelle

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Zurecht stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass nach vierjähriger Bautätigkeit erst so wenig zustande gebracht wurde. Geradezu kurios ist freilich die Reaktion auf die letzte der drei Rezensionen. Der Rezensent möge zuerst den direkten Kontakt suchen, bevor er negativ bewertet, heißt es pikiert. Doch warum sollte er das machen? Wenn mir ein Sachbuch nicht gefällt, schreibe ich doch auch nicht zuerst den Autor oder den Verlag an, bevor ich bei Amazon meine Rezension veröffentliche. Außerdem zeigen mehrere Beispiele, dass der Campus Galli ihm unbequeme Fragen nur ungern oder gar nicht beantwortet. Auf öffentliche Diskussionen bzw. den Austausch von Argumenten lässt man sich noch viel weniger ein. Schließlich ist es nicht erforderlich, die augenscheinlich gar nicht so wenigen Kritiker zu überzeugen, solange die Politik das Steuergeld sprudeln lässt. Lauter lupenreine Demokraten eben. 

Die Kritiker benennen die Mängel im Zuge ihrer Rezensionen zumeist sehr konkret, während die Fanboys und Fangirls des Projekts offensichtlich nicht in der Lage sind, eine detaillierte Begründung ihres Wohlwollens zu artikulieren. Stattdessen wird rein aus dem Bauch heraus bewertet. Wer es wagt, nach den historischen Quellen zu fragen, die Grundlage für diese oder jene bauliche Maßnahmen darstellen, wird als Miesmacher abgestempelt. Was wiederum den Schluss nahelegt, dass wissenschaftliche Kriterien in den Augen der Befürworter keine übermäßig hohe Priorität genießen - oder sie schlicht und ergreifend keine rechte Vorstellung von Wissenschaft haben. Im Gegenteil, man preist noch das eigene Brett vorm Kopf als Panoramablick. Siehe dazu folgenden Screenshot, der ebenfalls von der Facebook-Präsenz des Campus Galli stammt:


Quelle
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Der blanke Horror ...


... für Living-History-Darsteller: Klick mich

Wobei ich persönlich beim Betrachten des Videos weniger Horror, sondern vielmehr einen wohligen Schauer empfunden habe ;)

21 Kommentare

  1. "Wissenschaftsimitator und promovierter Spruchbeutel"

    Sehr schön :-)))

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  2. Bedenklich ist, dass diejenigen, die Dank ihrem Netzwerk die finanziellen Quellen erschlossen haben und immer noch erschließen, den Campus Galli verschiedentlich zur Selbstdarstellung nutzen. Im übertragenen Sinne also:
    Außer Spesen (Geldbeschaffung) nichts gewesen.

    Insider

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  3. Auch mir ist schon oft aufgefallen, dass sobald jemand auf die erste Entgegnung des CG Kontra gibt, nichts Neues mehr nachkommt.
    Ist das einfach nur Diskussionsfaulheit, Mangel an guten Argumenten oder haben die das in einem Schnellsiederkurs für Social Media so gelernt?
    Schlussendlich kommt das einfach nur arrogant oder hilflos rüber, und damit schaden sie sich nur selbst!

    Der FB-User Rainer Halama fasst die Misere dieses Bauprojekts in seiner Rezension mit den Worten "bemüht, aber nicht gekonnt" sehr gut zusammen.

    Gero

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  4. Wir wohnen nicht weit vom Campus.Wir wollen seit Jahren dort hin.Begründet aus dem was man so aus den örtlichen Quellen erfährt, auch über den zuständigen BM und seine Machenschaften das Projekt zu Geld zu machen: Danke Nein ! Es soll mittlerweile den ein oder anderen guten Handwerker geben, schade für diese - hiffen wir der schlechte Ruf des Campus färbt nicht auf diese ab.
    Befremdlich für mich: In jedem Kinderferienprogramm und auch sonstigen Geschichts -/ Reenactment fernen Dingen hat der Campus seine Finger drinnen....Ausserdem ist es unerwünscht, dass man dort in Reenactmentkleidung oder sonstiger Gewandung erscheint.Ausser zu diversen Jahresfesten.Hat hier jemand Angst, dass die Besucher besser gekleidet sind als die "Darsteller" ?
    Schade drum, hatte gut angefangen....bis sich der eigentliche Ideengeber vom Projekt verabschiedet hat ( nachvollziehbar) ....
    Liebe Grüße nach Graz !

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    1. Der eigentliche Ideengeber - der auch unter der schon fast legendären Bezeichnung "Initiator" bekannt wurde - ist leider die Wurzel des Problems. Er hat nicht nur personell bereits in der Planungsphase viele Fehlentscheidungen getroffen, sondern war ganz grundsätzlich sehr beratungsresistent - besonders nachdem die Finanzierung als gesichert galt. Der einzige echte Living-History-Fachmann des Projekts ist deshalb kurz vor der Eröffnung geflüchtet.
      Aber auch andere Mitarbeiter haben längst das Weite gesucht. Der Schmied ging bereits nach dem 1. Jahr, es folgte der Ochsentreiber, dann ging die desillusionierte Steinmetzin, die ursprünglich Feuer und Flamme für die Idee war - usw.
      Grüße nach BW!

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    2. Nicht zu vergessen der Töpfer!
      Leser

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  5. Stammtisch-Teilnehmer freuen sich über Entwicklung des Campus Galli
    So titelt die Schwäbische Zeitung am 20.10.2016
    Link:http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Stammtisch-Teilnehmer-freuen-sich-ueber-Entwicklung-des-Campus-Galli-_arid,10548633_toid,494.html

    Insider

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  6. Hachja, die Schwäbische halt.Deren Niveau sinkt momentan schneller als die Titanic.Ich durfte schon live den Unterschied zwischen einem realen Stammtisch und der Berichterstattung dazu erleben.Auch hier liegen Welten dazwischen.

    @ Hiltibold:
    Ich dachte immer Andreas Sturm sei der Ideengeber gewesen ? Asche auf mein Haupt !
    Wir haben seinerzeit seine Berichte / Aufklärung auf dem Archeoforum verfolgt.
    Er nahm sich die Sache so zu Herzen, es entstand bei uns der Eindruck, es wäre seine Idee.
    Naja, trotzdem bedauerlich dass immer noch nicht's nach "Plan" läuft.
    Falls was läuft, scheint es immer noch das Personal zu sein: scheinbar weit weg vom Campus ;)

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  7. Ist die "Schwäbische" eigentlich dazu verpflichtet, jeden Artikel mit einer Überschrift zu versehen, die immer den Campus Galli wohlwollend u. positiv in den Vordergrund rückt? Damit der Leser auch ja jeden Tag eingeschärft bekommt wie toll es dort läuft und wie sehr sich ein Besuch folglich lohnen müsste?
    Schließlich ging es bei dem Stammtisch auch um andere,sehr relevante Themen für Meßkirch, aber die Überschrift dazu lautet:
    Stammtisch-Teilnehmer freuen sich über Entwicklung des Campus Galli
    Sowas grenzt ja schon an Gehirnwäsche.

    Und zum Facebook-Kommentar von Mathias Nees, der den weisen Rat gibt, nicht alles so bierernst zu nehmen :

    Bierernst nimmt sich der Campus Galli vor allem selbst; immer wieder wird die wissenschaftliche Arbeit betont, damit werden Begehrlichkeiten geweckt bei Leuten, die nunmal dieses wissenschaftliche Interesse haben ! Genau diese Leute werden herb enttäuscht und wenn sie diese Enttäuschung äußern, z.B. weil sie keine Quellen finden, dann werden sie als "Erbsenzähler" betitelt u. belächelt. Das ist eine Frechheit.

    LG
    Cassandra

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    1. Gesetzlich verpflichtet ist sie dazu nicht, es Herrschaft ja Pressefreiheit. Angefangen hat die sich inzwischen als "unabhängig" titulierende "Schwäbische Zeitung" jedoch als Parteiorgan jener Partei, in der auch der Bürgermeister von Meßkirch und der frühere Sigmaringer Landrat (der Campus Galli ebenfalls unterstützte) Mitglied sind. Über eine entsprechende Färbung der Artikel muss man sich daher nicht wundern.
      Leser

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  8. Wollte Amazon nicht stärker gegen solche gefälschten Rezensionen vorgehen? Gibt es dafür keinen Algorithmus, der Querverbindungen von Nutzerkonten erkennt und gegebenenfalls Alarm schlägt?

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    1. Exakt die Frage habe auch ich mir gestellt. So schwierig kann das nämlich wirklich nicht sein, bei der exzessiven Datensammelei, wie sie von denen Betrieben wird.

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    2. Vermutlich ist Amazon das ähnlich wichtig wie der Versuch, die beim Kindle-Selfpublisher-Programm herummanipulierenden "Autoren" loszuwerden (https://heise.de/-3180709)

      -Maxwell

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  9. Oha, bei dem Video mußte ich letztlich auch lachen. Am besten war dann die Gummipompfe zum Schluß!
    Elbenwald verkauft Fantasy-Sachen aller Art, da kann man nichts anderes erwarten.
    Zum C.G. sag ich nix, das spricht alles für sich!
    - Fränkin -

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  10. Das ist schon ein interessanter Zufall: kaum weist Hiltibold hier auf eine unbeantwortete Rezension hin, antwortet der Campus Galli bei Facebook plötzlich doch darauf.

    :-)

    Grüßle,
    Maria

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    1. Der Campus Galli ist eben ein wahres Tabernakel der Mysterien ;)

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    2. Apropos Tabernakel: Wer hat denn eigentlich die Glocke gegossen, bzw, gießen wollen? Gute Glockengießereien gibt es zum Glück noch einige in Europa und das heutige Verfahren unterscheidet sich nicht zu sehr von früher. Etwas mehr Messtechnik, besseres Ausgangsmaterial, das war es im Grunde schon. Wobei man inzwischen sogar dazu übergeht, sich wieder verstärkt an "alten", unreinen Legierungen zu orientieren. (Klöppel aus Industriestahl z.B. sind einfach zu hart und führen oft zu Rissen.)
      War da wieder jemand beratungsresistent, oder hat gar nicht erst um Rat gefragt?

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    3. An sich sollte der von Auswärts herbeigeholte Gießer schon wissen, was er treibt.
      Hier sein Blog: http://archaeometallurgie.de/
      Da aber der erste Guss im Vorjahr aufgrund selbstverschuldeter Schludrigkeit misslang, stehe ich der Expertise dieses Herrn mit Misstrauen gegenüber.

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    4. Naja, ich würde Herrn Dr. Asmus die Expertise nicht grundsätzlich absprechen wollen. Erfahrung mit verschiedenen Gusstechniken hat der Mann schon, allerdings eher im Kunstgussbereich. Und das ist dann doch etwas anderes, würde ich sagen. Kunstgegenstände müssen vielleicht der Witterung stand halten und werden im Allgemeinen auch vorsichtig behandelt - von herumkletternden Kindern einmal abgesehen. Die Kräfte, die auf eine Glocke wirken, sind jedoch ungleich mächtiger. Da reicht ein kleiner Fehler und die Glocke reißt.

      Darüber hinaus scheint mir Herr Asmus eher Wissenschaftler denn Handwerker zu sein, eine Art Experimentalarchäologe im Bereich Metallurgie sozusagen. Wofür man ihn allerdings kritisieren müsste, ist die etwas überhebliche Attitüde, ein Glockengießprojekt alleine managen zu können, ohne über handwerkliche Erfahrung in diesem Bereich zu verfügen. Wenn es keine Glockengießereien im deutschsprachigen Raum mehr gäbe, könnte ich das ja noch nachvollziehen. Aber gerade in Süddeutschland gibt es einige: Bachert oder Rincker zum Beispiel, oder das Kloster Maria Laach. Von Messkirch aus alle binnen weniger Stunden mit dem Auto zu erreichen.
      Da hätte man sich, neben der archäologischen, auch die handwerkliche Expertise holen können.

      Wie ein solches Zusammenspiel zwischen Wissenschaft und Handwerk gut funktioniert kann, zeigt dieses Video:

      https://www.youtube.com/watch?v=fkzxYojj3cI

      Hier geht es zwar nicht um Glocken, sondern um ein sogenanntes "wurmbuntes" Schwert, aber das Projekt zeigt ganz gut, wie ein Rekonstruktionsversuch laufen kann: Ein Archäologe/Historiker sichtet die Quellen und arbeitet dann mit einem Schmied zusammen, der über eine breite handwerkliche Erfahrung im Bereich des Schwertschmiedens verfügt. Beide machen im 10 minütigen Video transparent, wo die Schwierigkeiten liegen, wie sie experimentieren und wo sie improvisieren. Sehr vorbildlich, das Ganze. Da kann sich Campus Galli eine dicke Scheibe von abschneiden.

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    5. Eine Ergänzung noch:
      Campus Galli hätte sich übrigens auch gerne bei der Sendung mit der Maus informieren können...

      https://www.youtube.com/watch?v=xuCv3kiA4pU

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    6. Beim Campus Galli möchte man es genauso machen wie im Mittelalter - also ohne modernes Werkzeug. Doch wie so oft hat man sich bezüglich der Schwierigkeiten verschätzt. Sie verfügen ja nicht einmal über eine überdachte Werkstätte, die die Form vor Witterungseinflüssen schützt, was sehr wichtig wäre. Husch-Pfusch eben.

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