Montag, 16. Juni 2014

Kaiserzeitliche Sarkophage

Nachdem im antiken Rom lange Zeit die Feuerbestattung gebräuchlich war, kehrte man aus nicht völlig geklärten Ursachen ab dem frühen 2. Jahrhundert n. Chr. mehr und mehr zur Erdbestattung zurück. Dies ging natürlich auch mit einem Wechsel der Behältnisse für die sterblichen Überreste einher. Statt einer Urne wurde nun häufig ein Sarkophag verwendet, der bei bessergestellten Personen aufwendig verziert sein konnte.
Diese heute in vielen Museen ausgestellten Sarkophage lassen sich grob (!) in zwei bis drei Typen unterteilen, die, das sei betont, mir so vor allem in englischsprachiger Literatur untergekommen sind - z.B. in Nacy H. Ramages Roman Art. Völlig blind sollte man sich auf bestimmte Merkmale nicht verlassen, denn es gibt etliche Abweichungen bzw. Mischformen. Aber ich denke es ist ganz interessant, überhaupt einige der wichtigsten gestalterischen Aspekte kaiserzeitlicher Sarkophage zu kennen.

1. Attischer Sarkophag: Benannt wurde er nach seinem ursprünglichen Haupt-Herstellungsgebiet - Attika - einer historischen Landschaft in Griechenland. Er fand vor allem im westlichen Teil des Römischen Reichs weite Verbreitung und wurde häufig aus bei Athen abgebautem pentelischem Marmor gefertigt.
Nur die Front- und meist auch die beiden Stirnseiten waren bei diesem Typ mit aufwendigen Reliefs verziert, da die Rückseite aufgrund des Aufstellungsortes in einer Nische ohnehin nicht betrachtet werden konnte. Als Verzierungselement wurden beispielsweise großflächige Girlanden verwendet (Bild 1), in Summe dominierten jedoch rein figürliche Szenerien (Bild 2), die entweder Episoden aus dem Leben des Verstorbenen darstellten (Beruf, Ämterlaufbahn, Krieg, Eheleben...) oder sich auf bekannte Mythen bezogen. Die Deckel war giebelartig oder flach gestaltet, etwa in Form eines Totenbetts mit dem darauf liegenden Verstorbenen. Letzteres war bereits bei den Etruskern häufig anzutreffen, wie ein sehr schönes Beispiel zeigt: Klick mich



2. Asiatischer Sarkophag: Dieser in den östlichen Provinzen bevorzugte Sarkophag war häufig aus Marmor gefertigt, der beim kleinasiatischen Dokimeion abgebaut wurde. Er unterschied sich vom attischen Gegenstück vor allem durch seine rundum laufende Verzierung, die dem Aufstellungsort in der Mitte eines Mausoleum geschuldet war, wo der Sarkophag von allen vier Seiten betrachtet werden konnte. Allerdings säumte dieser Typus auch häufig die Wege von Friedhöfen - die Rückseite war dann mitunter weniger sorgfältig gearbeitet.
Ein weiteres Merkmal ist die Unterteilung ddr figürlicher Szenerien durch Säulen, oft in Kombination mit Bögen. Auch Girlanden waren als rundumlaufende Verzierung gebräuchlich, wie man an etlichen Beispielen aus Ephesos sieht. Der Deckel konnte wie beim attischen Typus giebelartig oder flach bzw.in Form eines Totenbetts gestaltet sein - siehe etwa den Sarkophag von Melfi (Bild 3). Bis auf Griechenland, wo Attische Sarkophage quasi eine Monopolstellung inne hatten, war der Asiatische Sarkophag nahezu überall im Reich anzutreffen.


3. Strigilierter Sarkophag: Wie der Name bereits andeutet, ist seine Oberfläche von einem Muster bedeckt, das an den Strigilis erinnert; dabei handelte es sich um einen Schaber, mit dem die Haut von Öl und Schmutz gereinigt wurde (Bild 4). Zum Teil war dieser vor allem stadtrömische Sarkophag-Typ mit einem Medaillon verziert, das den Verstorbenen darstellte. Auch die personifizierten vier Jahreszeiten oder Löwenköpfe waren ein beliebtes Motiv: Klick mich


Hochwertige Sarkophage wurden, wie man aufgrund von Materialanalysen und Funden aus Schiffswracks weiß, zum Teil über weite Strecken transportiert. Dies deutet darauf hin, dass die benötigten handwerklichen Fähigkeiten für die Herstellung vergleichsweise rar gesät waren. Zum Teil wurden die Sarkophage aber auch in halbfertigem Zustand exportiert und erst am Zielort fertiggestellt. Diese Arbeiten konnten besonders fähige lokale Bildhauer erledigen, die man allerdings meist nur in großen Städten antraf. Einige Meister reisten auch von sehr weit an, um mit ihrem Kunden vor Ort die Details zu besprechen und diese sogleich umzusetzen.

Wer sich hierzu näher informieren möchte, der findet neben dem eingangs erwähnten Buch beispielsweise auch bei Academia.edu ein (englischsprachiges) PDF, in dem sich der Autor mit der römischen Sarkophag-Industrie auseinandersetzt. Wobei seine Unterscheidungen etwas von den hier getroffenen abweichen; doch wie gesagt, bis ins letzte Detail ausgearbeitete Regeln gibt es aufgrund der vielen Mischformen ohnehin nicht: Klick mich

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