Samstag, 13. Oktober 2018

🎧 Hörbares: Pergamente mit geheimen Botschaften -- Mittelalterliche Rundlingsdörfer -- Gelöschte AntiquitĂ€tenauktionen -- usw.



 Pergamente mit geheimen Botschaften | Spieldauer 10 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Hart und glĂ€nzend: Kunst- und Handwerkstechniken der Bronzezeit | Spieldauer 6 Minuten | RBB/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Rundlingsdörfer im Wendland - Kreisrunder Gruß aus dem Mittelalter | Spieldauer 12 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Gelöschte AntiquitĂ€tenauktionen - Umgingen bayerische Behörden das Kulturgutschutzgesetz? | Spieldauer 4 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download
In dieser Sendung regt man sich darĂŒber auf, dass KulturgĂŒter von der bayerischen Finanzverwaltung bei Auktionen verkauft wurden - evtl. zwecks Begleichung einer lĂ€nger zurĂŒckliegenden Steuerschuld. Die Sendungsmacher behaupten, wenn fĂŒr Objekte aus dieser Auktion keine Ausfuhr-Zertifikate vom mutmaßlichen Herkunftsland vorgelegt werden können, was wohl z.T. der Fall ist, dann seien diese illegal. Das jedoch ist eine undifferenzierte Darstellung und daher als Blödsinn zu bezeichnen. Schließlich kann der Krempel auch schon vor Jahrhunderten ausgefĂŒhrt worden sein, als es noch gar keine solchen Zertifikate gab. Trotzdem wird es hier so dargestellt, als ob alles, was kein modernes Ausfuhr-Zertifikat besitzt, aus einer zeitlich noch nicht weit zurĂŒckliegenden "Raubgrabung" stammen dĂŒrfte.
Die ganze Argumentationskette in dieser Sendung ist meiner Meinung nach an den Haaren herbeigezogen und gezielt auf Skandal gebĂŒrstet. Hat hier womöglich ein Fundamentalgegner des Antikenhandels seine Verbindungen zum Deutschlandfunk genutzt, um Krawall zu veranstalten?

 HomosexualitĂ€t im antiken Rom: Opern-Weltpremiere "Hadrian" | Spieldauer 4 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Ich lese gerade einen Römer-Roman; auch darin kommt ein (fiktiver) Homosexueller Mann vor. Dergleichen scheint mittlerweile ein 'römische Toleranz' signalisierendes VersatzstĂŒck zu sein, welches in diesem Genre nicht fehlen darf. Was dabei aber dem Leser so gut wie nie vermittelt wird: HomosexualitĂ€t wurde im antiken Rom nicht unbedingt gesellschaftlich toleriert. Vielmehr gab es starke EinschrĂ€nkungen - etwa dass sich beim Geschlechtsverkehr der passive Part unter bestimmten UmstĂ€nden strafbar machte. FĂŒr einen freien mĂ€nnlichen BĂŒrger galt es nĂ€mlich als unehrenhaft, sich bei sexuellen Handlungen quasi in die Gewalt eines anderen Menschen zu begeben. HomosexualitĂ€t dĂŒrfte sich deshalb vor allem zwischen Herren und Sklaven (oder anderen abhĂ€ngigen Personen) abgespielt haben. Rom war bei nĂ€herer Betrachtung eben kein Toleranz-Paradies.
Auch auf die Gefahr hin, dass mir dumme oder boshafte Menschen folgendes falsch auslegen, aber der 'herzensgute Jude' ist auch so ein typisches Element in modernen historischen Romanen. Allerdings weniger im Römer-, sondern mehr im Mittelalterroman. Ich will die Motivation fĂŒr diese auffĂ€llig einseitige Darstellung nicht vorschnell als puren Philosemitismus interpretieren, den im Übrigen auch viele Juden zum FremdschĂ€men finden. Vielmehr habe ich den Verdacht, dass hier die Autoren vor allem 'virtue signalling' betreiben, indem sie dem klischeehaften Bild vom Juden als raffgierigen GeschĂ€ftemacher gezielt ein Kontrastprogramm gegenĂŒberstellen. Womit sie freilich nur das alte Klischee durch ein neu kreiertes ersetzen.
Noch so ein Klischee, diesmal wieder eines, das in Romanen vorkommt, deren Handlung in der Antike angesiedelt ist: Der griechische Lehrer in römischen Diensten. Dieses Bild ist höchstens fĂŒr die Zeit der mittleren und spĂ€ten Republik halbwegs zutreffend, als man gerade den Kontakt mit der griechischen Kultur zu intensivieren begann (vor allem im Zuge von Kriegen und anschließender Versklavung der Unterlegenen). Jedoch in der Kaiserzeit waren die Römer lĂ€ngst in der Lage, ihre Lehrer auch in Italien und dem restlichen lateinischsprachigen Teil des Reichs in großer Anzahl zu rekrutieren. Ein Quasi-Monopol im PĂ€dagogikbereich hatten die Griechen hier sicher nicht mehr. 

 Wie Krankheitserreger ĂŒberleben - Ein Leben mit der Pest | Spieldauer 6 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 06. 10. 1903: Deutscher Philologenverband gegrĂŒndet | Spieldauer 14 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

 Simon Stone inszeniert griechische Tragödien - Geschlechterfragen am Berliner Ensemble | Spieldauer 5 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Wenn ich so konservativ wĂ€re, wie mir mal jemand unterstellt hat, dann mĂŒssten mich die in der Sendung beschriebenen Neuinterpretationen antiker griechischer Dramen total aufregen. Tun sie aber nicht. Ich finde nĂ€mlich schon die Originale unertrĂ€glich 😊. Von mir aus darf deshalb jeder in die Werke von Euripides und Co so viel Zeitgeist-Kram packen, wie er will. Und ĂŒberhaupt: Außer ein paar Gleichgesinnten, die so krasses Zeug rauchen wie die verantwortlichen Theater-Hanseln, tut sich so etwas ohnehin kaum jemand an. Das ist ungefĂ€hr so wie mit SchĂŒttbildern und Ă€hnlichen Schmierereien. Aber mir fĂ€llt gerade auf, dass ich schon wieder viel zu konservativ schreibe ... 
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10 Kommentare:

  1. Dieser Beitrag ĂŒber die KulturgĂŒterauktion in Bayern ist wirklich eigenartig. Es wird darin von dem interviewten Herren die Rechtslage scheinbar bewusst missinterpretiert. FĂŒr einen Provenienznachweis braucht man schließlich nicht zwingend moderne Ausfuhrzertifikate.

    Der Liste mit Klischees im Mittelalterroman möchte ich noch ein wichtiges hinzufĂŒgen: Die finstere, böse Kirche.

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    1. "Die finstere, böse Kirche."

      Das stimmt allerdings. Wahrscheinlich handelt es sich dabei sogar um das grĂ¶ĂŸte und abgenudeltste Roman-Klischee ĂŒberhaupt.

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  2. Die BĂŒcher der deutschen Autorin Rebecca GablĂ© sind dafĂŒr ein Paradebeispiel. Vielleicht kennst du das einen oder anderen davon?
    LG
    Martina

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    1. Oh ja, kenne ich.
      Ich besitze mehrere Romane von ihr, die mittlerweile allerdings nicht mehr so ganz meinem Geschmack entsprechen, nachdem ich begonnen habe Cornwell zu lesen (der freilich auch nicht klischeefrei ist).

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    2. Ach, die Gable, ganz furchtbar mit ihrem spitzfindigen Schreibstil! Sie hat halt aber trotzdem ihre Fans :-)

      GrĂŒĂŸle,
      Maria

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    3. Die mehrteilige Waringham-Saga und den 1066-Roman von ihr habe ich vom Unterhaltungswert her nicht so schlecht gefunden,
      Ist einfach Geschmackssache!
      :-)

      Guinevere

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  3. Also dieser Kommentar zur Auktion ist wirklich das Allerletzte. Ich werde das Lesen dieses Blogs möglicherweise einstellen. Die Sammlerlobby vernichtet in Massen Geschichtsquellen und entzieht sie der Öffentlichkeit, da brauch ich nicht auch hier noch Propaganda fĂŒr diese Kulturgutfrevel.

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    1. Der Propaganda-Vorwurf ist Unsinn. Ich habe meine Kritik an der inkriminierten Radiosendung vielmehr gut begrĂŒndet. Auch stehe ich in keinem NaheverhĂ€ltnis zu irgend einer "Sammlerlobby". Anderslautende Andeutungen verbitte ich mir ausdrĂŒcklich. FĂŒr mich zĂ€hlt nicht primĂ€r der Fund, sondern der Befund.

      Die Magazine der Museen quellen ĂŒber. Nur noch ein winziger Bruchteil kann der Öffentlichkeit aufgrund viel zu kleiner AusstellungsflĂ€chen zugĂ€nglich gemacht werden. Eine Fachfrau sprach in diesem Zusammenhang im Radio von weniger als 10%. Und zu besagten Magazinen bekommen selbst Fachwissenschaftler oft genug keinen Zugang oder erst nach absurd langen Wartezeiten - wie mir bereits mehrere Leser aus eigener Erfahrung berichteten. Viele KulturgĂŒter vergammelt regelrecht in den Museumsmagazinen. Daher sollte unter bestimmten UmstĂ€nden lieber ein Privater der Besitzer sein, der das jeweilige Objekt zu schĂ€tzen weiß und es gebĂŒhrend wĂŒrdigt. Gegen einen legalen Handel ist daher nichts einzuwenden.

      Ich empfehle hinsichtlich dieses Themas nach der kritischen Analyse des österreichischen ArchĂ€ologen Raimund Karl zu googeln, der seinen Kollegen aus den oben genannten GrĂŒnden zu einem "Entsammeln" rĂ€t. Womit er auch einen Verkauf an Private nicht explizit ausschließt.

      "Ich werde das Lesen dieses Blogs möglicherweise einstellen."
      Ich bin bereit, dieses Szenario gegebenenfalls mit Gleichmut hinzunehmen.

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    2. @kg Das Gutheißen der Umtriebe moralisch fragwĂŒrdiger Sammler konnte ich aus dem Kommentar nicht herauslesen.
      Nach meiner Auffassung hat der Autor die Argumentation der Journalisten kritisiert, und zwar in zutreffender Weise, denn fĂŒr einen Herkunftsnachweis ist nicht zwingend ein Ausfuhrnachweis erforderlich. Das wĂŒrde nĂ€mlich voraussetzen, dass sĂ€mtliche beweglichen KulturgĂŒter in Deutschland aus dem Ausland stammen und erst in jĂŒngerer Zeit eingefĂŒhrt wurden.

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    3. Herr Graf, Ihre Kritik ist ĂŒberzogen und der öffentlich angedrohte Liebesentzug wirkt pubertĂ€r und ist Ihrer nicht wĂŒrdig.

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