Mittwoch, 30. Mai 2018

Hörbares: Der dreißigjährige Krieg in Tagebüchern -- Archäologie mit absurder Prioritätensetzung -- Kopernikus -- usw.




➽ Der 30-jährige Krieg in Tagebüchern - Was der Krieg bewirkt | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Das ausgezeichnete Tagebuch von Peter Hagendorf, in dem dieser sehr eindrücklich von seinen Kriegserlebnissen berichtet, habe ich mir erst kürzlich zugelegt. Es gibt davon übrigens zwei Ausgaben: Eine günstige für 16 Euro und eine nicht so günstige für 35 Euro. Ich empfehle Interessierten das zweite Buch, weil es nicht nur den Originaltext enthält, sondern auch eine sprachlich modernisierte Variante davon; letztere liest sich wesentlich angenehmer.

➽ Der Prager Fenstersturz - Beginn einer europäischen Tragödie | Spieldauer 15 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

➽ Schlachtfeld-Archäologie in Deutschland - Was Knochen erzählen | Spieldauer 15 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

➽ Archäologie der Moderne (= Archäologie mit absurder Prioritätensetzung) | Spieldauer 4 Minuten | DR | Stream & Info | Direkter Download
Im Angesicht der Tatsache, dass die Bodendenkmalpflege europaweit finanziell aus dem letzten Loch pfeift, ist die im obigen Beitrag beschriebene Prioritätensetzung nach meinem Dafürhalten als Dummfug allererster Ordnung einzustufen. Wieder einmal geht es hier um das Schönreden von mit Steuergeld finanzierten Nonsens-Ausgrabungen - dazu zählt etwa die sogenannte 'Erforschung' eines im Rahmen dieses Blogs schon einmal erwähnten Anti-AKW-Lagers. Zu derlei Aktivitäten heißt es in dem Beitrag: "Für die breite Öffentlichkeit ist das oft spannender als Funde aus der Steinzeit". Aha, seit wann orientiert sich denn die obrigkeitlich geprägte Archäologie bei der Auswahl ihrer Forschungsobjekte an dem, was der "breiten Öffentlichkeit" am besten gefällt? Hat man plötzlich die Demokratie für sich entdeckt, nachdem bisher doch stets mit betont paternalistischer Attitüde ein Schmarrn drauf gegeben wurde, was Laien für erforschenswert halten und was nicht? Und woher will der interviewte Rabulist überhaupt so genau wissen, was den Leuten besser gefällt? Er legt für seine Aussage keine Belege vor. Stattdessen wird einfach aufgrund einer persönlichen, nicht nachprüfbaren Anekdote irgend etwas ins Blaue hinein behauptet, weil das halt so schön dem Narrativ dient. Freilich, es setzt schon ein gehöriges Maß an Vernageltheit voraus, Plastikbecher und Konservendosen aus den bestens dokumentierten 1980er-Jahren mit dem Begriff "spannend" zu versehen und diese hinsichtlich ihres Werts für die Geschichtsforschung Funden uralter Kulturen vorzuziehen, über die unser Kenntnisstand noch vergleichsweise dürftig ist und die daher umso mehr Aufmerksamkeit verdienen würden. Andererseits gibt es natürlich ähnlich gestrickten Hochdenker wie diesen Archäologen, die sogar meinen, einen Eimer Farbe an eine Wand zu knallen, verdiene bereits die Bezeichnung 'Kunst'. Die sogenannte "Moderne Archäologie" stellt demnach wohl das Äquivalent zu dergestalt belämmerten Aktivitäten dar. Gemeinsam haben sie auf jeden Fall, dass sie das Produkt eines intellektuell zunehmend abgesandelten Universitätsbetriebs sind.

➽ Wie Europa die Welt eroberte - Das Abendland als dominierende Macht | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

➽ Vater, Sohn und Heiliger Geist - Wie kann man sich die Dreifaltigkeit vorstellen? | Spieldauer 22 Minuten | DR | Stream & Info | Direkter Download
In Wirklichkeit gar nicht, ohne einen Knoten in seine Gehirnwindungen zu bekommen. Man muss einfach dran glauben. Dieses abstrakte Konzept war andererseits schon bei den frühen Christen nicht unumstritten und wurde auch von  häretischen Gruppierung im Mittelalter ganz oder teilweise abgelehnt. Es gibt Historiker/Theologen, die meinen, die zu komplizierte Dreifaltigkeit habe sogar dazu beigetragen, dass nach der islamischen Eroberung des Nahen Ostens und Nordafrikas die Bevölkerung dort leichter auf die neue, einfacher gestrickte Religion umgepolt werden konnte. Ich mag das nicht beurteilen.

➽ Der Tod des Astronomen Nikolaus Kopernikus | Spieldauer 4 Minuten | DR | Stream & Info

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Kommentare:

  1. Wenn sie für die Grabung keine Steuergelder verwenden, habe ich kein Problem damit. Dann können sie auch gerne nach Bruchstücken der 1976 eingestürzten Reichsbrücke in der Donau tauchen :-)

    LG,
    Erwin

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  2. Vor ein paar Jahren hat man die Müllgrube einer Hippie-Kommune archäologisch beackert. Die bedeutendste Erkenntnis aus der Aktion für die Geschichtsforschung war: Die bekifften Bewohner hatten sich nicht nur vegetarisch, sondern auch von Dosenfleisch (Spam) ernährt. Wow!

    Wenn sich dafür der Aufwand nicht gelohnt hat, für was dann !? ;-)

    Grüße in die Alpenrepublik!

    Kallimachos

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  3. Die Hagendoef-Ausgabe von V&R habe ich auch. Daran gibt es tatsächlich fast nichts auzusetzen, außer, dass man um den Preis hätte Fußnoten einbauen können, weil einige Begriffe sicher nicht jeder Leder verstehen wird.

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  4. Der erste Link in "Der 30-jährige Krieg in Tagebüchern" geht doch zu dem Tagebuch von Maurus Friesenegger und nicht zu dem von Peter Hagendorf oder verstehe ich da was falsch?

    Gruß
    x

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    1. Der Hinweis zum Hagendorf-Tagebuch war von mir als ergänzende Information gedacht.

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  5. Nun ja, da in den Universitäten gelehrt wird, alle Kulturen seien gleich viel wert - also auch solche, in denen Steinigungen, das Abhacken von Händen, Ehrenmorde und das Verstümmeln von Genitalien zum gerne gepflegten Brauch gehören - ist es nur konsequent, wenn man nun auch dazu übergeht, vierzig Jahre alten Plastikmüll auf eine Stufe mit steinzeitlicher Keramik und bronzezeitlichem Kunsthandwerk zu stellen.

    Gero

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    1. Jürgen C. Baumann1. Juni 2018 um 19:33

      Die aktuelle Studenten-Generation bemerkt bedauerlicherweise gar nicht, welcher geistigen Tieffliegerei sie anhängt. Man kennt einfach nichts anderes mehr. Es fehlt diesen Leuten, im Gegensatz zu uns, der qualitative Vergleich.

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    2. Im methodischen Vorgehen und der handwerklichen Bergung sollte es (idealerweise) in der Behandlung von Funden der Stein-, Bronze-, oder Nachkriegszeit tatsächlich keinen Unterschied geben. Sauberes Arbeiten ist sauberes Arbeiten. Unterschiedliche konservatorische Ansprüche des Fundguts und praktische Einschränkungen im Sinne der Fragestellung außen vor gelassen.

      Und es wird tatsächlich an der Universität gelehrt, die Analyse von Kulturen (nicht nur historischen) möglichst gut von deren persönlicher Wertung zu trennen. Sich auf Augenhöhe begeben, nicht verurteilen, sondern verstehen. Nennt sich Wissenschaft. Sind wir recht stolz drauf.
      Danach fällt erfahrungsgemäß die nicht einfließende Wertung oft weniger krass aus.

      Viele Grüße
      Norbert

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    3. Es ist eine Sache, im Zuge einer Grabung die Befunde in den unterschiedlichen Strata gleichwertig zu behandeln (machen trotzdem auch die Archäologen nicht immer), eine völlig andere aber, eigens eine Grabung zu initiieren,um zB gezielt ein Protestcamp aus dem Jahr 1980 auszugraben. Letzeres hat mit dem Wissenschaftsbegriff nichts zu tun, sondern ist in Hinblick auf die Finanzsituation der staatlichen Archologie nicht viel mehr als interessensgeleitete Idiotie und Steuergeldverschwendung.

      In einer idealen Welt könnte die staatsnahe Archäologie erforschen was sie will, in der Realität, mit ihren sehr begrenzten finanziellen Möglichkeiten, muss sie sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

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