Freitag, 8. Juni 2018

Krimskrams: Geschenkt ist noch zu teuer -- Bei Wikipedia abgekupfert?

Keine Rechte vorbehalten, doch um die Nennung der Quelle wird gebeten: HILTIBOLD.Blogspot.com

Kürzlich am Flughafen Frankfurt beim Umsteigen fotografiert: Die Zeitungsverlage verschenken ihre Erzeugnisse mittlerweile, nachdem kaum noch jemand dafür Geld ausgeben möchte. Trotzdem laufen fast alle Passagiere daran vorbei. Offensichtlich ist selbst geschenkt noch zu teuer.

Die Verlage haben bei Angeboten wie diesem natürlich einen Hintergedanken: Sie können - heißt es - so ihren Werbekunden höhere Auflagen vorgaukeln, was sich wiederum auf die Preise für das Schalten von Anzeigen auswirkt. Denn je mehr angebliche Leser eine Zeitung hat, umso mehr Geld kann man auch für Werbung darin verlangen.

Freilich, in absehbarer Zukunft dürfte auch diese Trickserei nicht mehr ausreichen, um sich wirtschaftlich über Wasser zu halten. Ohnehin sind viele Werbekunden längst hellhörig geworden. Es wird deshalb bereits überall in Europa nach immer großzügigeren staatlichen Alimentierungen für Zeitungen gerufen - ähnlich den Rundfunkgebühren. Blogs und kleine Website-Betreiber (also die 'Gegenöffentlichkeit') schauen hingegen durch die Finger bzw. werden diskriminiert, obwohl sie in Summe längst mehr Menschen mit Informationen versorgen dürften, als die obsoleten Dinosauriermedien. Ein Schelm ist, wer hinter dieser wettbewerbsverzerrenden Zweiklassengesellschaft Absicht vermutet.
So wie es ja sicher ebenfalls purer Zufall ist, dass hier in Österreich Zeitungen hinsichtlich der neuen EU-Datenschutzverordnung große Extrawürste gebraten bekommen - besonders wenn es um die Regelungen beim Photographieren in der Öffentlichkeit geht. Beispielsweise ist es für mich als Blogger - sofern ich rechtskonform handeln möchte - kaum möglich, auf Living-History-Veranstaltungen Fotos zu machen, da ich im Gegensatz zur Journaille nicht ohne weiteres Bilder veröffentlichen darf, auf denen Personen identifizierbar sind, die mir nicht ihr Einverständnis für die Veröffentlichung gegeben haben. Selbst das Unkenntlichmachen der Gesichter wird von einigen Juristen hinsichtlich des Gesetzestextes als nicht ausreichende Ersatzmaßnahme betrachtet. Denn man könne Abgebildete z.B. anhand bestimmter Tattoos identifizieren ...

Ein riesengroßer, unausgegorener, schikanöser Schwachsinn ist das alles. Deshalb werde ich mir auch meinen angedachten Besuch des vom Archäologischen Park Carnuntum veranstalteten Römerfests schenken. Für mich hätte sich die mehrstündige Anreise nur gelohnt, wenn ich einen ausführlichen Bildbericht fürs Blog hätte machen können. Aber wer will schon Impressionen von einer Living-History-Veranstaltung sehen, wenn sämtliche Personen auf den Fotos zwecks Anonymisierung ausgeschnitten oder eingeschwärzt sind?

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Bei Wikipedia abgekupfert?

Vor einigen Wochen habe ich ein durchaus gutes Buch gelesen, bei dem mir aber aufgefallen ist, dass innerhalb eines kurzen Absatzes mehrere Formulierungen verwendet wurden, die jenen in einem Wikipedia-Artikel auffällig ähneln. Deshalb kam bei mir der unschöne Verdacht auf, dass die Buch-Autorin hier ausgerechnet bei der unzuverlässigen und nur mäßig seriösen Wikipedia abgeschrieben hat. Sollte ich das in meiner Buchbesprechung erwähnen? Schließlich gab es vor einiger Zeit einen ähnlichen Fall rund um den Verlag C.H. Beck, der ziemlich hohe Wellen schlug.
Freilich, es bestand auch die Möglichkeit, dass sowohl die Buch-Autorin wie auch der Wikipedia-Autor unabhängig voneinander eine gemeinsame Quelle genutzt haben und diese eher unambitioniert paraphrasierten. Deshalb schrieb ich zur Vorsicht die Autorin an und fragte sie nach ihrer Quelle. Sie nannte mir prompt das entsprechende Sachbuch, welches ich zufällig in meiner Bibliothek hatte. Nach kurzer Überprüfung stand fest, dass hier die Buch-Autorin nicht von Wikipedia abgeschrieben hatte, sehr wohl aber der Wikipedia-Autor fast Wort für Wort aus besagtem Sachbuch abkupferte, und zwar ohne die genaue Quelle zu nennen.

Wer sich fragt, um welchen Wikipedia-Artikel es ging: Um diesen hier.

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Kommentare:

  1. Hallo. Es wäre natürlich nicht gut, wenn jemand für Wikipedia aus einem Werk eines anderen Autors abgeschrieben hätte. Zur Überprüfung wäre es schön, wenn du uns den Titel des Sachbuches nennen könntest, am besten direkt auf https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Fragen_zur_Wikipedia#Wieso_bemerkt_man_Plagiate_nicht?

    Grüße, Benutzer Jonaes02 aus der deutschsprachigen Wikipedia.

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    1. Hallo Jonaes02,

      bei Wikipedia selbst, greife ich persönlich nichts mehr an.

      Ich kann dir aber hier nähere Detailinformationen geben. Es betrifft den Begriff Pantomimus und folgendes Buch: Carl W. Weber; "Brot und Spiele"; Pawalak, 1989

      Die genaue Seite kann ich dir nicht nennen, da ich im Moment ein paar Hundert Kilometer von meiner Bibliothek entfernt bin.

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    2. "bei Wikipedia selbst, greife ich persönlich nichts mehr an. "

      Würde ich auch nicht, solange sie nicht das Wikipedia-Faktotum Kopilot und dessen Aktivistengenossen feuern ;-)

      C3PO

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    3. Um das für die Mitleser zu erläutern: Es gibt einen langdauernden Konflikt zwischen Anhängern des Schweizer Verschwörungstheoretikers D. Ganser und der Wikipedia. Der "Wanderprediger" (Schweiz am Wochenende) und gescheiterte Akademiker lebt von Vortragsreisen über 9/11. In dem Benutzer:Kopilot personifizieren Sie die abstrakte Neutralität und Verläßlichkeit unserer Enzyklopädie. Das kennen wir gut: In Gansers Kreisen gibt es keine Diskussion, es geht nur darum, seine Feinde zu markieren und zu beschimpfen.

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    4. Das ist zu simpel gedacht. Ich halte nämlich in Wirklichkeit von Gansers Theorien (samt seinem KenFM-Fandom) nicht viel. Vom Nutzer Kopilot halte ich aber noch wesentlich weniger. D.h., man muss nicht ein Anhänger des einen Herren sein, um das Verhalten des anderen Herrn zu missbilligen.
      In Kopilot manifestiert sich viel von dem, was in der Wikipedia falsch läuft und zum bekannten Autorenschwund führt. Zuvörderst sind das Seilschaften von Gleichgesinnten, die im Hintergrund unter sich ausknobeln, was drinnen bleibt und was raus fliegt. Dieses Klüngelei ist evident. Nicht nur im Fall von Kopilot.

      C3PO

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    5. Das 911-Gedöns tut hier eigentlich nur wenig zur Sache, aber folgendes noch dazu: Während in der Einleitung zum Ganser-Artikel mit dem Schmähwort "Verschwörungstheoretiker" gearbeitet wird (wohl wissend, dass die meisten Leute nicht viel weiter als bis zum Ende der Einleitung lesen), trägt der hauptberufliche Klavierlehrer und Linksradikale "Kopilot" dafür Sorge, dass im Artikel über "Anetta Kahane" deren langjährige Tätigkeit als Stasispietzel in der Einleitung verschwiegen und stattdessen exklusiv der Begriff "Menschenrechtsaktivistin" verwendet wird. Änderungen an diesem ohnehin schon halb gesperrten Artikel macht "Kopilot" sofort rückgängig, Das zeigt ein Blick in die ellenlange Versionsgeschichte.

      Man müsste über offensichtlich weltanschaulich und politisch motivierte Eingriffe wie diese lachen, wenn es denn nicht so traurig wäre. "Kopilot" ist die Karikatur eines seriösen und objektiven Enzyklopädie-Autors, der sich in der Wikipedia mit Rückendeckung befreundeter Admins nach Herzenslust austoben darf. Solange Wikipedia abgefeimten Figuren wie diesem Herren ein Zuhause gibt, solange kann sie nicht als reputable Quelle angesehen werden. Bestenfalls entspricht sie den Qualitätskriterien von Schülern und Journalisten.

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  2. Achso: Wenn du willst kannst du auch an die offizielle E-Mail-Adresse des Support-Teams unter info-de@wikimedia.org schreiben. Danke für deine Hilfe.

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  3. Danke für den Hinweis. Bitte das Buch, wenn möglich auch die Seite angeben, damit wir dem nachgehen können. Entweder hier, oder gleich auf unserer Diskussionsseite beim Artikel. Wir Wikipedianer dulden schon im eigenen Interesse keine Plagiate, denn wir bieten unsere Texte und Bilder für jedermann/frau zur freien Weiterverwendung an. Das geht nicht, wenn fremde urheberrechtlich geschützte Abschnitte enthalten sind. Gruss, —MBq

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  4. Hilti, interessant ist auch, dass der Niedergang vieler Zeitungen und Magazine schon angefangen hat, bevor es das WWW mit seinen vielen Informtionsmöglichkeiten gab. Das straft auch die Behauptung Lüge, alleine die "neuen Medien" hätten den Print gekillt. Nein, es ist schon auch der Inhalt und der krasse Mangel an Meinungs-Diversität. Letztendlich bedienen fast alle Tageszeitungen heute doch nur mehr eine einzige kleine Klientel.

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  5. Ich habe den Vorgang nachgeprüft. Weber wurde paraphrasiert, was erlaubt ist, aber er hätte als Quelle angegeben werden müssen. Ich habe das nachgeholt. Nochmals vielen Dank für die Meldung.

    Zugehöriger Abschnitt der Artikeldiskussion:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Theater_der_r%C3%B6mischen_Antike#Plagiatsvorwurf_gegen_diesen_Artikel

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