Dienstag, 2. Juli 2013

Das Arbeitsgerüst im Mittelalter

Wer eine Mauer errichten möchte, benötigt ab einer bestimmten Bauhöhe ein Arbeitsgerüst. Im Mittelalter - und zum Teil auch noch heute - verwendete man zwischen 1,50 und 3 Metern Höhe Böcke, auf denen Bretter ausgelegt wurden. Ging es darüber hinaus, mussten aufwändigere Konstruktionen herangezogen werden - siehe die nebenstehenden Grafiken, welche die vier gängigsten Gerüstarten des Mittelalters zeigen.
Fliegendes Gerüst und Konsolengerüst kamen besonders häufig zum Einsatz - allerdings hatten sie auch die geringste Tragfähigkeit (man muss bedenken, dass an Gerüsten auch Lasten hochgezogen wurden). Diese beiden Bauweisen - sowie das Einfache Stangengerüst - hinterließen außerdem Spuren, die zum Teil heute noch im Mauerwerk erkennbar sind. Denn nicht immer wurden die Löcher, in denen die Tragebalken steckten, nach dem Abbau des Gerüsts verschlossen.
Für den Gerüstbau benötigte man vor allem geradwüchsiges Holz, dessen Beschaffung auch im mehr oder weniger waldreichen Mittelalter Probleme bereiten konnte. Das Fliegende Gerüst stellte aufgrund seiner einfachen Bauweise deshalb die kostengünstigste Variante dar, das Doppelte Stangengerüst die teuerste. 
Verbunden wurden die einzelnen Teile häufig mit Seilen, da diese aufgrund ihrer Elastizität in der Lage waren, Kräfte besser zu überragen als beispielsweise starre Nägel (die überdies relativ viel kosteten).
Manch Werkmeister oder Zimmermann scheint versucht zu haben, bei Arbeitsgerüsten Geld zu sparen, indem er weniger Holz verbaute, als es für die Stabilität der Konstruktion ratsam gewesen wäre. Möglicherweise wurde gelegentlich auch schlechtes Holz verwendet, denn uns sind einige Gerüsteinstürze überliefert. Als beispielsweise 1519 in Görlitz mehrer Menschen bei einem solchen Unfall starben, musste der zuständige Meister Wendel Roskopf für einige Zeit aus der Stadt verschwinden... 

Neben Arbeitsgerüsten gab es auch Stützgerüste, die - wie die Bezeichnung nahelegt - zur Stützung des Mauerwerks verwendet wurden. Sobald der Mörtel abgebunden hatte, konnte das Gerüst entfernt werden. Dazu aber ein anderes Mal mehr.

—————–

Weiterführende Literatur:
  • Dietrich Conrad | Kirchenbau im Mittelalter: Bauplanung und Bauausführung | Verlag: E. A. Seemann | Infos bei Amazon


Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

2 Kommentare

  1. Ich bin durch den Begriff "fliegendes Gerüst" auf Ihr Posting verwiesen worden.
    Es wurde beim Kuppelbau des Florenzer Doms beim Bau der Kuppel verwendet. Es ist eigentlich unvorstellbar, wie die Bauleute damals auf diesen Konstruktionen in einer solchen Höhe gearbeitet haben.
    Crownbender

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Der Mut der Arbeiter, auf solchen Konstruktionen in schwindelerregender Höhe ungesichert herumzukraxeln, nötigt in der Tat Respekt ab! Die Vertreter der heutigen Bauaufsichtsbehörden geraden wahrscheinlich alleine schon bei dem bloßen Gedanken daran in Schnappatmung.

      Löschen

A C H T U N G ! 1. Bitte anonyme Kommentare mit einem (originellen) Pseudonym unterzeichnen - falls keine sonstige Authentifizierung, z.B. mittels Google-Konto oder OpenID, erfolgt! Mehr als ein nicht unterzeichneter Beitrag pro Thread wird aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht freigeschalten! 2. Wir duzen uns hier.