Mittwoch, 17. April 2013

Haare färben im antiken Rom


Den Römern sagt man ja nach, dass sie sehr vom blonden Haar der nordeuropäischen Völker angetan waren; vor allem die Germanen werden in diesem Zusammenhang häufig genannt. So soll etwa der verhaltensauffällige Kaiser Caracalla versucht haben, sich durch das Tragen einer blonden Perücke bei seiner germanischen Leibwache einzuschmeicheln.
Man konnte sich die Haare freilich auch färben bzw. bleichen. Beispielsweise wird das Haar heller, wenn man es direkt nach dem Waschen der Sonnenbestrahlung aussetzt (manch Sommerfrischler kennt das vielleicht vom Badeurlaub am Meer). Der hier erreichbare Effekt ist allerdings ein vergleichsweise bescheidener. Möchte man ein helles Blond erzielen ist demnach der Einsatz eines starken Bleichmittels unerlässlich.
Die Römer, vor allem aber wohl die Römerinnen, verwendeten laut Martial aus diesem Grund die aus der Gegend um Wiesbaden stammenden pilae Mattiacae (=Mattiaker Kugeln), oder den im heutigen Holland erzeugten spuma Battava (=battavischer Schaum).
Plinius wiederum erwähnt eine Mischung aus Talg und Asche, mit der die Gallier ihre Haare rötlich färbten. Mit reiner Pottasche (Kaliumkarbonat) - oder aus Ägypten eingeführtem Henna - konnte man diesen Farbton ebenfalls erzielen. Martial spricht außerdem davon, dass spuma Chattica (=chattischer Schaum) dem Haar Feuerfarbe verleihe (Anm.: Die Chatten und Mattiaker waren germanische Stämme).

Neben all diesen Möglichkeiten sind noch einige andere überliefert; beispielsweise das bereits bei den Ägyptern gebräuchliche Färben der Haare mit dem Saft von Wacholderbeeren (ergibt einen dunklen Farbton); oder das Bleichen der Haare mit Kalkwasser, wie es den Kelten von Diodor zugeschrieben wird. Bei Properz ist sogar von Frauen mit blauen Haaren die Rede, ohne dass allerdings darauf eingegangen wird, wie man dies bewerkstelligte (vermutlich wurden die Haare zuerst gebleicht und danach mit einem Pflanzensaft eingefärbt).

Anhand obiger Beispiele kann man sehen, wie überaus einfallsreich die Römer waren, wenn es darum ging, die eigene Lockenpracht aufzumöbeln ;)

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Quelle und Literatur-Tipp:

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7 Kommentare

  1. Musste mich gerade mal über "Mattiaker Kugeln" und "batavischen Schaum" informieren und dachte, ich ergänze es mal hier. :-)

    Mattiaker Kugel: (offenbar) abgekratzte Ablagerungen (Kalk?) von Beckenrändern der Thermalquellen, die zu Kugeln geformt wurden

    batavischer Schaum: eine "Lauge", bereitet durch Ausziehen von Pflanzenasche

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    1. Danke für die Ergänzung!
      Ich ergänze die Ergänzung ;) noch damit, dass laut Plinius diesen Kugeln Ziegenfett und Buchenasche beigefügt wurde. Die Asche wohl zwecks Bleiche, das Fett als "Stabilisator", um eine besserer Formbarkeit zu gewährleisten.

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  2. Ich stelle mir schon länger die Frage, warum ausgerechnet die Germanen und Kelten Mittel zum Blondieren entwickelt haben. Schließlich fand man doch gerade bei ihnen von Natur aus einen sehr hohen Anteil an hellem Haar.

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    1. Gute Frage.
      Wer weiß, vielleicht war besonders helles Haar auch bei Ihnen ein Schönheitsideal, dem die Dubkelhaarigen nacheiferten?
      Dass man diese Färbemethoden, zumindest teilweise, nur für die Römer bzw. den Export entwickelt hat, wäre natürlich auch eine Möglichkeit. Allerdings erscheint mir dies nicht sehr wahrscheinlich.

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  3. Vielleicht sind die Germanen ja auch einfach nur darauf bedacht gewesen ihre eigenen Haare zu behalten, denn schließlich war gerade blondes Germanenhaar in Rom sehr begehrt! Wenn die Haare auch anders zu blonder Farbe kommen.....

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  4. selbst die Römer hatten schon die antiken Mittel verwendet die man noch heute verwendet. zb Öl in allen Varianten. das erste Mal hab ich davon auch in nem Blog gelesen den ich heut noch folge http://frauenbewerten.de/... aber dein artikel zeigt dass ich die richtigen infos hab :-)

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