Montag, 3. Februar 2014

Die Evolution der römischen Toga



"Gens togata" - so nannten sich die Römer selbst und spielten damit auf das zentrale Kennzeichen des freien, männlichen Bürgers an: Die (weiße) Toga. 
Über die Herkunft dieses Kleidungsstücks rätselte man bereits in der Antike. Stammte es von der chlaina ab, die, wie eine Grabmalerei in Paestum zeigt, unter anderem in den griechischen Kolonien Süditaliens getragen wurde? Oder war - wie Plinius d. Ä. vermutete (NH 8, 195) - vielmehr die etruskische tebenna Vorbild - also ein Mantel, wie man ihn vor rund 40 Jahren in der Nekropole von Verucchio (bei Rimini) fand (Grab 89/1972)? Dieser mit Brettchenborte verzierte Umhang ist im Vergleich zur Toga zwar relativ klein, jedoch wie deren republikanische Frühform halbkreisförmig zugeschnitten. Wobei sich die Frage stellt, inwieweit der Begriff "zugeschnitten" passend ist, denn ob man die Toga mit der Schere oder bereits auf dem Webstuhl in ihre endgültige Form brachte, ist ungewiss. Denkbar ist freilich auch, dass beide Möglichkeiten zutreffen.
Ziemlich sicher ist allerdings, dass dieses typisch römische Kleidungsstück ein teurer Spaß war, da für die Herstellung eine große Menge an hochwertigem Wollstoff benötigt wurde. Dieser finanzielle Aspekt verschärfte sich zusätzlich, als in der Regierungszeit des Kaisers Augustus die vergleichsweise knappe Halbkreis-Toga der untergegangenen Republik (Bild 1) aus der Mode kam und stattdessen durch eine ungleich "voluminösere" Form verdrängt wurde (Bild 2). Die republikanische Toga maß an der geraden Kannte etwas mehr als 3 Meter. Ihr modischeres Pendant war hingegen an der Umschlagkante ca. 5 Meter lang, wobei das größere Kreissegment einen Radius von 2,5 Meter hatte und das kleinere etwas weniger als 2 Meter. Natürlich hängen die tatsächlichen Maße im Einzelfall auch von der individuellen Größe des Trägers ab.
Wie sehr sich die zusätzliche Stoffmenge auf das Erscheinungsbild des togatus (= eine in Toga gekleidete Person) auswirkte, zeigt der Vergleich zwischen der Darstellung des republikanischen Redners Aulus Metellus (Bild 3) und jener des Kaisers Claudius (Bild 4). 
Ca. ab dem 3. Jahrhundert kam dann eine neue Trageweise - der im Zuschnitt allerdings gleichbleibenden - kaiserzeitlichen Toga in Mode (Bild 5). Nun wurde nämlich der umbo - das ist jener herabhängende Bereich, den Claudius auf dem mittleren Bild mit abgewinkeltem Arm berührt - balkenartig über der Brust drapiert. Hierzu wurde der Stoff um mit Klammern fixierte, flache Holztäfelchen gewickelt, die man am Ende des Ankleidungsprozesses - an dem bestimmt mehrere Sklaven mitwirkten - wieder entfernte. Von den Tafeln leitet sich auch die entsprechende Bezeichnung dieser Trageweise ab - toga contabulata. Sie kann bei antiken Bildnissen als Datierungshilfe verwendet werden, allerdings ist Vorsicht geboten, da auch die augusteische Form der Drapierung weiterhin in Verwendung blieb. Gegen Ende des (west-)römischen Reichs wurde die contabulata vereinfacht. Der über die Brust verlaufende Balken war nun flacher und dreiecksförmig (Bild 6). Außerdem wurden unter der Toga langärmelige Gewänder getragen die bis zu den Knöcheln reichten. Dies stellte eine völlige Abkehr von den Gepflogenheiten der römischen Frühzeit dar, als man unter dem "Bürgerkleid" bis auf einen Lendenschurz nackt war (vergleichbar auch mit dem griechischen himnation, das allerdings eine rechteckige Form besaß). 
Als Unterkleidung noch selten in Gebrauch war, mochte die Toga durchaus einen praktischen Zweck erfüllt haben. Nachdem jedoch die Tunika das primäre Kleidungsstück der Römer wurde, empfand man die wollene Toga im warmen Italien zunehmend als unpraktisch und überflüssig. Wie uns zeitgenössische Berichte wissen lassen, war sie deshalb bereits in der späten Republik kaum noch in alltäglicher Verwendung. Stattdessen nahm sie immer mehr den Charakter eines "Sonntagsanzuges" an, den man lediglich bei offiziellen und feierlichen Anlässen trug.
Als dann Kaiser Caracalla im Jahr 212 nahezu allen freien Bewohnern des Reichs das römische Bürgerrecht verlieh, verlor die Toga vermutlich noch mehr an Bedeutung, da sie nun im öffentlichen Leben nicht einmal mehr als Unterscheidungsmerkmal zwischen "Voll-Römer" und Bürger mit minderem Rechtsstatus taugte.

Eine abschließende Anmerkung: Interessanterweise kleideten sich nicht nur erwachsene, männliche Römer mit der Toga, sondern teilweise auch frei geborene Mädchen vor dem vollen Einsetzen der Pubertät. Besonders bemerkenswert ist allerdings, dass man mitunter selbst Ehebrecherinnen und Prostituierte dazu nötigte, eine grell gefärbte Variante der Toga anzulegen. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

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Weiterführende Literatur: 

4 Kommentare

  1. ein sehr interessanter beitrag, diese unterschiede waren mir bisher noch gar nicht bewusst! mfg,maria

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    1. Wenn es zumindest einen Leser interessiert, bin ich schon zufrieden ;)

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  2. Mich interessiert sowas auch immer sehr :). Meistens speichere ich mir die Artikel irgendwo ab oder verlinke sie im Weltengeflüster oder bei Viridiana.

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    1. Gegen mehr Interessieret habe ich freilich nichts einzuwenden ;)

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