Freitag, 5. Oktober 2018

📖 Buch: Der Peloponnesische Krieg

Athen vs. Sparta

Dem Originaltitel "Ho polemos ton Peloponnesion kai Athenaion" entsprechend - was ĂŒbersetzt eigentlich "Der Krieg der Peloponnesier und Athener" bedeutet - berichtet der antike Geschichtsschreiber Thukydides in dieser aus acht 'BĂŒchern' bestehenden Monographie ĂŒber den berĂŒhmten und Ă€ußerst blutigen Peloponnesischen Krieg zwischen den beiden griechischen MĂ€chten Athen und Sparta. Der Zeitraum der hierbei behandelten Ereignisse erstreckt sich von 431 bis ca. 411 v. Chr. Da der Krieg allerdings erst 404 v. Chr. (mit der bedingungslosen Kapitulation Athens) endete, ist Thukydides' Werk unvollstĂ€ndig. Es wurde jedoch von seinem jĂŒngeren Zeitgenossen Xenophon in dessen Hellenika fortgesetzt.

Thukydides schreibt: "[...] ich habe Selbsterlebtes und von anderer Seite Berichtetes mit grĂ¶ĂŸtmöglicher Genauigkeit in jedem einzelnen Fall erforscht". Das heißt, er hat die ihm zur VerfĂŒgung stehenden Quellen (meist) einer kritischen Beurteilung unterzogen. Außerdem war Thukydides selbst Augenzeuge etlicher der von ihm beschriebenen Ereignisse. Dies macht ihn fĂŒr antike VerhĂ€ltnisse als Historiker recht glaubwĂŒrdig. Am stĂ€rksten muss diese Beurteilung noch eingeschrĂ€nkt werden, wenn er AusflĂŒge in die griechische Vor- und FrĂŒhgeschichte unternimmt, in der sich Götter und Helden tummelten.

Interessant ist Thukydides Werk vom Peloponnesischen Krieg sicher fĂŒr all jene, die an der KriegsfĂŒhrung im klassischen antiken Griechenland interessiert sind. Der Autor schildert allerdings nicht nur das Kriegsgeschehen (eigentlich handelt es sich dabei um eine Aneinanderreihung verschiedener Konflikte - darunter ein großer Sklavenaufstand) sondern geht auch auf die KriegsgrĂŒnde und politischen RĂ€nke ein. Dabei bedient er sich gelegentlich des 'Stilmittels', wichtigen handelnden Personen Reden in den Mund zu legen, um deren Absichten dem Leser verstĂ€ndlicher zu machen. Ähnlich ging 400 Jahre spĂ€ter auch der römische Historiker Titus Livius vor. Freilich, diese EinschĂŒbe sind oft allzu blumig formuliert und entsprechend zĂ€h zu lesen. Ich habe dergleichen deshalb meist nur ĂŒberflogen.

Die vorliegende 867-seitige Ausgabe des Reclam Verlages ist einsprachig. Verantwortlich fĂŒr die in einem zeitgemĂ€ĂŸen Deutsch gehaltene Übersetzung waren Helmuth Vretska und Werner Rinner.
Das Buch enthĂ€lt zwar ein Register, allerdings keine erklĂ€renden Endnoten/Anmerkungen (wie man sie bei Reclams Übersetzungen ansonsten meist findet). NĂŒtzlich erscheinen mir die in den Anhang gepackten Landkarten; sie geben einen recht guten Überblick hinsichtlich der verschiedenen KriegsschauplĂ€tze. Der Kaufpreis betrĂ€gt 18 Euro.

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