Montag, 25. August 2014

Aus dem Museum hinauskomplimentiert


Vor einigen Tagen besuchte ich zusammen mit einem Freund das immer wieder interessante und empfehlenswerte Archäologiemuseum Schloss Eggenberg (Universalmuseum Joanneum). Da wir um 16:00 Uhr eintrafen, das Museum die Pforten allerdings offiziell bereits um 17:00 Uhr dicht macht, gingen wir davon aus, dass sich unser Rundgang zwar zeitlich knapp, aber dennoch ausgehen würde.
Diese Annahme wäre in der Tat zutreffend gewesen, hätte uns nicht bereits um 16:45 Uhr ein schwarz gekleideter Herr mit drängendem Unterton aufgefordert, wir mögen das Gebäude nun verlassen. Auf meinen freundlichen Hinweis, dass als offizielle Zeit für die Schließung 17:00 Uhr angegeben wird - und wir demnach noch rund 15 Minuten übrig haben - erwiderte er, dass es eben dauere, bis alle Besucher gegangen seien.
Damit wollte der gute Mann offensichtlich zum Ausdruck bringen, dass er eine Viertelstunde für die Räumung der recht überschaubaren Lokalität benötigt. Diese etwas fragwürdige Begründung, die ich ehrlich gesagt nicht einmal als Kunde eines Diskont-Supermarktes gewöhnt bin (man hat mich jedenfalls noch nie vorzeitig beim Hofer oder Lidl zum Gehen aufgefordert), wurde zusätzlich durch den Umstand konterkariert, dass meine Begleitung und ich ohnehin die letzten Besucher waren und der Ausgang in rund 30 Sekunden zu erreichen ist.
Da ich im Angesicht dessen nur mäßig Lust verspürte, sofort zum Eingang zu stürmen, bat ich um zumindest 5 Minuten Aufschub, die nach kurzem Zögern gewährt wurden. Trotzdem war es uns aufgrund der fehlenden Zeit nicht mehr möglich, ausgerechnet das bis zum Schluss aufgesparte Prunkstück der Sammlung - den Kultwagen von Strettweg - eingehend zu besichtigen. Bei einem Eintrittspreis von zwei mal 8 Euro ist das schon etwas ärgerlich.

Fazit: Man stellt sich verwundert die Frage, wozu offizielle Öffnungszeiten kommuniziert werden, wenn das Personal diese dann in Eigenregie beschneidet. Der Museumsleitung scheint ein solches Vorgehen freilich gar nicht recht zu sein, wie eine entsprechende Anfrage ergab. Im Gegenteil, man legt Wert auf die Feststellung, dass die vorgegebenen Zeiten genau einzuhalten sind. Deshalb wurde mit jenem Mitarbeiter, dem dies offensichtlich nicht völlig klar war, zwischenzeitlich ein klärendes Gespräch geführt. 
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Morgen wird an dieser Stelle noch ein Bildbericht von meinem Besuch im Archäologiemuseum nachgereicht. Zu sehen sind darin unter anderem die vor nicht allzu langer Zeit in Graz entdeckten Überreste eines um 1300 verstorbenen Mannes, der aufgrund seiner bizarren Todesart im Mittelpunkt einer Sonderausstellung steht.

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9 Kommentare

  1. Da wollte offenbar jemand früher nachhause gehen ....
    Aber zumindest ist dir niemand hinterhergelaufen, um zu kontrollieren, dass du nichts mitgehen lässt. Das ist mir vor Jahren nämlich im Landeszeughaus passiert.
    Lg,
    Erwin

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    1. Ja, so etwas ist natürlich eher peinlich ;)
      Vielleicht hat der Mensch aber auch nur befürchtet, dass ihr die dort überall frei herumliegenden Exponate "betatscht"? Das wäre auch eine Möglichkeit.

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  2. Es ist eine Sache, Besucher kurz vor dem Schließen nicht mehr ins Museum hineinzulassen. Aber jemanden der schon längst im Museum ist, eine Viertelstunde zu früh zum Gehen aufzufordern, ist sicher nicht sehr kundenfreundlich und verrät mangelndes Taktgefühl. Der dezente Hinweis, dass bald geschlossen wird, sollte bei erwachsenen Menschen doch völlig ausreichen.
    Zumindest sehen sie den Fehler ein.

    Grüßle,
    Maria

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    1. Ja, ein dezenter Hinweis sollte eigentlich reichen.

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  3. Ich war mal in einem Museum in Italien, ich glaube es war das Archäologische Museum in Arezzo. Es war Spätvormittag. Eine Museumsmitarbeiterin folgte mir in dezentem Abstand durch die Räume, Immer wenn ich in einen neuem Saal wechselte, schloß sie in dem Saal, den ich gerade verlassen hatte, die Fensterläden. So wirklich willkommen habe ich mich da auch nicht gefühlt.

    - Exilwikingerin -

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    1. Ich könnte mir vorstellen, dass manch Angestellter im Laufe der Zeit die Ruhe etwas zu sehr schätzen lernt, die dieser Job vor allem in den nicht ganz so großen Museen mit sich bringt...

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  4. Dann müsst ihr mal zu uns ins Museum in Birkenfeld kommen. Die sind so lieb da! Meine Freundin und ich haben da mal Flyer vom Verein ausgelegt und weil meine Freundin noch nie da war, haben die uns kostenlos ne Führung durch die Eisenzeit-Ausstellung spendiert! In der Mittagspause! Das muss mal gesagt werden, auch wenn sie es wohl nicht lesen werden ;)

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    1. Das ist wirklich sehr nett und vorbildhaft von den Angestellten gewesen!

      Das muss mal gesagt werden, auch wenn sie es wohl nicht lesen werden

      Wer weiß, hier ist schließlich schon manch einer völlig unverhofft reingestolpert :)

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  5. Mir ist genau der umgekehrte Fall passiert: Wir wollten in ein Musum rein, aber dieses wurde um ungefähr 10 Minuten zu spät aufgeschlossen. Durch die Glastür konnten man beobachten, wie sich das Personal drinnen noch gemütlich einen Kaffee genehmigte, währen wir uns draußen den Hintern abfroren. Ich ärgere mich heute noch, wenn ich daran zurückdenke.

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