Donnerstag, 10. Januar 2013

Asterix und sein Flügelhelm


Im Frankreich des 19. Jahrhunderts versuchte man mit großer Anstrengung die Abstammung der Franzosen von den Kelten herzuleiten. Es sollte quasi eine Abgrenzung zu den "germanischen Deutschen" stattfinden. Was, nebenbei bemerkt, einer gewissen Ironie nicht entbehrt, da die Franzosen doch die germanischen Merowinger als ihre ersten Könige betrachten, sich der Name "Frankreich" vom germanischen Großstamm der Franken ableitet und selbst "Charlemagne" eindeutig dem germanischen Kulturkreis entstammte.
Im patriotischen Übereifer jener Tage suchte man jedenfalls eine historische Symbolfigur, die man Arminius, dem Nationalhelden der Deutschen, gegenüberstellen konnte. Die Wahl fiel auf Vercingetorix. Dass Vercingetorix im Gegensatz zu Arminius eigentlich ein "Loser" war, der es nicht geschafft hatte sein Volk vor der römischen Kolonialisierung zu bewahren, ignorierte man aus Mangel an echten Alternativen ;) 
Im Zuge des einsetzenden Vercingetorix- und Kelten-Booms wurden etliche Denkmäler errichtet, die an die  glorreiche Vergangenheit des französischen bzw. keltischen Volkes erinnern sollten. Eines davon entstand Anfang des 20. Jh. in Clermont-Ferrand (siehe Foto) und stellt den berühmten Keltenfürsten mit einem Kammhelm dar, dessen Vorbild nicht in die Eisenzeit (La Tène D) datiert - also in jene Zeit in der Vercingetorix lebte - sondern unpassenderweise in die Bronzezeit (möglicherweise handelt es sich dabei um einen in den 1830ern gemachten Fund aus Salzburg). An diesem Helm befestigte der Künstler zwei fantasievolle Flügel, für die es keinen historischen Beleg gab bzw. gibt.

1925 entstand dann das auch heute noch recht bekannte Symbol der französischen Zigarettenmarke Gauloises (=Gallier bzw. Gallierinnen), welches in abstrahierter Form einen geflügelten Kammhelm darstellt. Es liegt nun die Vermutung nahe, dass sich hier der zuständige Grafiker am Standbild in Clermont-Ferrand orientiert hat. Und auch René Goscinny und Albert Uderzo könnten dieser Mischung aus Anachronismus und Phantasie auf den Leim gegangen sein, als sie Asterix und einigen seiner Freunde Flügelhelme verpassten. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass sie sehr wohl darüber informiert waren, wie wenig authentisch diese Kopfbedeckung ist, sich aber deshalb nicht von ihrem Tun abbringen ließen, weil dieser vermeintlich gallische Flügelhelm durch die Zigarettenmarke in der Populärkultur bereits eine ähnliche Bedeutung besaß, wie der berühmt-berüchtigte Hörnerhelm in Bezug auf die Wikinger (im Übrigen, auch Germanen wurden damals gerne mit Flügeln an ihren Helmen dargestellt; siehe etwa das Hermannsdenkmal). Den Helmkamm ließ man bei Asterix und Co allerdings weg und setzte stattdessen auf die Helmspitze ein rundes Knöpfchen; ein weiteres Indiz dafür, dass die beiden Autoren durchaus wussten was sie taten. Denn diese Helmform ist typisch für die späte Eisenzeit und im Gegensatz zu den Flügeln durchaus passend.
Das Schwert, das Asterix trägt, wirkt aus archäologischer Sicht wiederum wenig authentisch. Jedoch weist es interessanterweise Ähnlichkeit mit einem Schwert auf, welches Teil einer hellenistischen Skulptur aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. ist, die einen sich selbst tötenden Gallier/Kelten darstellt. Hier ein Bild der teilweise rekonstruierten, römischen Kopie des zerstörten Originals: Klick mich  Kannten Goscinny und Uderzo möglicherweise diese Skulptur?
Und übrigens, die Asterix-Hefte werden bekanntlich mit folgendem Satz eingeleitet: "Wir befinden uns im Jahre 50 v.Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt..."  Hier ist nun interessant, dass Cäsars berühmter Bericht vom Gallischen Krieg wie folgt beginnt: "Gallia est omnis..." Und dies bedeutet frei übersetzt ebenfalls, "Ganz Gallien...." Zufall ? ;)

8 Kommentare

  1. Hinter Asterix steckt mehr, als man glaubt - nicht immer historisch korrekt (oft wohl bewusst), aber immer eine gute Unterhaltung.

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    1. So sehe ich das auch.
      Mit der kleinen Einschränkung, dass die erzählten Geschichten leider im Laufe der Jahre immer mehr nachgelassen haben. Ähnlich wie bei den Simpsons.

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    2. Unter anderem, weil der Tod das Duo gespalten hat. Dann war es nicht mehr das Selbe.

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  2. Wie authentisch wohl die Pickelhauben sind, die die Goten bei Asterix immer tragen :-D

    LG,
    Erwin

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    1. Den Stechschritt, in dem die Goten marschiert sind, nicht vergessen ;)

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    2. Ich glaube ich muss unbedingt mal wieder meine Asterixhefte hervorholen ;-)

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  3. Ich habe mal ein Interview mit Uderzo gehört. Die beiden wussten genau, was sie da schrieben und zeichneten! Und bei einem Großteil der Anachronismen ebenso, aus unterschiedlichen Gründen. So sieht Rom zwar nicht aus, wie es 50 v. Chr. eigentlich ausgesehen hat, entspricht aber den Erwartungen der Leser (und gibt die prachtvolleren Bilder). Insofern dürfte auch Asterix' Ausstattung kaum zufällig sein...

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    1. Das stimmt, mit Rom war 50 v. Chr. noch vergleichsweise wenig los. Die Stadt war zu der Zeit wohl eher ein riesiges Slum, mit ein paar öffentlichen Gebäuden in der Mitte (überspitzt formuliert).

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