Mittwoch, 3. Oktober 2018

Krimskrams: Unschöne Wikipedia-Methoden -- Copyright-Klimbim -- Mondpreis -- Welterbe-Wahn -- usw.

Unschöne Wikipedia-Methoden

Dass Wikipedia keine zitierfähige Quelle ist und deshalb nur mäßig zu einer fundierten Meinungsbildung taugt, sollte mittlerweile auch außerhalb des Universitätsbetriebs bekannt sein. Auf Heise.de bzw. Telepolis wurde dazu nun ein nicht uninteressanter Artikel veröffentlicht, in dem der Autor anhand eines konkreten Beispiels aufzuzeigen versucht, was bei Wikipedia gravierend falsch läuft. Der Titel lautet: "Wikipedia an der Propagandafront gegen Historiker"

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Copyright-Klimbim

Vor ein paar Wochen erhielt ich eine E-Mail, in der mich eine Leserin darauf aufmerksam gemacht hat, dass jemand "dreist" Texte von mir kopiert und weiterverwendet hat. 
Ich habe mir das angesehen und festgestellt, dass tatsächlich ein paar Sachen zusammenkopiert worden sind, allerdings mit (winziger) Quellenangabe ganz am Ende des Textes. Von daher ist das kein Problem. Und selbst wenn die Quellenangabe gefehlt hätte, wäre mir das relativ egal gewesen. Ich bin nicht so etepetete, wenns um das Verwenden meiner Bloginhalte geht (solange mir nicht tatsachenwidrige oder sinnentstellende Sachen untergeschoben werden).

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Ein neues Header-Bild für die Interview-Rubrik

Die Interview-Rubrik war mir schon lange zu kahl - und so kam ich ausgerechnet beim Sortieren meines Lego-Sortiments am vergangenen Wochenende auf die Idee, dagegen etwas zu unternehmen. Hier ist das Ergebnis des spontanen Einfalls 😊

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Alternative zum Buch-Mondpreis

Die in der PDF-Rubrik des Blogs gelistete Publikation "Leather and Leatherworking in Anglo-Scandinavian and Medieval York" ist eine hervorragende Recherchequelle für (Früh-)Mittelalter- bzw. Wikinger-Darsteller. Gerne würde ich deshalb davon die gebundene Variante besitzen. Allerdings sind die mittlerweile dafür verlangten Preise haarsträubend: Klick mich

Mich bringt dieses Beispiel immerhin dazu, endlich ernsthaft die Anschaffung eines handlichen Spiral-Bindegeräts ins Auge zu fassen. Damit könnte ich mir nämlich aus besonders nützlichen PDFs kinderleicht meine eigenen Bücher machen.

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Welterbe-Wahn

Dass ich von den Welterbe-Titeln, welche die unstrittig umstrittene UNESCO unter hohem bürokratischem Aufwand vergibt, nicht viel halte, habe ich hier ja schon ein paarmal erläutert. Ein zivilisierter Staat benötigt meiner Ansicht nach keinen übergeordneten Bürokratie-Apparat, um beispielsweise seinen Denkmalschutz auf die Reihe zu bekommen. Und bei weniger zivilisierten Staaten kann ein Welterbe-Titel nicht verhindern, dass Kulturgüter trotzdem zerstört werden; dafür gibt es gerade in der jüngeren Vergangenheit genügend unschöne Beispiele.

Zu welchem Wahnwitz der Welterbe-Zirkus immer mehr anschwillt, zeigt ein aktuelles Beispiel. In der Kronenzeitung vom 25. September hieß es, im sogenannten "Gesäuse" in der Steiermark hätten Forscher den dunkelsten Nachthimmel Österreichs gemessen - was bedeutet, dass dort besonders viele Sterne schon mit freiem Auge gesehen werden können. Deshalb gäbe es nun von den Betreibern des Gesäuse-Nationalparks Pläne zur "Unterschutzstellung" des lokalen Nachthimmels durch die UNESCO! 🤣

Von "Lichtverschmutzung" ist dann noch die Rede. So als ob Licht Dreck wäre. Was für eine dümmliche Rabulistik, die sich ursprünglich Astronomen aus reinem Eigeninteresse ausgedacht haben.
Im Übrigen, wie stellen diese Witzbolde sich das mit dem Unterschutzstellen eigentlich konkret vor? Soll man der UNESCO zuliebe vielleicht ein Bauverbot in allen Gemeinden, die sich um den Nationalpark gruppieren, verhängen? Oder will man eine abendliche Verdunkelungspflicht wie im 2. Weltkrieg einführen?
Wen die künstliche Beleuchtung wirklich stört, und da wäre die Beeinträchtigung der Tierwelt ein wesentlich besseres Argument als der Sternenhimmel, der sollte nach meiner bescheidenen Meinung weniger nach einem Welterbe-Titel rufen, sondern vielmehr dafür eintreten, dass sich die Menschheit nicht ungebremst wie die Hasen vermehrt. Nur so lässt sich das 'Problem' realistisch eindämmen, denn Gebäude- und Straßenbeleuchtungen bringen in der Nacht neben Komfort vor allem Sicherheit.
Viel wichtiger für den konkreten Fall ist aber: Im eigentlichen Nationalpark darf sowieso nicht ohne Weiteres gebaut werden. Und in der direkten Umgebung wird das kaum jemand im größeren Maßstab wollen; schließlich ist das Gesäuse eine Gebirgsregion, in der sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Wo soll demnach die 'Gefahr' durch allzu umfangreiche Nachtbeleuchtung überhaupt herkommen?

Worum geht es hier also? Jedenfalls nicht primär um den 'Schutz' des Nachthimmels. Vielmehr will man sich wohl ein UNESCO-Siegel holen, um damit touristisch werben zu können. Es geht - um den Sachverhalt noch weiter runterzubrechen - demnach wieder einmal um nichts anderes als Geld. Und dieses Motiv zieht sich - allen anderen vorgeschobenen Beweggründen zum Trotz - quer durch den gesamten UNESCO-Welterbe-Zirkus.



13 Kommentare:

  1. Und ich habe mir voreilig gedacht, den Welterbestatus fürs Baguette kann man bestimmt nicht toppen :-)

    Grüßle,
    Maria

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  2. Das Bild gefällt mir!

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  3. Wikipedia war eine gute Idee, aber weil man es möglich gemacht hat, dass sich Nutzer oder Nutzergruppen (Seilschaften) ganze Artikel aneignen und Edits systematisch unterbinden, ist das Projekt als seriöse Informationsressource gescheitert. Wikipedia wird in Teilbereichen außerdem immer mehr zu einem Online-Pranger und einer Dreckschleuder, wie der Artikel von Telepolis zeigt. Schade.

    C3PO

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  4. Der in diesem Jahr geänderte Artikel (https://de.wikipedia.org/wiki/Offenes_Loch_(Beuron))enthält aber immer noch Unsinn, denn das "Offene Loch" bei Beuron ist keine Burgstelle, sondern eine Höhle. Die Mauerreste befinden sich auf dem namenlosen Felsen über der Höhle.
    Leser

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    1. Obiger Kommentar bezog sich auf eine längst fällige Änderung in einem Artikel über ein nicht existierendes Objekt - die Burg Katharinafels bei Beuron - die ich seit vielen Jahren auf der Diskussionsseite vergeblich angemahnt hatte. Erst auf einen Kommentar auf Archivalia (https://archivalia.hypotheses.org/70959) hat man bei Wikipedia in diesem Jahr reagiert; der geänderte Eintrag stimmt aber immer noch nicht.
      Leser

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  5. https://www.youtube.com/watch?v=sLL3nrl1KT4

    Im Zusammenhang mit dem auf heise.de geschilderten Fall ein sehr interessantes Video über einen kürzlich enttarnten Wikipedia Aktivisten. Die Videoreihe hat inzwischen auch schon mehrere Fortsetzungen. Gruß, Boutros

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    1. Warum gibt sich der Aktivist der Linkspartei als zum jüdischen Glauben Konvertierter den Namen des christlichen Künstlers Matthias Grünewald?
      Leser

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  6. Gibt der Legoritter deinen Haarschintt korrekt wieder, Hiltibold ;-)

    Guinevere

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  7. Die englischsprachige Wikipedia ist nach meiner Erfahrung einen Tick besser als die deutschsprachige, krankt aber ansonsten an den gleichen strukturellen Problemen.
    Grundsätzlich kann man Wikipedia deshalb nur für Kleinkram wie Einträge über "Pizza in den USA" benutzten.

    Wo ich dem Telepolis-Autor nicht zustimme ist, dass Wikipedia das einzige Lexikon darstellt. Denn es gibt noch unzählige Fachlexika, die die Wikipedia nie wird ersetzen können. Deshalb ist Wikipedia zwar für die breite Masse das einzige real existierende Lexikon, aber Gott sei Dank nicht für die Menschen, die in Wissenschaft und Forschung tätig sind. Problematisch dabei ist die Preisgestaltung der Fachverlage, die viele Studenten dazu treibt, Wikipedia zu benutzen.

    MfG,
    David Storck

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    1. Viele Verlage sind leider auch nicht bereit, ihre Fachlexika in digitaler Form zu veröffentlichen, oder sie gar online zu stellen. Es gibt Ausnahmen, wie z.B. die Encyclopedia Britannica oder das LMA (Lexikon des Mittelalters), auf die man mitterlweile über viele Universitäten kostenlos Zugriff hat. Sehr löblich ist auch der Ansatz der Stanford Encyclopedia, die bemüht ist, ihr Angebot kostenlos und für jedermann zugänlich zu halten. Ansonsten bleibt jedoch leider viel Fachwissen im Elfenbeinturm eingepfercht, was ein Unding ist. Schließlich werden die meisten Professuren und Dozentenstellen durch Steuermittel finanziert. In meinen Augen sind hier viele Fachverlage eher zum Bremsklotz des wissenschaftlichen Diskurses geworden. Mann muss ja nicht gleich jede Quartalsschrift oder jeden Sammelband online stellen. Aber das Grundlagenwissen eines Faches sollte schon jedermann online zugänglich sein, finde ich.

      Grüße
      Ulrich

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    2. Gebe dir recht. Die Fachverlage sind mit ihrer Preispolitik außerordentliche Bremsklötze und eigentlich schon fast ein Schandfleck für eine moderne Wissensgesellschaft. Ein wenig erinnern die Zustände ans Mittelalter, als der Klerus zum Teil eifersüchtig über sein theologisches Wissensmonopol wachte. Ging es damals aber um Religion, so geht es heute um den Profit. Und eigentlich ist das ein noch unsympathischeres Motiv, als religiöse Rechthaberei.

      MfG,
      David Storck

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  8. https://www.youtube.com/watch?v=Cnds0uEB-Os

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