Montag, 27. Januar 2020

­čĺ░ "IUDAEA CAPTA" - R├Âmisches Kleingeld und sein Wert

Vergangene Weihnachten habe ich drei Replikate antiker r├Âmischer M├╝nzen geschenkt bekommen, die unten gemeinsam mit zwei bereits in meinem Besitz befindlichen M├╝nzen abgebildet sind. Vier davon wurden aus typischem Messing, also einer Kupfer-Zink-Legierung, hergestellt; die f├╝nfte (rechts oben) ist hingegen besonders kupferlastig, was leicht an ihrer r├Âtlicheren F├Ąrbung abzulesen ist.

Buntmetallm├╝nzen wie diese (As, Dupondius und Sesterz) waren das Alltagsgeld im antiken Rom, mit denen der kleine Mann z.B. den B├Ącker, den Fleischer, den Fischh├Ąndler, die Kr├Ąuterfrau, den Gastwirt oder die Prostituierte seiner Wahl bezahlte.
Daneben gab es auch noch M├╝nzen aus Silber - in Form des Denar - und aus Gold - in Form des Aureus (Aurum=Gold) bzw. in der Sp├Ątantike in Form des Solidus (von dem sich das Wort "Soldat" ableitet, weil dieser in jenen Tagen, als die Inflation im langsam niedergehenden Reich galoppierte, wohl bevorzugt mit Goldm├╝nzen entlohnt wurde, um sich seiner Loyalit├Ąt zu sichern - siehe auch der Begriff "Sold").

Obere Reihe:
  • Dupondius des Kaisers Nero
  • As des Kaisers Tiberius f├╝r seinen Vorg├Ąnger Augustus
Untere Reihe:
  • Sestertius (bzw. Sesterz) des Kaisers Vespasian
  • Sestertius des Kaisers Vespasian (auch wenn diese mittlere Ausf├╝hrung kleiner ist als die beiden anderen Sesterzen, so ist der Wert doch gleich; der Dupondius Neros (links oben) scheint zwar fast den gleichen Durchmesser zu haben, doch der Sesterz ist wesentlich dicker und somit schwerer)
  • Sestertius des Kaisers Caius/Gaius Caesar (=Caligula)


Besonders interessant ist die Frage, wie es ├╝berhaupt um die Kaufkraft dieser M├╝nzen zur Zeit ihrer Pr├Ągung (bzw. der Pr├Ągung der Originale) in der fr├╝hen Kaiserzeit) bestellt war. Zuerst aber etwas zum Umrechnungswert r├Âmischer M├╝nzen zueinander: 
  • 1 Aureus = 25 Denarii
  • 1 Denarius = 4 Sestertii
  • 1 Sestertius = 2 Dupondii
  • 1 Dupondius = 2 Asses (├╝ber das As hinaus gab noch kleinwertigere M├╝nzen, die aber keine so gro├če Bedeutung besa├čen)
Hier nun ein paar Beispiele f├╝r ├╝berlieferte Preise von Waren/Dienstleistungen, die man typischerweise mit dem 'Kleingeld' bzw. den oben abgebildeten Buntmetallm├╝nzen bezahlte:
  • Zukost zu Brot und Wein f├╝r eine Person in Landgasthaus: 2 Asses
  • Einfacher Wein pro Hemina (= 0,273 Liter): 1 As
  • Sehr hochwertige Weinsorte/Falerner-Wein pro Hemina: 4 Asses
  • Bohnen und Erbsen (vermtl. pro Pfund = 327,45 g): 1 Dupondius (=2 Asses)
  • Einfacher Liebesdienste durch Prostituierte: 1 - 16 Assees
  • Tageslohn eines Arbeiters in Rom: 3 - 4 Sestertii (=12-16 Asses)
Man sieht an diesen Beispielen: Mit meinen f├╝nf M├╝nzen, die ungef├Ąhr dem Tageslohn eines Arbeiters entsprachen, k├Ânnte man es sich entweder einen Tag lang so richtig gut gehen lassen oder - was eher der Lebensrealit├Ąt der meisten R├Âmer entsprach - man kam damit gerade ├╝ber die Runden; Schlie├člich mussten neben den Nahrungsmitteln auch Miete, Kleidung, Arzneien usw. bezahlt werden. Wenn man dann auch noch Frau und Kinder hatte, wurde es finanziell erst recht eng. Hieraus wird rasch ersichtlich, warum reiche r├Âmische B├╝rger - allen voran der Kaiser und seien Familie - mit ihren Spenden in Form von Getreide, ├ľl und Geld f├╝r den 'kleinen Mann' nicht zu untersch├Ątzende Einkommensquellen waren. Dementsprechend gelang es gro├čz├╝gigen (verschwenderischen) Kaisern wie Nero, sich beim beim kleinen Mann ├╝beraus beliebt zu machen.


Das auff├Ąllige K├╝rzel SC, welches man meist auf der R├╝ckseite kaiserzeitlicher M├╝nzen aus unedlen Metallen bis ca. zum Ende des 3. Jahrhunderts findet, steht f├╝r SENATUS CONSULTO - das bedeutet "auf Senatsbeschluss [gepr├Ągt]" .
In der Realit├Ąt war dieses M├╝nzpr├Ągerecht Teil jener Fassade, welche die Dignitas (W├╝rde) der Senatoren in dem von Augustus errichteten autokratischen System nach au├čen hin weiter wahren sollte. Will hei├čen, der Senat hat sich nat├╝rlich davor geh├╝tet, die Pr├Ągung einer M├╝nze ohne R├╝cksprache mit dem Kaiser bzw. seinen Beauftragen zu beschlie├čen. So war letztendlich nicht nur das Pr├Ągerecht f├╝r Edelmetallm├╝nzen in kaiserlicher Hand, sondern de facto auch jenes f├╝r Buntmetallm├╝nzen. Vergleichbar ist das mit dem 'Recht' des Senates, die Statthalter einiger Provinzen des Reichs bestimmen zu d├╝rfen, obwohl im Hintergrund auch hier der jeweils herrschende Kaiser den Ton angab. Im Laufe der Kaiserzeit verzichtete man zunehmend auf dieses Theaterspiel. Jene Kaiser, die diesbez├╝glich quasi ihrer Zeit voraus waren, wie Caligula, Nero und Domitian, haben nicht zuletzt deshalb eine recht schlechte Presse von zeitgen├Âssischen Autoren aus dem Senatsadel erhalten. Was freilich nicht automatisch bedeutet, dass jede der berichteten Untaten dieser Herrscher erfunden sein muss. So ist es durchaus denkbar, dass Caligula - in Anlehnung an die antike Mythologie oder ├Ągyptische Pharaonen - es mit seinen drei Schwestern getrieben hat, die bildlich (im Stil der "drei Grazien") sowie namentlich auf der R├╝ckseite seines Sesterzen sehr sch├Ân verewigt wurden (obiges Bild, rechts unten). ├ťbrigens, der kleine Stempel dar├╝ber stammt vom Hersteller des Replikats - damit die M├╝nze nicht am Online-Antikenmarkt als F├Ąlschung landet. Wobei dieser nat├╝rlich l├Ąngst voll mit dergleichen ist, weshalb ich pers├Ânlich nur davon abraten kann, als Nicht-Experte dort M├╝nzen zu erwerben; vor allem nicht solche, die in einem besonders guten Zustand sind.



M├╝nzen wurden in der Antike gerne f├╝r imperiale Propaganda verwendet, besonders bei den R├Âmern. Schon zur Zeit der Republik gab es entsprechende Tendenzen - in der Kaiserzeit hat man es allerdings auf die Spitze getrieben. 
Ein gutes Beispiel daf├╝r sind die recht bekannten IUDAEA-CAPTA-M├╝nzen des Kaisers Vespasian (Bild oben). Es gibt davon unterschiedliche Ausf├╝hrungen, die Grundaussage ist aber fast immer folgende: Ein siegreicher Soldat steht neben einer trauernden Frau (manchmal auch ein gefesselter Mann); der Soldat symbolisiert dabei das siegreiche Rom / den Kaiser (auf einigen M├╝nzen wurde stattdessen ein Feldzeichen bzw. ein Tropaion/Siegeszeichen verwendet), die Frau plus Palme wiederum stellen sinngem├Ą├č die von Vespasian und seinem Sohn Titus unterworfene/zur├╝ckeroberte Provinz Jud├Ąa bzw. deren Hauptstadt Jerusalem dar (interessant ist ├╝brigens diese moderne Adaption des IUDAEA-CAPTA-Themas auf israelischen Gedenkpr├Ągungen).

├ähnliche M├╝nzen gab es auch im Zusammenhang mit anderen Gebietserweiterungen des R├Âmischen Reichs. Der Text lautete dann beispielsweise "GERMANIA CAPTA" (Domitian) oder "PARTHIA CAPTA" (Trajan). Dabei nahm man es mit der Wahrheit nicht immer so genau. Beispielsweise wurde Germanien nie unterworfen, lediglich kleinste Teile davon. Und im Fall von Parthien konnte man die eroberten Teilgebieten dieses alten r├Âmischen Erzfeindes nur sehr kurz halten; die M├╝nze verk├╝ndete voreilig einen gro├čen Endsieg, der dann nie eintrat. Aber das alles wusste der Ottonormalr├Âmer, der mit diesem Geld im Wirtshaus seinen Eintopf bezahlte, in der Regel nicht. 


Kommentare:

  1. Wie viel kostet so eine Replikat-M├╝nze?
    :-)
    LG Julian

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    1. Wei├č ich nicht exakt, es war wie gesagt ein Geschenk. Aber pro St├╝ck musst du bei einer guten Qualit├Ąt wie hier mit ungef├Ąhr 8-10 Euro rechnen.

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    2. Danke, das ist ja noch recht moderat! LG Julian

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  2. Hiltibold, ich schlie├če mich deiner Warnung vor dem Kauf von vermeintlichen Originalm├╝nzen an. Das Ausma├č der gehandelten F├Ąlschungen im Netz ist enorm. Grunds├Ątzlich kann ich aus meiner beruflichen Erfahrung mit dem Thema sagen, dass vor allem in der Kategorie der seltenen, also wertvollen M├╝nzen, die F├Ąlschungen deutlich ├╝ber 50 % ausmachen. Viele dieser M├╝nzen sind so gut gemacht, dass selbst Experten sie nicht auf den ersten Blick richtig identifizieren k├Ânnen. Mir ist ein Fall bekannt, der schon ein paar Jahre zur├╝ckliegt, da wurden in einer privaten Sammlung von 204 antiken griechischen und r├Âmischen Silberm├╝nzen bei genauerer Untersuchung 119 F├Ąlschungen entdeckt. Der Besitzer wollte das Ergebnis verheimlichen und seine gesamte Sammlung still und leise absto├čen.

    Robert

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