Freitag, 23. März 2018

Kategorie Hirnmüll: "Die Kritik am Campus Galli ist längst verstummt"



Die Tageszeitung Südkurier ist der finanzschwachen Mittelalterbaustelle Campus Galli in Freundschaft verbunden. Dementsprechend wohlwollend bzw. unkritisch begleitet man das von der Politik forcierte Projekt im baden-württembergischen Meßkirch - wie ein aktuelles Gefälligkeitsinterview anschaulich dokumentiert. Doch sehen wir uns diese 'Fake News' anhand einiger Auszüge im Detail an.

Geschäftsführer Hannes Napierala beschreibt die Schwerpunkte der für die kommenden Monate geplanten Arbeiten wie folgt: „Der Obstgarten erhält einen Torbogen als Eingang, für den der Steinmetz zu Saisonbeginn die Steine behauen wird.“ Dieser frei stehende Torbogen, für dessen Bau die Zimmermänner ein spezielles Holzgerüst fertigen müssten, sei eine Premiere und damit eine neue Herausforderung für die Handwerker. „Das spätere Großkloster wird einmal eine Vielzahl solcher Arkaden besitzen“, schätzt Napierala. 

Die promovierte Luftpumpe "schätzt" hier. Somit ist die Aussage nicht wissenschaftlich, also unwissenschaftlich und damit willkürlich. 
Ganz bestimmt nicht aufs Schätzen verlegen muss man sich hinsichtlich der folgenden Frage: Hätten mittelalterliche Klosterbauer einen 'verspielten' Steinbogen für ihren Obstgarten errichtet, bevor sie über essentielle Dinge wie Wohnquartiere, einen Speisesaal, einen Trinkwasser-Brunnen (!) usw. verfügten? Sicher nicht. Eine dermaßen unsinnige Baureihenfolge findet man wohl nur beim Campus Galli. 

Neben den Gärten entstehe ab diesem Jahr zudem eine große strohgedeckte Scheune [...]. Der zweite Schwerpunkt 2018 sei weiterhin die Holzkirche, deren Innenausbau schon weit vorangeschritten ist. 

In der im Verlag Gmeiner veröffentlichten jährlichen Chronik des Campus Galli hieß es im Vorjahr: "2016 konnte mit der Holzkirche das erste Bauwerk der karolingischen Klosterstadt fertiggestellt werden."
Da man aber laut aktuellem Südkurier-Interview auch 2018 noch an der kleinen Holzkirche arbeitet, entsteht hier der äußerst unschöne Eindruck, dass den Lesern der Chronik regelrecht die Hucke voll gelogen wurde, als man kategorisch behauptete, die Holzkirche sei bereits 2016 fertiggestellt worden. Freilich, der Campus Galli ist immer verzweifelt bemüht, vermeintliche Erfolge vorzuweisen ...

35 Mitarbeiter seien bei dem Projekt beschäftigt, bei dem ganz ohne Maschinen und nur mit der Technik des Mittelalters im Sinne der experimentellen Archäologie gebaut wird. 

Das ist leeres Wortgeknatter, weil es für die letztere Behauptung keinen umfassenden qualitativen Nachweis gibt. Eher ist das Gegenteil der Fall, denn die für den weiter oben erwähnten Torbogen benötigten Steine brechen die Handwerker des Campus Galli keinesfalls mit den Methoden des Mittelalters aus ihren Lagerstätten, sondern diese werden vielmehr in der grob passenden Größe von einem nahe gelegenen Steinbruch angeliefert. 
Im Übrigen ist schnöde Steinmetzarbeit, wie sie zurzeit auf dem Gelände des Campus Galli in winzig kleinem Umfang betrieben wird, keine experimentelle Archäologie. Derlei macht man weltweit schon seit vielen Jahrzehnten (z.B. in Guédelon und diversen Dombauhütten); wesentliche neue Erkenntnisse für die Forschung sind daher in absehbarer Zeit hier nicht zu erwarten. Somit fallen die entsprechenden Tätigkeiten des Campus Galli fast ausschließlich in die Kategorie Museumspädagogik/Publikumsbespaßung. Primär aus Marketing-Gründen veredelt man diese Trivialitäten trotzdem pauschal mit dem Prädikat "Expermimentelle Archäologie". 

In 40-jähriger Bauzeit soll auf dem Waldgelände der Klosterplan realisiert werden, der auf der Insel Reichenau im Frühmittelalter entstand und der in der St. Galler Stiftsbibliothek aufbewahrt wird.

Die ursprünglich geplante vierzigjährige Bauzeit wird mittlerweile selbst vom Geschäftsführer als wenig realistisch bzw. als zu knapp bemessen betrachtet. Ein weiterer Projektbeteiligter sprach gar von 80 Jahren. Kein Wunder, steht doch selbst nach über fünf Jahren kein einziges der rund fünfzig Gebäude des erwähnten St. Galler Klosterplans. Der merkbefreite Rechercheur des Südkurier lässt sich davon aber nicht beirren. Ein Qualitätsjournalist wie er im Buche steht.

2017 war der Campus Galli in die [...] (Exarc) aufgenommen worden. Einem Netzwerk archäologischer Freilichtmuseen, zu dem beispielsweise das Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen gehört, dessen Mitglieder sich zu einer wissenschaftlich korrekten Darstellung und zu dokumentierten und wiederholbaren archäologischen Experimenten verpflichtet haben.

Wie mir bereits zwei echte Experimentalarchäologen erklärten, ist es keine Kunst, in die Exarc aufgenommen zu werden. Umso erstaunlicher, dass der Campus Galli dafür ein halbes Jahrzehnt benötigt hat. Im Übrigen wurden viele der auf dem Campus Galli ausgeführten Arbeiten nicht oder - in wissenschaftlicher Hinsicht - nur mangelhaft dokumentiert, wie ich schon mehrfach belegen konnte. Siehe etwa die Holzkirche, deren bisher nicht veröffentlichte Dokumentation bereits den Leiter eines anderen Freilichtmuseums dazu bewog, den Campus Galli über Facebook danach zu fragen. Der gute Mann wurde natürlich mit einer Ausrede vertröstet.

Die Kritik am Campus Galli, dass dort pseudo- oder unwissenschaftlich gearbeitet werde, wie sie zu Beginn des Projekts hin und wieder erklang, ist mittlerweile längst verstummt. 

Das ist frei erfunden. Hirnmüll für das Endlager. Hoffentlich schämt sich der Urheber dieser Lüge. Denn der "Verlust von Scham" soll laut Siegmund Freud "das erste Anzeichen des Schwachsinns“ sein 😉
Die hier in Abrede gestellte Kritik findet sich beispielsweise in diesem - auch schon von mehreren Tageszeitungen erwähnten Blog -, dessen Betreiber vom Geschäftsführer des Campus Galli offenbar für kompetent genug befunden wurde, um ihm eine bezahlte Beratertätigkeit anzubieten. 
Selbst auf der eigene Facebookseite des Campus Galli wird, trotz rabiater Zensurmaßnahmen seitens der Betreiber, immer wieder Kritik geäußert. Beispielsweise am bei weitem zu steilen Dach der Holzkirche. Dieser grobe Fehler wurde vom Campus Galli nach jahrelangem Herumeiern - versteckt im Kommentarbereich des sozialen Netzwerks - mittlerweile sogar eingestanden (ich habe darüber berichtet).

Hinsichtlich der finanziellen Situation des Campus Galli erfährt der geneigte Leser im Artikel des Lückenmediums Südkurier selbstverständlich nichts. Der eingeborene Zahlesel soll offensichtlich nicht mit dem Faktum nervös gemacht werden, dass der Geschäftsführer der Mittelalterbaustelle seine eigene Vorgabe, im Jahr 2018 endlich Schwarze Zahlen zu schreiben, meilenweit verpasst hat ...

Kommentare:

  1. Die "Experimentalarchäologen" des Campus Galli haben nach meinem Kenntnisstand noch nichts von wissenschaftlicher Substanz publiziert. Z.B. auf Academia.edu, DER Publikationsplattform auch für deutsche Wissenschaftler, findet sich nichts.

    Für eine bisher schon fünf Jahre laufendes Projekt - und natürlich in Anbetracht des hohen finanziellen Aufwands, den man dabei betreibt - ist das insgesamt eine sehr schwache Bilanz.

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    1. Auf Academia.edu finde ich ein einziges Dokument aus dem Jahr 2015, in dem der Campus Galli von einem Außenstehenden am Rande erwähnt wird. Das ist tatsächlich verdammt wenig, verglichen mit anderen Freilichtmuseen! Daran lässt sich gut ablesen, dass bisher der wissenschaftliche Output nahezu Null sein dürfte.

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  2. "Der eingeborene Zahlesel"
    LOL

    Grüße,
    W.T.C.

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  3. Sie berufen sich immer auf das Bisschen Zusammenarbeit des Campus-Galli-Töpfers mit der Uni Tübingen. Viel mehr gibt es nach all den Jahren nicht. Außerdem hat das nichts mit Bauforschung zu tun, die angeblich das wissenschaftliche Hauptziel dieses BAU-Projekts ist.
    Das der Dumm-Journalist dabei nicht durchblickt, überrascht mich nicht. Der reicht nur weiter, was ihm der Campus Galli vorsetzt. Keine kritische Distanz, keine Eigenrecherche, nichts. Stattdessen ein tumber Kopist in der Tradition mittelalterlicher Mönche.

    MfG,
    Alexander Turn


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  4. Man muss sich nur einmal genauer ansehen, wer da bei der EXARC alles mitmachen darf.
    Das ist nicht nur das erwähnte Pfahlbaumuseum, sondern das sind auch Gruppen, die deutlich geringere Qualitätsstandards vorzuweisen haben.
    Und was der Campus Galli unter "wissenschaftlich korrekter Darstellung" versteht, ist bekannt. zB Sneakers in Kombination zu mittelalterlicher Oberbekleidung.

    Guinevere

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  5. Da der Artikel in FB auftauchte und ich es dort kommentierte, möchte ich mir erlauben meine Kritik hier Kund zu tun, inklusive meinem Realnamen.
    Finde es traurig hier Anonyme Kommentare zu lesen.
    Nachfolgend mein Text.

    Kritik findet man überall, wenn man nur will, an allen ähnlich gearteten Projekten.
    Selbst bei den aufgeführten Vergleichen. Ich kenne alle aufgeführte und in meinem Fachgebiet und Wissensbereich würde ich auch bei allen Ungenauigkeiten und Fehler bescheinigen, oder einen anderen Blickwinkel vermuten wollen. Manchmal liegt einem auch einfach die Kompetenz des Gästeführers im Magen. Dennoch finde ich alle Toll in ihren Bemühungen und in den Ergebnissen.

    Beispiele wo etwas "Geschätzt" ist und eher keine experimentelle Archäologie ist, wo etwas schon hunderte Mal gemacht wurde und daher den namen experimentelle Archäologie nicht mehr verdienen würde und auch garnicht mehr notwendig sei zu experimentieren, finden sich viele.
    Trotzdem findet sich beim x-ten Experiment doch ein neuer Aspekt.

    War einer von uns dabei? Damals? Wissen alle, die zum x-ten Mal eine Steinklinge für ein Beil gemacht haben, einen anderen Winkel des Kniestücks in Betracht ziehen und damit Erfolg haben, oder auch nicht, ob es denn wirklich so war?
    Ist das nicht doch "geschätzt, vermutet, der Erfahrung nach könnte..."

    Ob eine Einschätzung über die Dauer des Bauvorhabens realistisch ist oder nicht, schaut euch doch um.
    Flughäfen, Bahnhöfe, die ein weitaus höheres Budget haben, liegen nicht im Zeitplan. Da wird mehr Geld vernichtet als solche Projekte je zur Verfügung gestellt bekommen.
    Da habe ich mehr Spaß mir anzusehen, wie evtl. ein solches Projekt arbeitet und versuche auch dahinter zu schauen.
    Oft auch eine Frage der Geldgeber, meistens im Sinne des Tourismus.
    Und wie es so schön heißt... wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing.

    Wer, ob im Geschichtlichen Sinne, in der Archäologie, Wirtschaft oder sonst wo, ist nicht geneigt ein positives Bild der Arbeit zu präsentieren.
    Lieber "Autor" denke kurz nach, durchstöbere Deinen Text, oder überlege einfach mal ob Dein Tagesbericht den Du Abends über Dein tun der Familie abgiebst, vielleicht nicht doch das eine negative unterschlägt oder das positive ein wenig beschönst.
    Jeder, der nicht zugibt, dass da was dran ist und wenn es nur Nuancen in der Wiedergabe des Sachverhaltes ist, ist schlichtweg ein Lügner oder nicht von dieser Welt.
    Manche müssen ihren Artikel ja selbst verfassen um schön und offenbar mit umfangreichem Wissen da zu stehen.

    Personen zu betiteln mit "Luftpumpe" und gleichzeitig selbst in diesem und anderen Artikel so viel Wind zu machen, neigt in meinen Augen sich selbst zum Gebläse abzustempeln.

    Wenn der Autor des Artikels seine Energie aufbringen würde, seine Erfahrungen in der experimentellen Archäologie und als Geschäftsführer, als Handwerker, als Dozent, als Kritiker, als Fachmann für Archäologieparks, für EXARC und einfach alles, zu Papier zu bringen, hätte er vielleicht einen größeren Beitrag geleistet.

    Im übrigen gibt es in Facebook und im Internet die Unart des Dauernörgelns und wem gerade nichts zum nörgeln einfällt, teilt das der anderen Nörgler.

    Gerade darum wünsche ich allen ein wunderschönes Wochenende, viel Spaß bei den Wochenend- oder sogar Ferienaktivitäten.
    Wer dabei auch in den doch so schlechten Archäologieparks, Freilichtmuseen, Projekten die Geschichte näher bringen wollen oder bei einem einfachen Spaziergang seinen Spaß hat, hat:

    !!!!! Gewonnen !!!!!

    Kurz gesagt... ich finde Campus Galli ist ein schöner Ausflugsort, wie so viele andere auch. Die Kritik des Autors am Campus Galli mag in punkten berechtigt sein, durch die Vergleiche zu den anderen Ausflugszielen diese von ähnlichen Fehlern frei zu sprechen sehe ich nicht.
    Alle kochem mit Wasser, manche haben den Vorteil einen geringeren Luftdruck zu haben, da siedet es ein wenig früher!

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    1. Finde es traurig hier Anonyme Kommentare zu lesen.

      Das ist ganz und gar nicht traurig, weil es weniger drauf ankommt wer etwas sagt, sondern was jemand sagt.

      Oft auch eine Frage der Geldgeber, meistens im Sinne des Tourismus.
      Und wie es so schön heißt... wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing.


      Das trifft hinsichtlich des von der Lokalpolitik finanzierten Campus Galli ohne Zweifel zu; im Vorstand des angeblich 'privaten' Vereins sitzen nicht zufällig Politiker bzw. politiknahe Sockenpuppen.
      Wissenschaft ist gegenüber dem Tourismus nur ein winzig kleiner, nachgeordneter Aspekt des Campus Galli. So klein, dass man ihn mit der Lupe suchen muss. Der Öffentlichkeit wird er aber als Schwerpunkt verkauft, um Seriosität zu suggerieren, woraus man wiederum ein Alleinstellungsmerkmal fürs Marketing konstruiert.
      Machen das auch andere Museen? Selbstverständlich. Und einige habe ich dafür auch schon kritisiert. Aber der Campus Galli ist halt mein persönliches Steckenpferd, das ich besonders genau beobachte. Außerdem ist meine Freizeit ein endliches Gut. Ich kann nicht auf verschiedenen Hochzeiten gleichzeitig tanzen.

      Wenn der Autor des Artikels seine Energie aufbringen würde, seine Erfahrungen in der experimentellen Archäologie und als Geschäftsführer, als Handwerker, als Dozent, als Kritiker, als Fachmann für Archäologieparks, für EXARC und einfach alles, zu Papier zu bringen, hätte er vielleicht einen größeren Beitrag geleistet.

      "Der Autor" betreibt dieses Blog und investiert darin einen ganz ordentlichen Teil seiner Freizeit. Unentgeltlich! Genug "Beitrag", wie ich finde. Der Campus Galli macht im Übrigen nur einen vergleichsweise bescheidenen Anteil an den hier veröffentlichten Blog-Postings aus. So wichtig sind mir die karolingischen Klosterwürste im fernen Baden-Württemberg nämlich auch wieder nicht.

      Im übrigen gibt es in Facebook und im Internet die Unart des Dauernörgelns und wem gerade nichts zum nörgeln einfällt, teilt das der anderen Nörgler.

      Das ist so ein typischer Rabulisten-Trick: Man versucht mit harten Tatsachen belegte Kritik als bloße Nörgelei abzutun und zu invalidieren.

      Der Campus Galli ist sicher nicht nur schlecht. Das habe ich hier schon merfach betont. Ja, die Idee an sich ist sogar äußerst attraktiv. Da aber bereits die Lokalpresse den Part des unkritischen Hochjubelns übernommen hat, sehe ich meine Aufgabe darin, gegenzusteuern und speziell auf die Mängel hinzuweisen. Der Leser mag sich dann auf Grundlage der unterschiedlichen Sichtweisen sein eigenes Bild machen.

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    2. Ich stimme dem zu 100% bei. Es ist ein sehr schönes Projekt, das seinen Weg gehen wird. Was für mich zählt ist dass alles mit der Hand bearbeitet wird und mit den Mitteln der damaligen Zeit gemacht wird. Und ja es geht auch um Geld. Ohne ist kein Leben möglich. Hier im Forum wird gegen alles geschossen was eine andere Meinung hat -

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    3. Was für mich zählt ist dass alles mit der Hand bearbeitet wird und mit den Mitteln der damaligen Zeit gemacht wird.

      Davon kann in der Realität leider keine Rede sein. So etwas zu behaupten ist daher auch keine legitime "Meinung", sondern nachweislicher Unsinn.

      Schön finden darf das Projekt natürlich trotzdem gerne wer mag.

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  6. Einen Torbogen für den Obstgarten also. Faszinierende Prioritäten die man sich da setzt. Was an dem Holzkirchlein nicht fertig sein soll, nun ja vielleicht die Innendeko. Die Idee für Veranstaltungen diese Scheune zu bauen ist ganz gut, damit können Gruppen auch bei schlechtem Wetter bespaßt werden. Die inhaltlichen Mängel werden weiterhin schlicht ignoriert und sollen durch Aussitzen behoben werden. Eigentlich ist das Ergebnis nach 5 Jahren nicht wirklich prickelnd. Der Eingangsbereich präsentiert noch immer Baucontainer, eine eindrucksvolle Präsentation für Besucher. Dahinter wartet ein deplatziert wirkender Souvenir Shop, eine Film Vorstellung und ein paar Flyer. Die Wege auf dem gesamten Campus sind noch immer für ältere Leute schwierig, da fein einschottern scheinbar mittelallterlicher Authentizität geopfert wurde. Die an anderer Stelle wiederum keinerlei Rolle spielt. Die Authentizität ist sowieso ein besonderes Thema beim CG, die wird immer dann wenn man sie gerade braucht rausgekramt und ansonsten so ziemlich ignoriert. Insbesondere wenn viele Menschen dort sind wären Schau und Erklärungstafeln sehr hilfreich. Das geht nicht denn die Leute sollen ja mit den Arbeitern reden, nur können die wenn viel los ist, nicht gleichzeitig arbeiten und ganzen Trauben von Menschen alles erklären. Tafeln sind trotzdem wohl keine Option. Auch ist der Informationsgehalt der Gespräche von den Mitarbeitern sehr tagesabhängig und an wen man gerade gerät. Manchmal machen Leute Stationen, von denen sie nicht wirklich was erklären können, da sie an der Station nur eingesprungen sind. Von der Gastronomie die man von einer sogenannten Touristenattraktion doch erwarten könnte(kein 5 Sterne Essen, aber gute Kleinigkeiten) ganz zu schweigen. Mein persönlich größter Kritikpunkt ist aber ein ganz anderer. Man erfährt nicht wirklich viel übder die Zeit und vor allem das Leben der Karolinger. Wäre es so schwer an 1-2 Stationen die man macht, den Leuten einzelne Aspekte der damaligen Bau und Arbeitsgeräte vorzustellen und zwar ohne das an dieser Station für den Campus direkt gearbeitet wird, sondern nur um den Besuchern mal etwas zu präsentiern und ihm etwas zu zeigen, wo er etwas erfährt. Vielleicht wäre auch eine Station mit Informationen zum Leben der damaligen Menschen interessant, wie war die Gessellschaft, wie lebten die Menschen? Ganz wichtig wäre auch wenn auf den Namensgebenden Klosaterplan etwas mehr Bezug genommen würde. Der hängt zwar alibihaft am Eingang, jedoch war es das auch schon. Die Historie dieses Klosterplans wird kaum kommuniziert. Wer waren die Planer dieses Kloster, welchen Zweck sollte es haben, wie hat das Leben damals in so einem Kloster ausgesehen. Über all das erfährt man praktisch nichts. Der Name Klosterstadt wird zu Marketingzwecken gerne erwähnt, auf dem CG rückt das jedoch in den Hintergrund. Deshalb empfehle ich eine Umbenennung, da sich die Frage stellt in wie weit das etwas mit dem Karolingischen Klosterplan zu tun hat. Meine Kritik mag überspitz formuliert sein, allerdings denkt man das nach 5 Jahren sich doch etwas mehr getan haben könnte auf dieser Baustelle.

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    1. Exakt auch meine Beobachtung, das vermittelte Bild wirkt für Besucher nicht stimmig. Man erlebt da ein bisschen Schindeln spalten und dort ein bisschen Wolle färben. Aber was ist daran speziell karolingisch? Das könnte genauso gut zur Maerowingerzeit, im 11. Jh. oder auf irgend einem modernen Mittelaltermarkt stattfinden. Da ist einfach nichts Originelles, das hängen bleibt. Von den Karolingern und den Besonderheiten der Zeit, erfährt man beim Campus Galli so gut wie gar nichts. Das Konzept ist stattdessen komplett flach, so als ob man sich darüber einfach nicht genug Gedanken gemacht hat. Die Informationen die fließen, sind einfach nur 08/15.

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    2. Richtig, und deswegen war der "Campus Galli" in einem 2015 erschienen Sammelband über die Deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien auch in einem Beitrag zum 11. bis 14. Jahrhundert (und nicht für die Karolingerzeit) mit einer ganzen Seite nebst weiteren versprengten Bildern vertreten, weil so etwas fast beliebig verwendbar ist. (Sehen wir einmal davon ab, dass in der Chronik des "Campus Galli" die "Karolingerzeit" auch einmal bis ins 11 Jahrhundert überdehnt wurde).
      Leser

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  7. Noch immer nicht hat man erfahren, ob und wann denn der Kassenkredit der Stadt an den Campus Galli im letzten Jahr zurückgezahlt wurde. Hierzu gab es widersprüchliche Pressemeldungen, und keiner fühlte sich bisher bemüßigt, das richtig zu stellen.
    Leser

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  8. Der Freundeskreis Karolingische Klosterstadt Meßkirch – Campus Galli dürfte bei bei seiner diesjährigen Hauptversammlung wieder auf ein gelungenes Geschäftsjahr verweisen. Dem Vorsitzenden Dirk Gaerte, Sigmaringens ehemaligem Landrat, soll es immer wieder gelingen, wichtige Geldquellen zu erschließen. Möglicherweise hat er dafür gesorgt, dass der Kassenkredit geräuschlos beglichen werden konnte?

    Insider

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