Mittwoch, 20. Mai 2015

Videos: Dominique Görlitz über den (vermeintlichen?) Cheops-Skandal -- Ein Interview mit dem bekannten Althistoriker Karl-Wilhelm Weeber

Dominique Görlitz über den (vermeintlichen?) Cheops-Skandal

Manche Leser werden sich vielleicht noch daran erinnern, dass vor einiger Zeit die Meldung durch die Medien ging, deutsche "Hobby-Forscher" hätten in der Cheops-Pyramide historisch wertvolle Bemalungen von den Wänden geschlagen.
Ich persönlich fand die mitunter recht reißerisch aufgemachte Berichterstattung eher merkwürdig, denn wie ein paar Hobbyisten unbemerkt in der scharf bewachten Pyramide herumsteigen konnten, wurde von der Copy&Paste-Journaille nicht näher erläutert. Da mich das Alte Ägypten nur mäßig interessiert, verlor ich dieses Thema allerdings rasch wieder aus den Augen.

Dieser Tage bekam ich dann von meiner Youtube-App plötzlich folgendes Video-Interview vorgeschlagen, in dem einer jener angeblichen Schwachmaten, die damals die Cheops-Pyramide beschädigt haben sollen, seine Version der Geschichte darlegt. Wider Erwarten ist der Herr keiner dieser merkwürdigen Pyramiden-"Numerologen", sondern es handelt sich um den bekannten Experimentalarchäologen Dr. Dominique Görlitz, der mit dem Versuch, den Atlantik in einem Papyrus-Schiff zu überqueren vor ein paar Jahren weltweit Aufsehen erregte.
Seine Schilderungen lassen die Affäre in einem anderen Licht erscheinen. Im Zentrum steht Zahi Hawass, der mittlerweile abservierte Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung. Dieser für seine unzähligen Auftritte in Geschichts-Dokus bekannte Herr hat unter anderem den Versuch unternommen, die Vorkommnissen in der Cheops-Pyramide jüdischen Kreisen anzudichten, welche angeblich danach trachten, die ägyptische Geschichte umzuschreiben, indem sie von willfährigen Helfern aus Deutschland unliebsame Inschriften zerstören lassen... ^^

Übrigens: Ein Zweck der Probenentnahmen, die Görlitz und sein Begleiter innerhalb der Pyramide durchführten, war beispielsweise der Versuch Eisen in einer schwarzen "Patina" nachzuweisen. Dabei, so die These, könnte es sich um die Abdrücke (Schleifspuren?) von Eisengegenstände handeln. Dies scheint deshalb von Bedeutung zu sein, weil zur Zeit von Pharao Cheops (ca 2600 v. Chr.) eigentlich maximal Bronze erzeugt und verarbeitet werden konnte. 

Hier geht es zum Video
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Ein Interview mit dem bekannten Althistoriker Karl-Wilhelm Weeber

Es gibt nur wenige Historiker, die dermaßen viele Sachbücher über die antike Welt veröffentlicht haben wie Karl-Wilhelm Weeber. Man denke nur an das zigfach neu aufgelegtes "Lexikon" Alltag im Alten Rom: Das Leben in der Stadt
In diesem ausführlichen Interview mit dem Bayerischen Rundfunk spricht Weeber von der Bedeutung der lateinischen Sprache in der heutigen Zeit: Klick mich

Achtung, das Video funktioniert außerhalb von Deutschland nur über einen entsprechenden Proxyserver. Für den Chrome-Browser hat sich diesbezüglich die Erweiterung Hola bewährt, mit der das jeweils passende Land kommod per Klick ausgewählt werden kann.

4 Kommentare

  1. Dominique Görlitz habe ich während des Studiums ein wenig persönlich kennengelernt. Seine Thesen zu bronzezeitlicher und jungsteinzeitlicher Hochseefahrt sind sicher eine Überlegung wert. Experimente haben ja gezeigt, dass auch mit primitiven Seefahrzeugen ein kreuzen gegen den Wind möglich ist! Einer Atlantiküberquerung stand daher nichts im Wege.

    Liebe Grüße,

    Britta

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    1. Die Abora-Experimente sind in der Tat sehr interessant. Angeblich möchte Dominique Görlitz noch einmal den Versuch unternehmen, den Atlantik von Amerika aus zu überqueren. Beim letzten Mal hatte er ja großes Pech mit dem Wetter.

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  2. Wenn ich mich nicht täusche, dann hat man in der Türkei verhüttetes Eisen entdeckt, das mitten in die Bronzezeit datiert wird. Also ist entweder die Datierung falsch oder die Eisenzeit begann im Orient eigentlich viel früher als gedacht.

    Ein neueres und sehr schönes Buch von Karl-Wilhelm Weeber ist "Wasser, Wein und Öl: Die Lebenssäfte der römischen Welt". Vielleicht kennst du das?
    Grisu

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    1. Ja, solche Eisenfunde gibt es mehrere. Bleibt die Frage, warum sich die Verarbeitung des neuen Metalls viele Jahrhunderte lang nicht durchsetzen konnte und stattdessen eine extrem seltene Randerscheinung blieb.

      Das Buch von Weeber kenne ich, habe es mir aber (noch) nicht selbst gekauft.

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