Sonntag, 10. Februar 2019

LIDAR-Archäologie: Meine jüngsten Entdeckungen in der Steiermark

Gepriesen seien die LIDAR- bzw. Laserscan-Aufnahmen, die das Land Steiermark dem Steuerzahler auf gis.stmk.gv.at/wgportal/atlasmobile zur Verfügung stellt. Sie ermöglichen es Geschichtsinteressierten - egal ob Profi oder Laie - auf einfache Weise nach interessanten archäologischen Strukturen Ausschau zu halten. Ein netter Zeitvertreib für zwischendurch!
Ähnliche Dienste werden übrigens auch in den anderen österreichischen Bundesländern angeboten. Wie die Situation in Deutschland und der Schweiz ist, weiß ich allerdings nicht.

Ebenfalls entzieht sich meiner Kenntnis, ob einige der folgenden Strukturen den zuständigen Behörden schon bekannt sind. Ich habe diesbezüglich nicht nachgeforscht und erst recht nicht nachgefragt, da man - meiner bisherigen Erfahrung nach - vom Bundesdenkmalamt entweder keine Antwort erhält oder erst nach Monaten. Und Langmut war noch nie meine Stärke.


➽ 1. Ein im Wald, auf einer Anhöhe liegender (vorgeschichtlicher?) Kreisgraben mit einem Durchmesser von rund 55 m. Der Ort trägt - wohl nicht zufällig - den Namen "Haidenberg" (ca 22 km südöstlich von Graz). In der Nähe befindet sich mehrere (vermutlich überwiegend schon lange ausgeräumte) Hügelgräberfelder. Eines davon ist rechts unten zu erkennen.




➽ 2. Ein im Wald bei Schwabau (ca 35 km südöstlich von Graz) auf einer Anhöhe liegender kreisförmiger/ovaler Graben mit einem Durchmesser von rund 22 m. Der nördliche Teil ist mit dem Hang abgerutscht. Möglicherweise handelt es sich - darauf deutet meiner Meinung nach die Lage hin - um das Überbleibsel einer Wehranlage.
Eventuell ist das große Rechteck in der rechten oberen Ecke des Bildes ebenfalls künstlich und der Rest einer noch größeren Befestigung?




3. Noch ein ovaler Graben, diesmal auf dem bewaldeten Höhenrücken des Gleichenberger Kogels ca 40 km südöstlich von Graz. Mehr noch als beim zweiten Beispiel vermute ich, dass es sich hier aufgrund der Lage um die Überreste einer Befestigungsanage handelt. Der Durchmesser der Struktur beträgt an der Hauptachse ca 65 m.




4. Auf einem bewaldeten Hang bei Gutenacker (Gemeinde St. Marein im Sulmtal, ca 32 km südwestlich von Graz) befinden sich diese länglichen, nach Osten blickenden Strukturen. Die mittlere, besonders gut erkennbare, hat eine Länge von knapp 60 m. 
Sind das womöglich Überreste von einem (antiken?) Weinberg? In der Umgebung befinden sich mehrere Bündel tiefer Hohlwege und Hügelgräberfelder (der Süden von Graz ist damit regelrecht übersät).




5. Direkt östlich neben den Strukturen von Beispiel 4 verläuft in einer bewaldeten Ebene eine scharf abknickende, komplett überwucherte ehemalige Straße. In der Nähe befinden sich zwei Ansammlungen von Hügelgräbern; ein einzelnes Hügelgrab liegt direkt an der Straße. Ich vermute, dass dieser Straßendamm römisch ist. Links unten sind moderne Äcker zu erkennen - der Verlauf der einstigen Straße zeichnet sich auch unter ihnen noch deutlich ab.




Für das Entdecken der obigen Strukturen habe ich insgesamt  nur ca. 30 Minuten benötigt. Am ehesten kann man auf bewaldeten Hügeln fündig werden, die in der Nähe von nicht allzu engen, fruchtbaren Tälern liegen. Dort wird nämlich schon seit Jahrtausenden Landwirtschaft betrieben. Während viele historische Hinterlassenschaften in den Tälern jedoch meist längst zerstört wurden - z.B durch beständiges Pflügen und sonstige Siedlungstätigkeiten - blieben die Hügel verhältnismäßig unberührt.

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Kommentare:

  1. Ich bin zwar kein Experte, aber der erste Ring, der auf freiem Feld liegt, sieht meiner Meinung nach vorgeschichtlich bzw. sehr alt aus.

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  2. Absolut faszinierend, was sich so alles unter unseren Wäldern verbirgt!

    LG,
    Erwin

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