Montag, 30. Juni 2014

Ben Hurs Quadriga


Bei römischen Wagenrennen spannte man die Pferde - anders als heute - immer nebeneinander ein, nie hintereinander. Warum letzteres vermieden wurde, ist mir persönlich ein kleines Rätsel, denn es finden sich zeitgenössische Darstellungen aus dem Transportwesen (z.B. in Andematunnum), die klar belegen, dass man dazu durchaus in der Lage war. Im Codex Theodosianus ist sogar von bis zu 10 Pferden die Rede, die hintereinander eingespannt wurden. Am Wahrscheinlichsten ist es, dass die Tiere bei Rennen deshalb nebeneinander laufen sollten, weil dies besonders beeindruckend aussah. Darüberhinaus verlangte es dem Wagenlenker in bestimmten Situationen möglicherweise auch ein größeres Geschick ab.
Entgegen einer in Filmen immer wieder anzutreffenden Annahme, wurden bei der typischen Schirrung einer Quadriga - im römischen Rennbetrieb die beliebteste Gespann-Variante - nicht alle vier Pferde über ein quer zur Deichsel verlaufendes Joch (oder eine ähnliche Vorrichtung) mit dem Wagen verbunden. Vielmehr waren nur die beiden mittleren Pferde dergestalt angeschirrt, währen für die beiden äußeren Tiere Zugseile verwendet wurden. Als Führungspferd dieses Gespanns dürfte zumeist das rechte "Jochpferd" fungiert haben (das dritte von links).

Beim berühmten Wagenrennen des Films Ben Hur (1959) ging man freilich Wege, die von der historischen Realität weit weg führten. In zumindest einem Fall scheint man etwa für die beiden Außenpferde (funales) keine Seile verwendet zu haben, sondern starre "Zugstangen", aber das scheint mir, verglichen mit all den anderen Anachronismen in diesem Film (der nichtsdestotrotz großartig ist), eine relativ kleine Abweichung vom römischen Standard zu sein.
Wo Hollywood allerdings gewaltig daneben griff, ist der Rennwagen selbst (currus), da dieser für Sandalenfilme generell viel zu massiv bzw. protzig gebaut wurde und an jene Modelle erinnern, die von Triumphzügen her bekannt sind. Die Römer verwendeten bei Rennen hingegen weitaus leichtere Gefährte, deren Böden möglicherweise aus Flechtwerk bestanden. Schätzungen gehen davon aus, dass Wagen + Fahrer (= halbe Portion) kaum mehr als 120 kg wogen. Diese leichte Konstruktionsweise war aus zweierlei Gründen sinnvoll: 1. Je leichter ein Wagen ist, umso weniger Gewicht müssen die Pferde ziehen, was sie logischerweise schneller vorankommen lässt. 2. Da die von den Römern verwendeten Brustgurte unglücklicherweise auf Schlagader und Luftröhre der Pferde drückten, war es zwecks Leistungssteigerung sinnvoll, diesen Gewichtsdruck auf ein Minimum zu reduzieren. Auch das war durch eine Leichtbauweise gewährleistet.

PS: Irgendwie sehen meine Pferde aus wie Gasflaschen mit Ohren und Schwanz ;)

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Weiterführende Literatur:

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2 Kommentare

  1. Also was das hintereinander betrifft war mein erster Gedanke das es wahrscheinlich nicht gemacht wurde,falls ein Pferd stürzen sollte so das man es leicht losschneiden könnte um so gleich weiterzufahren,aber das habe ich dann auch gleich verworfen.Was ich eher für logisch halte ist das,das Gespann durch das nebeneinander eher wendiger wird als wenn man die Pferde hintereinander spannt.
    LG Ingo

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    1. Genau! Es stellt sich etwa die Frage, ob ein moderrner Vierspänner, mit seinen vier paarweise hintereinander aufgereihten Pferden, beim üblicherweise herrschenden Gedränge eines Rennens ohne weiters um die scharfe Kurve der Spina kommen würde. Mir will scheinen, dass es mit Pferden die nebeneinander laufen deutlich leichter funktioniert, die Kurve möglichst eng zu nehmen. Habe es allerdings noch nie persönlich ausprobiert ;)

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