Donnerstag, 22. März 2018

Krimskrams: Mary Beard und Sabina Matthay - feministische Heuchelei im Doppel

Triggerwarnung: Das ist einer der seltenen Fälle, in denen ich hier relativ politisch werde. Wer damit nichts am Hut hat, sollte an dieser Stelle aufhören weiterzulesen 😃

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Dass dieser Beitrag weniger mit Geschichte und mehr mit Politik zu tun hat, beruht nicht auf einer bloßen Laune von mir. Vielmehr fühlte sich eine gewisse Sabina Matthay vom Deutschlandfunk bemüßigt, ein Büchlein der britischen Althistorikerin Mary Beard zu besprechen, in dem Feminismus und Geschichtswissenschaft in unlauterer Weise miteinander verquirlt wurden. Den darin dargebotenen Nonsens sollte man keinesfalls unkommentiert lassen. Es folgen daher ein paar Auszüge aus besagter Rezension, in denen sich die Heucheleien und Doppelstandards der beiden weitestgehend gleichgesinnten Damen besonders anschaulich herauskristallisieren. 

Wer die Macht hat, hat das Wort, und beides ist immer noch fest in Männerhand, zu Lasten von Frauen. Die Kernthese von Mary Beards Manifest reicht sogar noch weiter: "Wenn es darum geht, Frauen zum Schweigen zu bringen, hat westliche Kultur Jahrtausende praktischer Erfahrung." 

Ja, der böse Westen wieder einmal. Das einzige nennenswerte Gesellschaftsmodell auf dem gesamten Planeten, in dem Männer es trotz ihrer Position der Stärke zugelassen haben, dass sich Dinge wie die Frauenrechtsbewegung und der Feminismus entwickeln.
Aber möglicherweise sind heute viele Feministinnen ja genau deshalb so voller Wut auf den westlichen Mann: Ständig haben sie das unterschwellige Gefühl, ihr Tun sei von dessen freiwilligen Machtverzicht abhängig. Etwas, das sich indirekt tagtäglich bestätigt, sobald sie einen Blick auf ihre zugewanderten Geschlechtsgenossinen aus anderen Kulturkreisen werfen. Wenn die Ehemänner es so wollen, dann spielen sich die Karrieren dieser Frauen ausschließlich zwischen Küche und Besenkammerl ab ...

Bis heute werden Frauen in aller Öffentlichkeit von Männern belehrt, unterbrochen, heruntergeputzt. Wer das bestreitet, sei an die Präsidentschaftswahldebatten 2016 zwischen Donald Trump und Hillary Clinton erinnert.

Ich erinnere mich an etwas ganz anderes: Aufgrund von mehreren Wikileaks-Veröffentlichungen weiß man, dass im Vorwahlkampf (Primaries) Hillary Clinton von einer Geschlechtsgenossin aus dem CNN-Dunstkreis hinsichtlich mindestens einer Kandidaten-Diskussion vorab die entsprechenden Fragen zugesteckt bekam (siehe auch hier). Clinton hatte dadurch einen unlauteren Vorteil gegenüber ihrem parteiinternen männlichen Gegenkandidaten Bernie Sanders. Dieses üble Foul war einer der Gründe, warum nicht wenige Sanders-Sympathisanten aus schierer Wut auf Clinton und ihr intrigantes (Frauen-)Netzwerk später Trump wählten.
Überhaupt muss die Autorin Mary Beard unter einer veritablen Wahrnehmungsstörung leiden, wenn sie den absurden Eindruck hat, jemandem ins Wort zu fallen, wäre eine Unsitte, die hauptsächlich von Männern ausgeht. Jeder, der sich einmal eine Fernsehtalkshow angetan hat, weiß ganz genau, wie gerne auch Frauen andere Diskussionsteilnehmer unterbrechen. Und immer wieder handelt es sich bei diesen Verbalrabauken um Feministinnen...

Solche Schikane hat Tradition. Mary Beard zeigt, wie schon die alten Griechen Frauen mundtot machten: "Öffentliche Rede und Redekunst waren nicht nur etwas, was Frauen in der Antike nicht taten: es handelte sich um exklusive Praktiken und Fertigkeiten, die Männlichkeit als soziales Geschlecht definierten. [...] Öffentliche Rede war ein, wenn nicht das entscheidende Attribut von Maskulinität."

Weil Frauen in beruflicher Hinsicht bei uns erfreulicherweise längst über die gleichen Möglichkeiten wie Männer verfügen, begibt man sich hier in die weit zurückliegende Vergangenheit, um zumindest dort Argumente ausgraben zu können, aus denen der heutige (Radikal-)Feminismus einen möglichst umfassenden Opferstatus für die Frau ableiten kann. Dergleichen dient der Stimmungsmache und dem damit verbundenen Ziel, in immer größerem Umfang leistungsfeindliche Quotenregelungen politisch durchzudrücken - besonders dort, wo gemütliche Jobs winken. Oder haben Feministinnen jemals den geringen Frauenanteil bei Berufen am Bau angeprangert? Eher nicht. Nur wenn es um gut dotierte Professuren und Managementposition geht, werden sie quengelig. 

In ihrem zweiten Essay geht es Mary Beard um die Darstellung - und Verunglimpfung - erfolgreicher Frauen. Vor allem Politikerinnen werden oft als Ungeheuer Medusa gezeigt, im letzten US-Präsidentschaftswahlkampf machte in sozialen Medien eine blutrünstige Montage die Runde, in der Donald Trump die Medusa Hillary Clinton enthauptete.

Ein Gegenbeispiel entlarvt dieses Argument als heuchlerisches Messen mit zweierlei Maß. Denn wäre Mary Beard bzw. der Rezensentin vom Deutschlandfunk hier an einer fairen Beurteilung gelegen, dann hätten sie nicht jenen aufsehenerregenden Skandal ausgeklammert, bei dem es darum ging, dass die für CNN tätige 'Entertainerin' und Feministin Kathy Griffin zum Gaudium ihres (feministischen) Twitter-Anhangs in einem Video mit einem abgeschlagenen, bluttriefenden Trump-Kopf posierte. Einige Tage später war die besagte Xanthippe aufgrund der nun einsetzenden öffentlichen Empörung ihren gut bezahlten Job los.
Übrigens, die Darstellung von Hillary Clinton als kaltes "Ungeheuer" kommt nicht von ungefähr: Erinnern wir uns beispielsweise, wie sie vor laufender Fernsehkamera über die grausame Pfählung und Verstümmelung des libyschen Staatschefs Gaddafi freudig gelacht hat. Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Unbedingt zu nennen wären hier etwa auch noch jene Tonbänder, die dokumentieren, wie sehr es Hillary Clinton erheiterte, dass ein von ihr in den 1970er-Jahren vor Gericht verteidigter Vergewaltiger den Lügendedektortest bestand - sie selbst hielt den Mann damals offensichtlich für schuldig ...
Wenn Frau Beard derlei ausblendet und ausgerechnet Hillary Clinton exemplarisch zum Opfer böser Männer hochstilisiert, dann agiert sie hochgradig unseriös. Selbiges gilt für die merkbefreite Meinungströte vom Deutschlandfunk. Die Moral der beiden Damen unterliegt offenbar sehr stark dem Opportunitätsprinzip.

Solche Mord-Phantasien treiben auch viele Twitter-Nutzer um, die die streitbare Altertumswissenschaftlerin Beard angreifen: "Es ist gruselig, was Twitter-Schikaneure so schreiben; da heißt es zum Beispiel: 'Ich schneide Dir die Zunge ab, ich schneide Dir den Kopf ab und vergewaltige ihn'".

Das ist zwar überaus unappetitlich, belegt aber keine herausgehobene Opferstellung von Frauen in (a)sozialen Netzwerken. Persönliche und meist nicht nachprüfbare Anekdoten ersetzen keine harten Fakten bzw. einen statistischen Nachweis. Das sollte auch einer Geisteswissenschaftlerin klar sein.

Sich Gehör zu verschaffen sei Voraussetzung für die Teilhabe an der Macht, so Mary Beard. Frauen hätten in dieser Hinsicht viel erreicht. Doch immer noch würden erfolgreiche Frauen als Eindringlinge aufgefasst, die sich dem männlichen Kodex der Macht unterwerfen müssten, um akzeptiert zu werden. Etwa äußerlich, indem sie Hosenanzüge tragen wie Bundeskanzlerin Merkel [...]

Feministinnen haben es doch immer als wichtiges Zeichen und Erfolg verstanden, dass Frauen auch Hosen tragen dürfen. Und nun wird daraus plötzlich ein Symbol der Unterdrückung durch das Patriarchat? 😂 

Ihre Darstellung, wie Frauen von der Antike bis heute zum Schweigen gebracht und von der öffentlichen Vertretung ihrer Anliegen abgehalten werden, ist eindrücklich und überzeugend. Ihre Schlussfolgerungen sind es jedoch oft nicht.

Wer Rosinenpickerei betreibt, mittels Anekdoten argumentiert, nichts mit belastbaren Zahlen belegt und überdies mit zweierlei Maß misst, 'überzeugt' höchstens unkritische Gleichgesinnte, die man freilich von vornherein nicht hätte überzeugen müssen. 
Trotzdem sei abschließend erwähnt, dass Mary Beard abseits ihrer Feminismus-Schrulle einige gelungene Sachbücher über die Antike geschrieben hat - siehe u.a. meine beiden Rezensionen unten.

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Kommentare:

  1. Deutschlandfunk eben, viel mehr als Feminismus- und Marxismus-Propaganda können die nicht. Kommt mittlerweile in jedem gefühlten zweiten Beitrag vor.

    Der Wanderschmied

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  2. Sehr schade, dass Mary Beard hier einen offensichtlich total unqualifizierten, leicht zu falsifizierenden Blödsinn von sich gibt. Ich schätze sie nämlich normalerweise als Autorin sehr.
    Vielleicht sollte sie zukünftig bei ihrem Kernthema, der Alten Geschichte, bleiben.

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    1. Die Autorin baut auf das Halbwissen des durchschnittlichen Lesers. Oder, was mindestens genauso schlimm wäre, ihr selbst fehlt es am nötigen Hintergrundwissen.
      Grüße,
      Norbert

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  3. interessant finde ich schon, dass ausgerechnet frau beard will, dass frauen nicht mehr die hosen anhaben :-) grüße aus der schweiz , chris

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