Mittwoch, 17. Juli 2013

Immer noch ernüchtert


Unlängst berichtete ich an dieser Stelle von meinem eher enttäuschenden Ausflug zum Römermuseum Flavia Solva.
Erstaunlicherweise erweckte dies die Neugierde einer Zeitung, deren Vertreter mich um ein paar weitere Informationen bat. Parallel dazu behelligte man offensichtlich auch den Museumsbetreiber, denn gestern bloggte dieser eine entsprechende Stellungnahme
Die dabei vorgebrachten Argumente sind mir natürlich bekannt. Sie klingen recht nett und mitunter sogar logisch. Wenn jedoch das gegenwärtige Image des Museums tatsächlich so rosig ist, wie in diesem Text insinuiert wird ("Viele positive Rückmeldungen..."), dann stellt sich mir die Frage, warum der große Besucheransturm ausbleibt? Selbst auf den vom Museumsbetreiber beigefügten Bildern, sind gerade einmal drei einsame Kulturbeflissene zu sehen, die auf der von rostigen Stahlplatten eingerahmten Schotterpiste herumkrebsen.
Apropos Bilder: Diese sind, wie ich neidvoll zugestehen muss, ungleich schöner als die von mir gemachten. Was allerdings nicht nur an der verwendeten Kamera und dem guten Wetter liegen dürfte, sondern auch an der gewählten Perspektive. So wurde beispielsweise die inkriminierte Vitrine von innen(!) fotografierte. Für einen Besucher stellt dies freilich ein wenig nachvollziehbares Szenario dar... Auch die restlichen Aufnahmen lassen erkennen, wie überaus positiv sich der "richtige" Blickwinkel auf das Auge des Betrachters auswirken kann; Immobilienmakler und Reisebüros werden das bestätigen ;)

Eigentlich schätze ich die Arbeit des Universalmuseums Joanneum - zu dem auch das Römermuseum Flavia Solva gehört - sehr. Vor allem die einschlägigen Veranstaltungen für Kinder sind erstklassig.
Der gegenständlichen Fall bietet jedoch kaum mehr als Museumspädagogik von Vorgestern. Entgegen dem allgemeinen Trend wird Geschichte hier nicht erlebbar gemacht, sondern man setzt sie dem Besucher - einem faden Brei gleich - einfach nur vor.
Hierfür Geldmangel als Grund zu benennen, ist nach meinem Dafürhalten eine wenig probate Rechtfertigung, denn mit den verfügbaren Mitteln von 400 000 Euro und einem gewissen Maß an Kreativität, wäre man durchaus in der Lage gewesen, ein erlebnisorientierteres Konzept auf die Beine zu stellen. Da das für die Planung zuständige Triumvirat bisher noch nicht mit Publikationen zu Living History oder der Experimentellen Archäologie in Erscheinung getreten ist, nimmt es jedoch nicht Wunder, dass das Endergebnis vor allem jüngere Besucher enttäuschen wird.

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20 Kommentare

  1. Diese geschotterte Anlage sieht doch aus wie ein schlecht gepflegter Zen-Garten :-)
    http://mymonk.de/wp-content/uploads/zengartenG.jpg

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  2. Richard, bist du ein "Hobby-Historiker"? XD
    LG,
    Erwin

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    1. Das kommt, wie bei der Fotografie, auf den Blickwinkel an ;)

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    2. Die herablassende Schlussbemerkung dieses Herrn sagt doch schon alles aus. Man befindet sich eben in Österreich, wo Standesdünkel noch immer salonfähig ist ^^


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    3. Eigentlich lernen die meisten Studierenden bereits im ersten Semester, dass Autoritätsargumente keinen Wert besitzen.
      Doch leider, spätestens nach dem Masterabschluss wird dieses Faktum häufig wieder "vergessen".

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  3. Lieber Hiltibold aus Graz! Danke für den "Antwort"-Blog und gleichzeitig Entschuldigung, dass nicht das Pseudonym verwendet wurde. Ist mittlerweile korrigiert (wobei ich persönlich der Meinung bin, dass man sich gerade bei kritischen Beiträgen nicht hinter einem Pseudonym verstecken sollte).

    Die Hintergründe zur Neugestaltung sowie die Vorgeschichte wurden leider auch in diesem Beitrag "vergessen". Auch finde ich es schade, dass der Neugestaltung der kreative Ansatz abgesprochen wird.

    Und wenn schon Kritik geäußert wird, dann wären auch Gegenvorschläge begrüßenswert gewesen.
    Liebe Grüße
    Christoph Pelzl

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    1. Hallo auch,
      die Hintergründe für die Neugestaltung habe ich bereits im ersten Beitrag angeschnitten (kein Geld, um die Anlage in ihrer bisherigen Form zu erhalten) zum anderen verwies ich zuletzt auf die erklärende Stellungnahme des Joanneums. So kann sich jeder Leser ein Bild machen, ohne, dass ich hier noch einmal alles wiederkäuen muss.

      Gegenvorschläge wurden auch gemacht - nämlich einen erlebnisorientierteren Ansatz zu verfolgen - siehe Carnuntum.
      Interessanterweise wurde dieses Beispiel allerdings völlig missinterpretiert; gerade so, als ob ich der irrigen Ansicht wäre, das kleine Flavia Solva biete eine ähnlich reichhaltige archäologische Substanz wie Carnuntum. Nein, mir geht es hier um die museumspädagogische Herangehensweise. Was in Carnuntum gemacht wurde, ist - ein paar Nummern kleiner - auch in Flavia Solva möglich.

      Und danke für die Korrektur des Namens.
      Wer wissen möchte wie ich heiße, der kann das problemlos per Klick auf den Link "Über das Blog" herausfinden. Allerdings nur dort, wenn es sich einrichten lässt ;)

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  4. @Universalmuseum Joanneum:
    Es ist nicht die Aufgabe des Besuchers, bessere Präsentationskonzepte für Museen auszuarbeiten.
    Wenn mir die Predigt des Pfarrers nicht gefällt, stelle ich mich schließlich auch nicht vor die Gemeinde und übernehme den Job, für den er bezahlt wird.

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  5. ein konzept, das sich besonders für budgetschwache museale stätten anbietet ist das der belebung, man lädt regionale gruppen ein, bietet ihnen eine präsentationsfläche, einen raum zum experimentieren und ein publikum (oder eins von den erwähnten) und bekommt ein highlight, das man bewerben kann. ein arrangement, das für beide seiten eine tolle gelegenheiten bietet.

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    1. Interessant ist, dass es in Flavia Solva früher ein sogenanntes "Römerfest" gab - sagt uns Google.
      http://www.legxiii.at/fotos/fotos_1998/1998%20Flavia%20Solva%2059.JPG

      Was wurde aus diesem Konzept?
      Muss man hier einen Rückschritt bei den derzeit Verantwortlichen feststellen?
      Dabei würde ein qualitativ hochwertiges "Event" dem Standort nicht nur kurzfristig viele Besucher bescheren, sondern auch langfristig dafür sorgen, dass "Flavia Solva" der breiteren Öffentlichkeit wider ein positiver(!) Begriff ist.

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    2. ich glaube, feste (die meist ein oder zwei mal im jahr stattfinden) sind da nicht so dienlich, sie sind oft mit großem vorbereitungsaufwand und kosten verbunden. eine belebung aber kann über das ganze jahr verteilt in regelmäßigen abständen stattfinden und soll weg vom klassischen showelement bzw der klassischen displaydarstellung, hin zum alltagsleben mit erklärbereitschaft gegenüber den besuchern gehen.

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    3. Großereignisse können in der Tat nur Teil eines umfangreicheren Konzepts sein. Allerdings dürfte es schwierig werden, regelmäßig (wöchentlich, monatlich?) kompetente "Costumed Interpreter" in die entlegene Südsteiermark zu lotsen.
      Am ehesten könnte die Betreuung des Publikums deshalb ein Verein aus der Umgebung bewerkstelligen. Mir ist allerdings zur Zeit keiner bekannt, der das übernehmen würde (wenn es den doch gibt, dann bitte hier kommentieren oder mir eine E-Mail schreiben; würde mich interessieren).

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    4. Von den 400.000 € Sanierungsbudget, die verplant oder bereits für rostige Stahlprofile und spiegelnde Schaukästen verbraten wurden, hätte man problemlos einem solchen Verein eine Anschubfinanzierung zukommen lassen können.
      Lg
      Strolchi

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  6. Grüß dich Richard,

    die ausbleibenden Besuchermassen sind nicht nur darauf zurückzuführen, dass große Teile des Geländes wieder mit Erde verfüllt und so den Augen des Betrachters entzogen wurden, sondern es liegt vor allem daran, dass man kaum museale Veranstaltungen anbietet. Wie "Agi" schon schrieb, muss so ein Museum belebt werden. Das von dir angeführte Beispiel eines Römerfests, schreit eigentlich nach einer Wiederholung!
    Ist der so beschrittene Weg erfolgreich, können (sollten!) Schritt für Schritt ehrgeizigere Konzepte verfolgt werden, ähnlich jenen in Petronell-Carnuntum.
    Man wollte in Flavia Solva ja ursprünglich auch Experimentelle Archäologie betreiben. Wie wenig durchdacht das Konzept aber war, sieht man schon an den dafür vorgesehen "Baucontainern", die du fotografiert hast. Über ein paar unausgegorene Ideen und schwache Ansätze ist man bisher nie hinausgekommen, wie mir Kollegen gestern erst bestätigt haben. Ich bin deshalb sehr gespannt, wie sich das noch entwickeln wird!

    Außerdem darf man bei der ganzen Diskussion nicht vergessen, dass das Gelände des Römermuseums Flavia Solva nicht der einzige geschichtsträchtige Ort in der Steiermark ist. So gibt es z.B. auch etliche römerzeitliche villae rusticae. Eine Rekonstruktion à la Carnuntum würde sich an manch einem dieser Orte wahrscheinlich sogar eher anbieten als in Flavia Solva.
    http://www.academia.edu/2555305/Romerzeitliche_Villen_in_der_Steiermark
    (Gratis-Anmeldung erforderlich)

    Liebe Grüße,
    dein "Nachbar" Daniel
    ;-)

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    1. Servus Daniel,
      schön, dass du hier auch einmal kommentierst :)
      Bauliche Überreste die sich für Rekonstruktionen eignen würden, gibt es in der Tat etliche. Viele davon sind außerdem in eine weitaus ansprechenderer Landschaft eingebettet, als der Platz in Wagna. Dort beeinträchtigen ja vor allem ein angrenzender Großbau und belebte Straßen das Ambiente.
      Da Falvia Solva in der Steiermark allerdings die einzige römerzeitliche Siedlung mit Stadt-Charakter war, ist meiner Ansicht nach schon eine entsprechende Würdigung angebracht.
      Über das "Wie" sind wir uns ja einig ;)

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  7. Zitat aus der Stellungnahme des Römermuseums:
    "Viele positive Rückmeldungen dazu bestätigen uns in der Wahl dieser Präsentationsform."
    Hat der gute Mann möglicherweise die Kommentare hier nicht gelesen?
    Oder zählen diese Meinungen nicht, weil sie von lauter vermeintlichen oder tatsächlichen "Hobby-Historikern" stammen?
    Klarerweise verteidigt er sein eigenes Konzept, es bleibt ihm ja nichts anderes übrig. Wer gibt schon gerne zu, für den Bau eines durchgestylten Placebos verantwortlich zu sein.
    Und wenn dann eines Tages trotzdem die Besucherzahlen gegen ihn sprechen, dann war wahrscheinlich das schlechte Wetter an allem schuld :-)
    Dass du, Hiltibold, dich dafür rechtfertigen musst, wenn du keinen elektronischen Trampelpfad im Netz hinterlassen möchtest, ist bezeichnend für Sorglosigkeit mit der die meisten User mittlerweile in den Tag hineinleben.
    QX
    (per TOR)

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    1. "dann war wahrscheinlich das Wetter an allem schuld."

      Wenn schon, dann bitte der Klimawandel - Ursache aller Übel dieser Welt ;)
      Es werden übrigens keine exakten Besucherzahlen erhoben.

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    2. "Es werden übrigens keine exakten Besucherzahlen erhoben."

      Wie praktisch! :-D
      QX

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  8. Solche Kleinstmuseen haben es immer schwer. Auch wenn sie mehr bieten als in diesem speziellen Fall.

    Selbst die großen Player können in eine böse Schieflage geraten, wie man am Beispiel der Heuneburg sieht. Es muss eben alles stimmen: Lage, Verkehrsanbindung, Programm, genügend engagierte freilillige Mitarbeiter (ein Verein), Werbung bzw. gute Kontakte zu den Medien und Universitäten, perfekt organisierte Veranstaltungen und ja, wenn das Wetter gelegentlich mitspielen, dann ist das auch begrüßenswert ;-)

    Die einzige Chance die ein kleines Museum hat, ist es, in der Region ein attraktives Alleinstellungsmerkmal vorweisen zu können. Kann man das in Flavia Solva? Ich denke nicht.
    Ich teile deshalb die Meinung, dass begehbare Vitrinen aus spiegelndem Glas und rostige Stahlprofile kein Indikator für besondere Kreativität der Projektentwickler sind.

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