Montag, 28. Oktober 2013

Tag der offenen Tür im Archäologiemuseum von Schloss Eggenberg

Vergangenen Mittwoch veranstaltete die archäologische Abteilung des Universalmuseums Joanneum zum zweiten Mal einen "Tag der offenen Tür". Die Möglichkeit das Museum bei freiem Eintritt zu besuchen wurde dann auch tatsächlich von vielen Menschen in Anspruch genommen - darunter etliche Kinder. Letzeres ist besonders erfreulich, da der Geschichtsunterricht an den Schulen ja durchaus zu wünschen übrig lässt und den Nachwuchs kaum für die Vergangenheit zu begeistern vermag. Museen spielen deshalb - vor allem wenn es um die vom Lehrplan allzu vernachlässigte Lokalgeschichte geht - eine zunehmend wichtigere Rolle.
Passenderweise setzt man sich im Archäologiemuseum von Schloss Eggenberg mit der wenig beachteten eisenzeitlichen/keltischen Vergangenheit der Steiermark auseinander. Bekanntestes Ausstellungsstück ist zweifellos der Kultwagen von Strettweg. Daneben gibt es freilich noch unzählige weitere Objekte, die vor Ort anzusehen sich unbedingt lohnt.
Neben einer Vorführung alten Handwerks, wurden anlässlich des Tags der offenen Tür vier je 15-minütige Kurz-Vorträge angeboten, sowie eine Sonderführung, die den eisenzeitlichen Fürsten von Großklein zum Thema hatte. Eine abwechslungsreiche und gelungene Mischung, wie ich finde.
Auch der auf dem Gelände von Schloss Eggenberg errichtete Museums-Neubau hinterließ bei mir einen durchwegs positiven Eindruck. Die Ausstellungsflächen sind größtenteils sehr gut ausgeleuchtet und haben aufgrund ihrer räumlichen Weite erfreulicherweise rein gar nichts mit der erdrückenden Finsternis und dem Mief gemein, der älteren Bauten häufig anhaftet.

Im Zuge meines Besuchs ergab es sich außerdem, dass ich ein Gespräch mit dem Leiter des Museums, Karl Peitler, führen konnte. Unter anderem ging es dabei um das hier von mir kritisierte Römermuseum Flavia Solva, welches quasi eine Art Filiale des Archäologiemuseums darstellt. Letztendlich ist die architektonische Gestaltung der Ausgrabungsstätte natürlich auch eine Geschmackssache, und über Geschmack soll man bekanntlich nicht allzu sehr streiten. Wie man mir aber erklärte, ist zukünftig durchaus eine gewisse Belebung des Römermuseums vorgesehen, etwa in Form "archäologischer Wanderungen". Ich werte das als einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung.

Nachfolgende Bilder - und einige weitere - finden sich in höherer Auflösung (und natürlich zur freien Verfügung) auf der Flickr-Seite dieses Blogs.

Das barocke Schloss Eggenberg in Graz, umgeben von einer wunderschönen Parkanlage

Sonderführung "Der eisenzeitliche Fürst von Großklein und seine Zeit", im Hintergrund die um 600 v. Chr. entstandene Maske von Kleinklein (Wer lässt sich eigentlich solche Ortsnamen einfallen? ;) )
Zur Maske gibt es übrigens eine gut vierminütige Audiodatei mit Erläuterungen: Direkter Download

Räumlichkeiten des Museums, rechte Seite: zwei zyprische Götterköpfe

Räumlichkeiten des Museums

Der berühmte Kultwagen von Strettweg, beliebtes Motiv in österreichischen Schulbüchern, 7. Jh. v. Chr.

Handwerksvorführung eines Restaurators

Replikat einer bronzezeitlichen (?) Schale aus Kupfer

Diverse metallene Artefakte aus einem Depotfund, 12.-11. Jh. v. Chr. 

Oberstes Objekt: Kreuzgriffdolch, Typ Golovjatino-Leibnitz, Ende 9. - 8. Jh. vor Christus. Würde die breite Parierstange nicht eine so ungewöhnliche Befestigung aufweisen, ich hätte hier eher auf eine Waffe aus dem hohen oder späten Mittelalter getippt

Hallstattzeitliche Glockenpanzer aus Bronze. Zum sogenannten Panzergrab von Kleinklein, gibt es übrigens hier ein ausführliches PDF. Auch folgende Audiodateien setzt sich mit dem Panzer aus Großklein/Kleinklein auseinander: Direkter Download - Über Panzergräber allgemein, findet sich hier eine schöne Zusammenfassung.

Hallstattzeitlicher Doppelkammhelm (Südostalpiner Typ) aus Kleinklein, um 600 v. Chr. 

Laut Beschreibung ein Bronzehelm etruskischen Typs, 2.-1. Jh. v. Chr. (sieht mir sehr nach einem Montefortino-Helm aus). Anmerkung: Blitzlichtverbot - anderenfalls würde man hier mehr erkennen.

Eine Art bronzener "Spangenhelm" mit Krempe. Leider wurde das Bild mit dem beschreibenden Text von mir versehentlich gelöscht, so dass ich mit keinen weiteren Details dienen kann :(

Gleiches Problem wie beim vorangegangenen Foto: Das Bild mit dem beschreibenden Text wurde unabsichtlich gelöscht. Zu meiner (lahmen) Entschuldigung sei gesagt, dass ich diese Kamera bisher noch kaum in Verwendung hatte. Glücklicherweise ist es hier aber aufgrund der Haar- und Barttracht (kurz "geschnitten" bzw. mit dem Meißel nur grob angedeutet) nicht schwer, zumindest eine ungefähre Datierung vorzunehmen: 3. Jh., Ära der Soldatenkaiser. 

Römischer Fingerring, 2.-3. Jh. n. Chr. Man beachte die drei Kügelchen an den Rändern. Ob diese eine besondere Bedeutung besitzen, da man sie auf etlichen römischen Ringen findet, habe ich mich vor geraumer Zeit schon einmal gefragt. Mittlerweile neige ich zu der Ansicht, dass es sich dabei um stilisierte Weintrauben handeln könnte. Warum aber ausgerechnet drei? Möglicherweise weil die Römer/Latiner die Dinge gerne in drei Einheiten teilten; vor allem wenn es um göttliche bzw. übernatürliche Belange ging. Siehe etwa die kapitolinische Trias. Andererseits möchte ich hier auch nicht zu viel hineininterpretieren...


Ein gefährlicher Tonkrug  ;)

9 Kommentare

  1. Eisenhut ist der fragliche Helm keiner, weil aus Bronze gefertigt.
    Von der Patina her ist er wahrscheinlich vorgeschichtlich, aber das dürfte dir ohnehin klar sein ;-)
    Schöne Bilder übrigens!
    LG,
    Erwin

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    1. Möglicherweise kommt ja noch ein Experte für die Eisenzeit(?) hier vorbei, der uns aufklärt ;)

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  2. Danke für die Museumsbilder - ich war selbst im Sommer in vielen Museen, aber leider durfte man dort keine Fotos machen :(.

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    1. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob man dort nur ausnahmsweise am Tag der offenen Tür Bilder machen durfte (ich habe vorher per E-Mail nachgefragt) oder ob das immer erlaubt ist.
      Blitzlicht war allerdings auch in diesem Fall tabu - wohl damit die Exponate nicht zerbröseln ;)

      Grundsätzlich finde ich diese Fotografierverbote in Museen ja eher bedenklich. Die Museen berauben sich so auch einer guten Werbemöglichkeit.

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    2. Mal ganz davon abgesehen, dass es einfach lästig ist - man macht quasi einen "Kultururlaub", besucht zahllose Museen und Ausgrabungsstätten und am Ende hat man jeweils nur Gruppenfotos vor der Hütte, aber keine einzige konservierte Erinnerung an das, was man da gesehen hätte (und man gerne in 50 Jahren im Fotoalbum nochmal sehen würde).

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    3. Ich persönlich besuche mittlerweile höchstens in Ausnahmefällen Museen, in denen man nicht fotografieren darf.

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    4. Wenn man unbedingt die Exklusivrechte für professionelle Hochglanzbilder behalten möchte um diese möglichst gewinnbringend zu vermarkten, dann könnte ich das Verbot von Spiegelreflexkameras verstehen. Aber auch Kompakt- und Handy-Kameras zu verbieten, ist gegenüber dem Besucher schon beinahe schäbig. Solche Museen erspare ich mir auch lieber.

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    5. Hallo,
      nur noch eine Anmerkung: In den Häusern des Joanneums ist das Fotografieren überall erlaubt - die einzigen Einschränkungen: Ohne Stativ und ohne Blitz. Gelegentlich kann es vorkommen, dass Leihgeber ein Fotografieverbot ihrer Objekte in den Verträgen festhalten. Bei solchen Werken gibt es dann aber extra Hinweise.
      Liebe Grüße
      Christoph

      PS: Am 24. Juni findet übrigens wieder ein Tag der offenen Tür im Archäologiemuseum statt. Außerdem gibt's anlässlich des Internationalen Museumstags am 18. Mai ein umfangreiches Rahmenprorgamm am gesamten Standort Eggenberg und am 15. Mai eröffnet die neue Sonderausstellung im Archäologiemuseum: "Knochen-Code. Körper erzählen den Krieg".

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    6. Hallo und vielen Dank für den Hinweis. Wenn ich Zeit habe, werde ich zumindest am Tag der offenen Tür wieder kommen, mir alles ansehen und wieder ein paar Bilder machen - die diesmal sicher besser gelingen werden, da ich mich mittlerweile mit der Kamera auskenne... mehr oder weniger :)

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