Wie ich vor einigen Wochen bereits im Blog geschrieben habe, sind mir meine bisherigen Hobbies zu eintönig geworden. Es musste endlich etwas anderes her. Nicht als kompletter Ersatz, sondern als Ergänzung. Über das neu angeschaffte Mikroskop habe ich bereits etwas geschrieben und über die ebenfalls gekaufte Drohne für die Luftbildarchäologie kommt noch etwas. Heute aber solls einen kleinen Einblick in den 3D-Druck geben. Meinen Drucker (einen Creality Sparkx i7) möchte ich dabei nicht im Detail besprechen, sondern stattdessen kurz zeigen, was man damit machen kann - auch passend zum Blogthema.
Historische bzw. historisierende 3D-Modelle wie dieses, lassen sich in digitaler Form massenhaft im Internet finden. Es gibt dafür spezielle Seiten - die beiden wichtigsten sind Makerworld und Printables. Einfach einen Suchbegriff eingeben, durch die Treffer stöbern (Beispiel "ancient"), das Passende herunterladen, die Datei mit in der (Windows-)Software des 3D-Druckers (sog. 'Slicer') öffnen, daran noch ein paar kleine Einstellungen vornehmen (Druckgeschwindigkeit, Kunststoff-Art, Anpassung der Abmessungen usw), das ganze zum Drucker schicken und ausdrucken (was allerdings Stunden dauern kann, vor allem wenn man eine halbwegs gute Oberflächenqualität wünscht). Selbstverständlich kann man auch selber Modelle konstruieren - sofern man sich mit der 3D-CAD-Software wie "Fusion" halbwegs auskennt. So weit bin ich noch nicht wirklich, aber ich arbeite dran. Bis Jahresende sollte das dann halbwegs gut klappen - ich habe es ja nicht eilig.
Insgesamt kann ich nach ca. drei Monaten 3D-Druckerei sagen, dass ich nie mehr ohne so ein Gerät auskommen möchte. Die Nützlichkeit ist im Alltag immens. Selbst wenn man noch nicht selbst gut am Rechner konstruieren kann, so findet man doch für viele Anwendungsbereich in den gewaltigen Online-Bibliotheken brauchbare Modelle, die bereits jemand anders erstellt hat.
Verschönerung der langweiligen Steckdosenleiste mit einem martialischen Motiv, das eigentlich nur mäßig "3D" ist . Vom Konstrukteur wird es "Spartacus letzte Schlachtszene" genannt - wobei zumindest der beschreibende Text auf der Website sowas von LLM-generiert ist; möglicherweise hat das LLM ("KI") auch am 3D-Modell selbst mitgewirkt, weil das geht mittlerweile ja auch.
Der einschlägig Vorgebildete erkennt hier natürlich sofort den zeitlich-historisch korrekten gladius hispaniensis mit seiner leicht taillierten Klinge (in der frühen Kaiserzeit langsam ersetzt durch den vereinfachten, aber vergleichsweise hässlichen Typ "Pompeji", der wohl etwas kostengünstiger in der Produktion war). Der historisch eher zweifelhaftem Helm mit Kammaufsatz a la Hollywood (den man sich wahrscheinlich schon vor Beginn der Film-Ära speziell vom berühmten "Prätorianer-Relief" abgeschaut hat) übergehen wir lieber 😁. Ich habe übrigens mit dem Gedanken gespielt, den Kamm am Computer zu entfernen, aber es ist ja auch die Form der Kalotte - die an einen (pseudo)-attischen Helm angelehnt ist - historisch eher zweifelhaft (besonders im dargestellten Kampfkontext). Wenn ich freilich erst einmal die 3D-Konstruktionssoftware vernünftig beherrsche, dann werde ich das anpassen und nochmal ausdrucken.
Man könnte sich auch fragen, ob es denn passend ist, wenn in dieser Darstellung Spartacus von hinten mit Speeren durchbohrt wurde. Impliziert das nicht für den Laien, dass der antike Sklavenbefreier dem Kampfgeschehen den Rücken zuwandte und floh? In den historischen Quellen (vor allem bei Plutarch, Appian und Florus) heißt es freilich, dass er in der Schlacht gegen den Feldherren Crassus von Feinden umringt, tapfer kämpfend den Tod fand; in einer der Überlieferungen heißt es sogar, dass Spartacus, selbst als er schon verwundet auf ein Knie gesunken war, sich noch gewehrt hatte. So gesehen kann diese dynamische Darstellung im Modell durchaus passend sein überliefertes Ende wiedergeben.
Man kann mit so einem Drucker natürlich auch offensichtlichere dreidimensionale Objekte drucken, wie diesen lustigen Blumentopf in Form einer Spinne. Die Glubschaugen sind handbemalt. Allerdings habe ich für meinen Drucker bereits eine Hardware-Erweiterung (sog. "AMS") bestellt, mit der ich bis zu vier verschiedenfärbige Kunststoffe (sog. Filamente) in einem Objekt verwenden kann. Wenn ich das Gerät erst einmal habe (Liefertermin leider erst Anfang Oktober), dann geht so richtig die Post ab! Diesbezüglich habe ich z.B. bereits sehr schöne und historisch korrekte 3D-Modelle von antiken Tempeln und dem Gizeh-Plateau mit all seinen Ruinen im Auge (sobald gedruckt, werde ich sie hier vorstellen).
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