Sonntag, 8. Juli 2018

Buch: Egyptian Art / Ägyptische Kunst

Eine nützliche und kostengünstige Quelle

Der französische Gelehrte und Künstler Achille Constant Théodore Émile Prisse d’Avesnes (1807-1879) bereiste schon in jungen Jahren aus Neugierde die Welt, kämpfte quasi 'en passant' im griechischen Unabhängigkeitskrieg mit und landete schließlich in Ägypten. Dessen historische Monumente wurden von ihm im Laufe vieler Jahre erforscht und vor allem dokumentiert, lange bevor die moderne Ägyptologie existierte.
Bis heute wird Prisse für seine meist ziemlich originalgetreuen Wiedergaben altägyptischer Reliefs, Wandmalereien usw. gelobt; im Gegensatz zu manch Zeitgenossen hatte er sich nämlich nur vergleichsweise wenig zu idealisierenden Verfälschungen hinreißen lassen. Prisse war auch der erste Gelehrte, der jenes Gittersystem bzw. Hilfsliniensystem erkannte, auf dem die gesamte altägyptische Kunst mit ihren kanonischen Proportionen basierte.
Die akribisch durchgeführte Arbeit von Prisse ist bis heute von unschätzbarem Wert für die Ägyptologie, da viele der von ihm dokumentierten Bauwerke nicht mehr existieren. So manch Jahrtausende altes Zeugnis war bis in die jüngere Vergangenheit abgerissen worden, um beispielsweise aus dem gewonnen Steinmaterial Kalk zu brennen ...

Die vorliegende, rund 600seitige Ausgabe des Taschen Verlags enthält unzählige, oft bunt kolorierte Zeichnungen/Drucke, die aus Prisses beiden Werken Monuments égyptiens (1847) und Histoire de l’art égyptien (1868–1877) stammen. Laut Klappentext handelt es sich dabei um sämtliche der darin publizierten Abbildungen - also nicht nur um eine Auswahl.
Die Einleitung und die Bildtexte sind dreisprachig (Deutsch, Englisch, Französisch). Während die Einleitung von der Ägyptologin Salima Ikram (Amerikanischen Universität in Kairo) stammt, so scheinen die Bildtexte - zumindest teilweise - von Prisse selbst zu sein.

Der Taschen Verlag verkauft auch eine XXL-Variante dieses Buchs, die zwar optisch sehr viel her macht, mir aber für die Recherche - und selbst zum Schmökern - zu unhandlich erscheint. Wobei man allerdings einräumen muss, dass für ein paar der Abbildungen das vorliegende reduzierte "Klotz-Format" dann doch zu klein ist - siehe etwa das erste der unten angefügten Beispielfotos. Der Preis des Buchs ist mit läppischen 15 Euro freilich unschlagbar.

Fazit: Ich finde Bücher wie dieses sehr nützlich. Sicher, einschlägige Bilder gibts auch im Netz zuhauf. Nur werden dazu überwiegend keine verlässlichen Detailinformationen mitgeliefert. Und ohne den entsprechenden Kontext sind sie für die Recherche oft wenig bis gar nicht brauchbar.  

Tell El Amarna, Psinaula | In einen Felsen eingearbeitetes Proskynema; Echnaton, seine Ehefrau Nofretete und ihre beiden Töchter bei der Opferung an die strahlende Sonnenscheibe.
Altägyptische Vasen und Spiele
Theben, Ramesseum | Ramses [II.] Meriamun kämpft im Streitwagen gegen die Hethiter
Bildhauerwerkstatt, abgebildet im Grab des Wesirs Rechmire (15. Jh. v. Chr.)

Abschließend noch folgendes: Es wäre wünschenswert, wenn sich Dampfplauderer wie der auf Youtube omnipräsente Bauingenieur Axel Klitzke näher mit dem Werk von Prisse vertraut machen würden. Das würde der Welt manch unsinnige Überlegung hinsichtlich alter ägyptischer Handwerkstechniken ersparen. Herr Klitzke glaubt nämlich unter anderem, die Ägypter wären ohne Hilfe (von wem auch immer ^^) nicht in der Lage gewesen, die Oberflächen von steinernen Statuen in dem Maße perfekt zu polieren, wie sie sich uns z.T. heute noch präsentieren. Siehe jedoch dazu das letzte der vier obigen Bilder. Ich entdecke hier keine fremden Helfer oder ausgefuchsten Werkzeuge, die es damals noch nicht hätte geben dürfen ...

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Kommentare:

  1. A4 wäre vom Format her interessant. Das läge dann zwischen kleiner und großer Ausgabe und sollte preislich auch noch gut funktionieren.

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  2. Überredet und gekauft!!
    LG,
    Erwin

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  3. Ach, dieser Klitzke - überall sieht der Einfluss von "Fremden". Und unterschätzt dabei komplett die Leistungsfähigkeit unserer Vorfahren!

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