Donnerstag, 30. Mai 2019

đź“– Buch: Wolfskrieg - von Bernard Cornwell



Noch unterhaltsam, aber nicht mehr originell

Der angelsächsische Krieger Uhtred, mittlerweile auch schon ĂĽber 60 Jahre alt, hat eigentlich alles erreicht, wonach er sich viele Jahre lang gesehnt hatte. Er könnte es sich nun auf seinem Familiensitz gut gehen lassen, fett werden und sich mit seinen Mägden vergnĂĽgen. Doch stattdessen zieht es ihn immer noch in die Schlacht. Oder wie er selber es wohl formulieren wĂĽrde: Das unausweichliche Schicksal ist es, das ihn nicht zur Ruhe kommen lässt. 
Diesmal zwingt ihn ein alter Schwur dazu, mit einer Schar Krieger seiner Haustruppen in das mittelenglische Königreich Mercien aufzubrechen, um dort einer belagerten Festung zu Hilfe zu kommen. Ein Vorhaben, das sich bald als schwerer Fehler herausstellt und einem von Uhtred geliebten Menschen das Leben kostet.

Bernard Cornwell rauscht auch im elften Roman der Uhtred-Reihe mit einigem Tempo durch die Handlung. Selbst das Eliminieren eines etablierten Charakters erledigt er wie gewohnt zügig und lässt Uhtred keine Zeit, um langwierig zu trauern. Wofür ich dankbar bin, denn ich möchte von so einem Roman vor allem unterhalten, aber nicht durch Gefühlsduseleien emotional nach unten gezogen werden.
Die Handlung ist insgesamt wieder durchaus abwechslungsreich, aber kaum etwas davon hat bei mir den Eindruck hinterlassen, es nicht schon in ähnlicher Form in den Vorgänger-Romanen mehrmals gelesen zu haben. Das erste Mal habe ich deshalb einen Uhtred-Roman nicht 'verschlungen', sondern ihn nach gut der Hälfte für ein paar Tage zur Seite gelegt, bevor ich weiterlas.

Meiner Ansicht nach war es ein Fehler, dass der Autor Uhtreds junge Jahre vergleichsweise schnell abgehandelt hat. Den noch etwas naiven, prahlerische Uhtred und seinen gewitzten 'Gegenspieler' König Alfred fand ich um einiges unterhaltsamer als den älteren, abgeklärten Uhtred. Auch erscheint mir die historische Rahmenhandlung in Uhtreds Jugend, als gerade die Wikinger mit geballter Heeresmacht in England einfielen und die althergebrachte Ordnung zusammenbrach, aufregender als den Status quo der späteren Jahre.
Wäre ich Cornwell, würde ich mit dem nächsten Uhtred-Romanen in der Zeit zurückgehen - so wie er das bei seiner Sharpe-Reihe bereits mit Erfolg vorgemacht hat. Doch laut einem Interview von vor ein paar Jahren möchte er das nicht, da es zu kompliziert sei. Das finde ich schade.

Neben den im Rowohlt Verlag erschienen Taschenbüchern gibt es den Roman auch wieder als (8-stündiges) Hörbuch vom Audiobuch Verlag. Der langjährige Sprecher Gerd Andresen verfügt ohne jeden Zweifel über eine der besten Stimmen, die man im Hörbuchbereich finden kann. Besonders die Rolle des Kriegers Uhtred ist ihm geradezu auf den Leib geschneidert. Andresen zuzuhören bereitet mir immer großes Vergnügen, selbst wenn der aktuelle Roman inhaltlich nicht mehr so zu begeistern vermag wie die frühen Teile der Reihe.

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Kommentare:

  1. Ich kenne nur die ersten drei Romane, aber es wundert mich nicht, dass sich nach 11 Teilen ErmĂĽdungserscheinungen einstellen.

    Der Wanderschmied

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    1. Cornwell hat meiner Meinung nach den richtigen Zeitpunkt für das Ende der Reihe verpasst. Nach dem noch sehr guten fünften Teil hätte er den Abschlussroman vorlegen sollen, in dem Uhtred seinen Familiensitz zurückerobert. Stattdessen hat er dieses wichtige Ereignis hinausgezögert, um die Leser weiter bei der Stange zu halten.

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    2. Das dürfte so sein, und es währe auch nicht die erste Romanreihe (oder Fernsehserie) die man der Profitmaximierung wegen totgeritten hat.

      Der Wanderschmied

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    3. Hat Bernard Cornwell noch immer nicht genug verdient? Oder drängen ihn einige Fans der Uhtred-Bücher zum Weiterzumachen? Fans können ja manchmal ganz schön fordernd sein.

      Ob ich mir den aktuellen Roman kaufe, muss ich mir noch ĂĽberlegen. Zurzeit lese ich "Der blutige Thron: Anno 486" von Peter Bunt. Ein sehr gutes Buch, das auch schon eine Fortsetzung hat und ein dritter Teil ist in Planung. Das mal so als kleiner Lesetipp ;-)

      W.T.C.

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    4. Scheint genau die richtige Sommerliteratur zum Entspannen zu sein, danke fĂĽr den Tipp!

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