Mittwoch, 2. Oktober 2019

📖 Buch: Kaiser Traian - Eine Epoche der Weltgeschichte

Detaillierte Biographie fĂŒr Leser mit Muße 

Zu Zeiten des Kaisers Traian erreichte Rom im frĂŒhen 2. Jahrhundert nach Christus seine grĂ¶ĂŸte Ausdehnung. Weder zuvor noch danach war das Imperium so einflussreich wie unter dem "Optimus Princeps" - dem angeblich "besten Herrscher" - der viele Jahre im Feld verbrachte und in krĂ€ftezehrenden KriegszĂŒgen dem römischen Machtanspruch bis weit nach Mesopotamien hinein Geltung verschaffte. Seinen großen Leistungen entsprechend, die nicht ausschließlich militĂ€rischer Natur waren, wird Traian heute zu den sogenannten "guten Kaisern" gezĂ€hlt. Zurecht?

In seiner Biographie "Kaiser Traian - Eine Epoche der Weltgeschichte" beschreibt der Althistoriker Karl Strobel Leben und Zeit des Kaisers. Hinsichtlich der politischen VorgĂ€nge geht er dabei sehr ins Detail - etwa wenn es um die Machtergreifung Traians geht, die eher ein verkappter Putsch war, den spĂ€ter dem Kaiser nahestehende Persönlichkeiten - wie etwa Plinius der JĂŒngere - fĂŒr die Nachwelt heftig schönfĂ€rbten.
Strobel ist beim Entwirren von Fakten und Fiktionen recht quellenkritisch und versucht aus der ĂŒberlieferten Geschichte die Wahrheit herauszufiltern. Die von ihm dargelegten Ergebnisse wirken meist plausibel, z.T. bleibt ihm aufgrund der Quellenlage aber auch nur 'Kaffeesatzleserei' ĂŒbrig (ein GrundĂŒbel der Geschichtsforschung). 

Der erweiterte Titel des Buchs lautet "Eine Epoche der Weltgeschichte". Offenbar versteht der Autor darunter nicht nur die Zeit von Traians Herrschaft, sondern auch die Jahrzehnte davor und danach. Besonders umfangreich sind dann auch die Einlassungen zu Domitian, Traians VorvorgĂ€nger auf dem Kaiserthron, dessen 'schlechte Presse' von Karl Strobel spĂŒrbar relativiert wird. Und obschon der Inhalt interessant ist, so hatte ich doch den Eindruck, dass sich der Autor hier ein wenig verzettelt. Denn das Problem ist folgendes: Zwar hĂ€tten theoretisch jene, die primĂ€r an biographischen Informationen zu Traian interessiert sind, die Möglichkeit, die entsprechenden Kapitel zu ĂŒberspringen; doch in der Praxis enthĂ€lt auch der Text ĂŒber Domitian mancherlei Informationssplitter ĂŒber Traians frĂŒhe Jahre.

Der Schreibstil an sich geht im Großen und Ganzen in Ordnung. Leider sind mir aber mehrere Tippfehler untergekommen, z.B. "Einmeldungen" statt "Eilmeldungen". Überaus vorbildlich sind hingegen die ausfĂŒhrlichen Anmerkungen bzw. Kapitelendnoten mit Quellenangaben und vertiefenden Informationen.

Fazit: Insgesamt eine sehr umfangreiche bzw. detaillierte Biographie, zu deren StĂ€rken u.a. das Aufdröseln der politischen VorgĂ€nge und Intrigen der MĂ€chtigen zĂ€hlt. Aber auch die FeldzĂŒge - die Traians Herrschaft ja maßgeblich prĂ€gten - werden ziemlich ausfĂŒhrlich behandelt.
Das Buch ist eher Lesern mit ausreichend Muße zu empfehlen, weniger solchen, die es gerne kompakt oder gar spannend haben. Wer auf Letzteres steht, muss in der Regel ohnehin zu Biographien englischsprachiger Autoren greifen (Bsp. 1, Bsp. 2). Karl Strobel bietet hingegen ausschließlich trockene Informationen. Was aber nicht per se schlecht, sondern Geschmackssache ist.

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1 Kommentar:

  1. Ich besitze die erste Auflage. Sehr detailversessen, wie du schreibst, aber deshalb auch sehr informativ.

    LG,
    Erwin

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