Dienstag, 30. September 2014

Was die Römer hören wollten



Marcus Licinius Crassus Dives - Bezwinger von Spartacus, Triumvir und möglicherweise reichster Römer der späten Republik - erfreute sich bei vielen seiner Landsleute keiner allzu großen Beliebtheit. 
Grund hierfür wird freilich nicht der Umstand gewesen sein, dass er entlang der Via Appia rund 6000 gefangen genommene Sklaven des Spartacusaufstandes kreuzigen ließ; diese drastische Vorgehensweise dürfte das Volk durchaus gutgeheißen haben.
Nein, großes Missfallen verdiente sich der skrupellose Kapitalist auf andere Weise: Laut Plutarch soll er seine aus 500 Bauhandwerker-Sklaven bestehende Privatfeuerwehr dazu genützt haben, die Besitzer brennender oder von einem Brand gefährdeter Häuser zu nötigen, ihre Immobilien extrem billig zu verkaufen. Erst wenn sie dies getan hatten, ließ er das (möglicherweise nicht immer zufällig ausgebrochene) Feuer löschen.  
Dass Crassus überdies sein riesiges Vermögen damit begründet hatte, indem er unter dem Diktator Sulla Jagd auf wohlhabende Anhänger des vom einfachen Volk sehr geschätzten Gaius Marius machte, wird auch nicht gerade seine Popularität gefördert haben.

Die Unbeliebtheit dieses Mannes im Hinterkopf, versteht man auch folgende Anekdote Plutarchs, die mir kürzlich unterkam:
Als Crassus bei einem großen Gelage die Bemerkung machte, niemand in seiner Familie wäre über 60 Jahre alt geworden, tadelte ihn der ebenfalls anwesende Cicero scheinbar gutmütig: "Du Schmeichler weißt offensichtlich ganz genau, was die Römer hören wollen."
:)


Weiterführende Literatur: 
Karl Wilhelm Weeber | Humor in der Antike | Reclam | 2006 | Meine Rezension | Infos bei Amazon

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