Samstag, 9. Juni 2018

Buch: Gladiatoren

Waren die Gladiatorenkämpfe der alten Römer - bei denen im Laufe der Zeit unzählige Menschen ihr Leben ließen - noch Sport oder vielmehr menschenverachtende Perversion? Aus heutiger Sicht wohl letzeres. Und doch - oder gerade deshalb - übt dieser antike Kampf 'Mann gegen Mann' eine ungetrübte Faszination auf uns aus.

Mit ihrem rund 100seitigen Büchlein Gladiatoren (Reclam Verlag) wendet sich die Autorin Leoni Hellmayr definitiv an Leser, die über kein oder nur geringes Vorwissen hinsichtlich des römischen Gladiatorenwesens verfügen. Der gebotene Überblick ist umfangreich, die vielen Einzelaspekte wurden jedoch geschickt auf das Wichtigste eingedampft. Unter anderem wird betrachtet: Geschichte und Entwicklung der Gladiatur, ihre gesellschaftliche Bedeutung, die wichtigsten Gladiator-Typen (inkl. Grafiken), der Kampf in der Arena, das Leben und Training in der Gladiatorenschule, archäologische Erkenntnisse usw. Am Schluss findet sich dann noch ein Interview mit einem modernen Gladiator-Darsteller, der bei einschlägigen Veranstaltungen als Schaukämpfer auftritt.

Zwar ist der Autorin sicher bekannt, dass die Gladiatur nicht mit venationes (Tierhatzen) und Hinrichtungen im Amphitheater in einen Topf geworfen werde darf, allerdings schreibt sie trotzdem relativ viel auch über letzere beiden Themengebiete und schneidet darüberhinaus den berühmten Spartacus-Aufstand, die antike Sklavenhalter-Gesellschaft und einiges mehr kurz an. Dabei handelt es sich hinsichtlich des Buchtitels teilweise um kleine 'Themenverfehlungen', allerdings dürften sich nur sehr wenige Leser daran stören - eher im Gegenteil.

Selten haben sich kleine inhaltliche Fehler eingeschlichen, etwa wenn es heißt, die Stadt Pompeji sei von "Lava und Bimsstein" des Vulkans Vesuv begraben worden. In Wirklichkeit waren es Bimsstein, Staub, Asche und Lapilli. Lavaströme haben Pompeji hingegen nicht erreicht. Jemandem, der wie die Autorin Alte Geschichte studiert hat, sollte so ein Irrtum eigentlich nicht unterlaufen. Schließlich ist Pompeji nicht irgend eine archäologische Stätte. Andererseits: Tragisch ist das auch nicht.

Der Schreibstil ist locker und aus meiner Sicht sehr gefällig. Lediglich verknöcherte Oberstudienräte dürften bei Formulierungen wie "Das Volk hatte in der Kaiserzeit nichts mehr zu melden" ein wenig die Augen verdrehen.
Auf detaillierte Quellenangaben und Fußnoten wurde verzichtet, was ich der Autorin im Hinblick auf die Zielgruppe des Buchs allerdings nicht vorwerfen möchte. Ein vernünftiges Literaturverzeichnis hätte trotzdem nicht geschadet. Immerhin nennt sie am Ende einige gute Lesetipps für jene, die Lust auf mehr bekommen haben.

Fazit: Unterm Strich ist Leoni Hellmayr hier eine allgemein verständliche und gut strukturierte Einführung in die Gladiatoren-Thematik gelungen. 


Anmerkung: Marcus Junkelmanns Gladiatoren-Buch "Das Spiel mit dem Tod" wird bei Amazon mittlerweile gebraucht zu absurden Mondpreisen angeboten. Wahnwitzige Spekulation oder wirklich so begehrt?
Ich besitze das Buch übrigens auch. Für die Spitzenpreise, die da bei Amazon verlangt werden, komme ich auch fast in Versuchung, es zu verhökern 😊

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1 Kommentar:

  1. Interessant, wie man Junkelmanns Gladiatoren-Truppe schmäht, während auf der anderen Seite für sein Gladiatoren-Buch Höchstpreise verlangt werden.

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