Donnerstag, 28. Mai 2020

📖 Buch: Große Griechen und Römer



Plutarchs Parallel- und Einzelbiographien zĂ€hlen zu den bedeutendsten Quellen der Antike. FĂŒr Menschen mit tiefergehendem Interesse an der damaligen Zeit sind sie nahezu unverzichtbar. Und zwar nicht nur hinsichtlich biographischer Informationen, sondern auch aufgrund vieler Details aus dem Alltagsleben und spannender Anekdoten. Z.B heißt es im Kapitel ĂŒber den großen General Pompeius, dieser habe im Krieg gegen die Piraten u.a. "90 Schiffe mit eherner Panzerung" erobert - also mit Metallplatten beschlagene Schiffe in Kompositbauweise, wie sie eigentlich erst im 19. Jh. aufkamen! Aber auch modisch Interessierte kommen auf ihre Kosten, wenn es etwa heißt, zur Zeit von Cato dem JĂŒngeren  wĂ€re hochroter Purpur (wohl bezogen auf die Streifen fĂŒr Senatoren und Equites an der Tunika und Toga) gerade modern geworden, wĂ€hrend er selbst an einer dunklen (traditionellen) Variante festhielt. Das ist insofern interessant, weil in moderner SekundĂ€rliteratur gerne der Eindruck erweckt wird, die Schattierung des Purpur sei im Alten Rom total beliebig gewesen - in Wirklichkeit war dergleichen aber, wie man hier sieht, durchaus der Mode unterworfen. Und so gibt es noch viele weitere Aspekte des antiken Lebens, die man neben Schilderungen von bedeutenden historischen Ereignissen Plutarchs Werk entnehmen kann.

Die vorliegende einsprachige deutsche Übersetzung von Konrad Ziegler, die unter dem Titel "Große Griechen und Römer" erschien, ist durchaus zeitgemĂ€ĂŸ und liest sich angenehm (will heißen, keine kaskadierenden, schwĂŒlstig formulierten EndlossĂ€tze). Etliche Endnoten erleichtern das sinnerfassende Lesen des Textes.
Es wĂ€re allerdings schön, wenn der Verlag den KĂ€ufern zusĂ€tzlich Zugriff auf eine elektronische Variante geben wĂŒrde, da sich diese fĂŒr die Stichwortsuche naturgemĂ€ĂŸ besser eignet. Ansonsten bevorzuge ich persönlich allerdings BĂŒcher aus Papier. Apropos Papier: Ein fester, bestĂ€ndigerer Einband hĂ€tte meiner Ansicht nach nicht geschadet, da vor allem Historiker und Studenten die BĂ€nde immer wieder zum Nachschlagen hervorholen werden. TaschenbĂŒcher neigen bekanntlich dazu, sich bei allzu hĂ€ufigem Gebrauch aufzulösen.

Folgende antike Persönlichkeiten werden in den vorliegenden sechs BÀnden behandelt:

1. Band - Theseus und Romulus, Lykurgos und Numa, Solon und Poplicola, Aristeides und Cato d. Ältere, Themistokles und Camillus
2. Band - Kimon und Lucullus, Perikles und Fabius Maximus, Nikias und Crassus, Coriolan und Alkibiades
3. Band - Lysandros und Sulla, Agesilaos und Pompejus, Pelopidas und Marcellus
4. Band - Dion und Brutus, Aemilius und Timoleon, Demosthenes und Cicero, Phokion und Cato d. JĂŒngere
5. Band - Alexander und Caesar, Sertorius und Eumenes, Demetrios und Antonius
6. Band - Pyrrhos und Marius, Kleomenes und die Gracchen, Philopoimen und Titus Flaminius, Artoxerxes, Galba, Otho, Aratos, Agis,


Hinweis 1: Die EinbĂ€nde auf dem Foto glĂ€nzen bzw. reflektieren, weil ich die BĂŒcher in meine bewĂ€hrten SchutzumschlĂ€ge aus passend zugeschnittener und gefalteten Overhead-Folie gesteckt habe. Es handelt sich also nicht um den Auslieferungszustand.

Hinweis 2: Diese kurze Rezension habe ich bereits vor fĂŒnf Jahren geschrieben, dann aber wurden von mir andere Rezensionen immer vorgezogen. Nun ist es inzwischen so, dass die vorliegende Ausgabe leider gar nicht mehr neu im Handel erhĂ€ltlich ist. Das ist schade, denn sie hatte mit rund 80 Euro ein recht gutes Preis-LeistungsverhĂ€ltnis. Die Ironie daran ist: In der Ur-Fassung der Rezension habe ich extra darauf hingewiesen, dass man schnell zugreifen soll, bevor die BĂŒcher vergriffen sind...

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