Donnerstag, 12. Dezember 2019

­čôľ Buch: Die Bibel - (ideologisch belastete) Einheits├╝bersetzung

Die Bibel ist vermutlich die einflussreichste Schrift der Weltgeschichte, in der f├╝r gl├Ąubige Christen sozusagen das Wort Gottes verschriftlicht wurde. Dar├╝ber hinaus kann die Bibel - sofern man beim Lesen und Interpretieren des Textes ein ger├╝ttelt Ma├č an Vorsicht walten l├Ąsst - aber auch eine n├╝tzliche historische Quelle sein. Aus diesem Grund war es selbst mir als geschichtsinteressiertem Agnostiker wichtig, eine aktuelle Bibelausgabe zu besitzen.

Bedauerlicherweise durften sich in dieser von verschiedenen deutschsprachigen Bischofskonferenzen abgesegneten Ausgabe Ideologen austoben, die beispielsweise aus Gr├╝nden vermeintlicher 'Geschlechter-gerechtigkeit' den bisher ├╝blicherweise verwendeten Namen "Adam" an einigen Stellen durch die Bezeichnung "Mensch" ersetzten (mehr dazu in diesem Zeitungsartikel). Man begr├╝ndet das (vordergr├╝ndig) damit, dass "Adam" auf Hebr├Ąisch ohnehin "Mensch" bedeutet.
Mag sein, aber das Wort einerseits vollst├Ąndig zu ├╝bersetzen und andererseits als Eigennamen weiterzuverwenden ist inkonsequent und verwirrend - dementsprechend wurde diese Vorgehensweise auch schon von Theologen kritisiert. H├Ątte ich von diesen willk├╝rlich anmutenden Eingriffen im Vorhinein gewusst, dann h├Ątte ich diese Ausgabe nicht gew├Ąhlt, da hier f├╝r mich der Wert als Quelle bzw. Nachschlagewerk gemindert wurde.
Und das ist wirklich schade, denn ansonsten scheint mir die katholische Einheits├╝bersetzung 2017/2018 sehr gut gelungen zu sein: Der in verschiedenen Farben verf├╝gbare lederartige Einband erweckt den Eindruck, dass er sich auch bei oftmaliger Benutzung des Buchs nicht gleich in seine Einzelbestandteile aufl├Âst. Die insgesamt rund 1800 Seiten (zwei Drittel davon nimmt das Alte Testament ein) sind freilich hauchd├╝nn (anderenfalls w├Ąre diese volumin├Âse Schwarte noch deutlich dicker ausgefallen). Hastiges Durchbl├Ąttern scheint hier deshalb wenig ratsam zu sein.
Besonders gefallen haben mir die erkl├Ąrenden Einleitungen zu den verschiedenen Kapiteln. Gerade f├╝r Leser ohne tieferes theologisches Vorwissen stellt das eine n├╝tzliche Hilfe dar. Desweiteren verf├╝gt das Buch ├╝ber ein optisches Griffregister, ein Namen- und Stichwortverzeichnis, Landkarten sowie eine ausf├╝hrliche Zeittafel, in der neben biblischen auch au├čerbiblische Quellen (z.B. Flavius Josephus) aufgelistet werden. Dass diese Bibel auch einen breiten Schreibrand besitzt, erw├Ąhne ich nur der Vollst├Ąndigkeit wegen. Ein Buch vollzukritzeln, scheint mir n├Ąmlich eine 'S├╝nde' zu sein.

Fazit: W├Ąren da nicht die beschriebenen ├änderungen, dann k├Ânnte ich diese Bibel-Ausgabe ohne Wenn und Aber empfehlen. Da jedoch f├╝r mich nur schwer ersichtlich und absch├Ątzbar ist, wo und wie oft insgesamt in den Text eingegriffen wurde, fehlt mir hier schlicht und ergreifend das Vertrauen. So geht man einfach nicht mit historischen Schriftquellen um, auch nicht mit religi├Âsen. Anstatt an traditionsreichen ├ťbersetzungen herumzupfuschen, w├Ąre es sinnvoller gewesen, beispielsweise in den Fu├čnoten mehr Informationen zu vermitteln, die dem Leser ein besseres Einordnen von als kritisch erachteten Textstellen erm├Âglichen.

PS: Dem Einwand, dass es auch wissenschaftliche Bibelausgaben gibt, m├Âchte ich an dieser Stelle noch rasch zuvorkommen. Denn so pingelig genau wollte ich es auch wieder nicht haben. Trotzdem habe ich mir mittlerweile zumindest entsprechende ├ťbersetzungen von Vulgata und Septuaginta zugelegt.

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3 Kommentare:

  1. ich bin schon lange aus der kirche ausgetreten, auch wegen solchen machenschaften wie sie bei der einheits├╝bersetzung der kath. kirche vorkommen . entweder sie erstellen eine wirklich kritische und wissenschaftliche ├╝bersetzung, dann m├╝ssten sie allerdings aus der jungfrau maria eine "junge frau" machen, oder sie lassen die finger ganz davon. eine rosinenpickerei aus politisch korrekten ├╝berlegungen dient niemandem, au├čer dem appeasement politischer kr├Ąfte wie sie die evangelische kirche schon unterwandert haben. weihnachtliche gr├╝├če , chris

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    1. Wenn man ├╝berhaupt so einfach aus der Kirche austreten bzw. sich von deren unversch├Ąmten Zahlungsaufforderungen sch├╝tzen kann: https://taz.de/Kirchensteuer/!5646016/
      (ist zwar die TAZ, aber von der nicht koscheren Quelle abgesehen, ist der beschriebene Fall bemerkenswert!)

      Hagen

      L├Âschen
  2. Was Bibel-Ausgaben betrifft kann ich die Eberfelder-├ťbersetzung und die Luther-├ťbersetzung empfehlen. Die Ausgaben der letzten 40-50 Jahre sind alle versaut mit ideologischem Kram, vor allem diese sogenannten Einheits├╝bersetzungen. Man darf nicht vergessen das die Kirchen eine Agenda haben und diese in den letzten Jahrzenten genderistisch/kommunistisch infiltriert wurden. Ich bin selber ein alter Katholerer, der keiner mehr ist, ausgetreten aus der Kirche undsoweiter, weil totalit├Ąre ├ťberze├╝gungen keine Anziehungskraft f├╝r mich haben. Die sprachliche Eloquenz und Ehrlichkeit der ├Ąlteren ├ťbersetzungen spricht f├╝r sich.

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