Samstag, 21. März 2020

Krimskrams: Römische Bronzestatuen am Limes -- Erboster Campus-Galli-Jünger mit Lagerkoller? -- Campus Galli möchte Darlehn nicht zurückzahlen

PDF: Römische Bronzestatuen am Limes

Ein Leser hat mich auf einen recht umfangreichen und reichhaltig illustrierten Text aufmerksam gemacht, in dem es um archäometrische Untersuchungen hinsichtlich der Herstellungstechnik von römischen Bronzestatuen geht, die im Bereich des Limes gefunden wurden: Klick mich

Das PDF findet sich - neben vielen ähnlichen - mittlerweile auch in der PDF-Rubrik des Blogs.

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Erboster Campus-Galli-Jünger mit Lagerkoller?

Nachdem es längere Zeit ruhig war, hat mich endlich wieder einmal ein Jünger des prekären Mittelalter-Kombinats Campus Galli beehrt. Er war auf Amazon über meine "ärgerliche Rezension der letzten Campus Galli Chronik" gestolpert und meinte, ich solle "nicht fortgesetzt so respektlos" gegenüber den Mitarbeitern des Projekts sein; "von den Finanzen abgesehen, für die sie nichts können" (?!?), würde man doch "einen hervorragenden Job machen"

Worauf ich zurückgekabelt habe, dass ich selbstverständlich auch weiterhin respektlos sein werde. Weil meinen Respekt muss man sich verdienen, den gibts nicht in der Gratispackung. Was ich beim Campus Galli seit rund acht Jahren sehe, nötigt mir bestimmt keinen Respekt ab, sondern treibt meinen Blutdruck nach oben, bestenfalls stimuliert es die Lachmuskeln.  😃

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Campus Galli möchte Darlehn nicht zurückzahlen

Ein Leser wusste in der Campus-Galli-Rubrik des Blogs folgendes zu berichten:

In der Schwäbischen Zeitung , Ausgabe Sigmaringen, ist zu lesen!

Meßkirch

Vor sieben Jahren hat der Landkreis Sigmaringen der Klosterbaustelle Campus Galli mit einem Darlehen in Höhe von 100 000 Euro finanziell Anschub geleistet und auch den Zins erlassen. Diese Zinsfreistellung ist nun ausgelaufen. Deshalb haben Meßkirchs Bürgermeister Arne Zwick und Hannes Napierala, Geschäftsführer von Campus Galli, in einem gemeinsamen Schreiben an den Kreistag darum gebeten, die Rückzahlung des Darlehens zu erlassen. Denn fest steht: Schwarze Zahlen schreibt das Projekt trotz vieler Erfolge noch nicht. Über dieses Thema hat der Verwaltungs- und Sozialausschuss in seiner Sitzung am Dienstag diskutiert.

Hintergrund der Bitte Zwicks und Napieralas ist, dass sich der Campus Galli eine Rückzahlung des Kredits schlicht nicht leisten könnte, sodass die Stadt Meßkirch komplett einspringen müsste. Auch die Zinszahlung würde den Verein „schwer belasten“, heißt es in dem Schreiben, „denn alle Mittel, die der Verein erwirtschaftet, benötigt er für den Betrieb der Baustelle“. Schon im regulären Betrieb beläuft sich das Kostendefizit von Campus Galli auf etwa 300 000 Euro, die die Stadt Meßkirch ausgleicht. Insgesamt hat die Stadt so nahezu drei Millionen Euro in das Projekt investiert. Das zahlt sich offenbar auch aus: Seit Jahren entwickeln sich die Besucherzahlen positiv. Waren es 2014 noch etwa 37 000 Besucher jährlich, wuchs die Zahl 2019 auf etwa 92 000 Menschen an. Dieser Punkt sorgte für Nachfragen aus den Reihen der Kreisräte. Herrmann Brodmann erkundigte sich, ob Campus Galli messbar einen Mehrwert für die Stadt Meßkirch darstelle. „Da würde ich uneingeschränkt Ja sagen“, so Franz-Josef Schnell, Leiter des Fachbereichs Finanzen. Er erhalte im Gespräch mit Bürgern durchweg positive Rückmeldungen und auch die Gastronomie profitiere, indem die Menschen nach dem Besuch des Museums in die Lokale strömten.

Lothar Braun-Keller fragte nach, was passiere, wenn Campus Galli Gewinn macht. „Dann ist unser Geld weg“, sagte Landrätin Stefanie Bürkle. Der Kreis habe damals die Zusage zum Darlehen gemacht, weil die optimistische Annahme herrschte, dass das Projekt schnell wirtschaftlich werde. Der Erfolg zeige sich auch an den Besucherzahlen, aber nicht finanziell. Durch steigende Personalkosten und die Besucherzahlen sei das Projekt sogar teurer geworden. „Campus Galli bleibt erst einmal defizitär“, prognostizierte Bürkle.

Schnell stimmte ihr zu und sprach sich auch deshalb dafür aus, den Kredit in einen Zuschuss umzuwandeln. „Das Projekt wird voraussichtlich nicht kostendeckend arbeiten“, sagte er. Das Coronavirus komme in dieser Saison erschwerend hinzu. Letztlich entschied sich das Gremium, Schnells Empfehlung zu folgen.

Die "Schwäbische Zeitung" ist seit Jahren die inoffizielle Propagandaposaune des de facto unter Polit-Kuratel stehenden Privatvereins Campus Galli. Dementsprechend schwer dürfte es dem Blatt gefallen sein, obige Meldung zu bringen.

Freilich, die wohl zwecks Relativierung in den Text eingepflegte Aussage von angeblichen Positiveffekten für die Gastronomie des Projektstandorts Meßkirch wurde nie wasserdicht empirisch nachgewiesen, sondern einfach von Lokalpolitikern seit Jahren in Form von anekdotenhaften Erzählungen (= 'persönliche Gespräche mit Gastronomen') behauptet. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die vom Campus Galli verursachten Kosten den Nutzen für die Wirtschaft/Allgemeinheit vor Ort bei weitem übersteigen.
Kurios ist hier auch, dass sich die Projekt-Besucher - der obigen Lesart zufolge - lieber in der Stadt Meßkirch stärken gehen, anstatt ihren Zaster beim Verköstigungsbetrieb des Campus Galli zu lassen, wo er wesentlich dringender gebraucht werden würde. Trifft dies tatsächlich so zu, dann sollte man dort das Speisenangebot wohl überdenken  - und/oder die Qualität verbessern.

Ebenfalls beachtenswert: Das erwähnte Darlehn kann nach sieben Jahren immer noch nicht zurückgezahlt werden, obschon man beim Campus Galli zeitlich parallel seit Jahren Geld in alle möglichen Aspekte des Projekts butterte. Dieses Gebaren lässt den bösen Verdacht aufkommen, dass eine Rückzahlung nie ernsthaft von den Betreibern in Betracht gezogen wurde. Vielleicht sogar mit stillschweigendem Einverständnis der tief in das Projekt verstrickten Politik?
Klar ist jedenfalls, einen kleinen Häuselbauer würde man nicht davonkommen lassen, wenn er sich quasi weigert, seinen Gläubiger zu bedienen. 

Und zu guter Letzt: Der Campus Galli wird die Saison 2020 verspätet eröffnen. Auf Facebook heißt es dazu:

Im Zuge der Schließung von Kultur- und Freizeiteinrichtungen wird unser Saisonbeginn nun definitiv verschoben.

Nach aktuellem Stand werden wir voraussichtlich am Dienstag, den 21.April die Saison eröffnen können. Da wir noch nicht wissen, mit welchen Auflagen wir dann in den Saisonbetrieb gehen werden, können wir aktuell keine Gruppenanfragen für die erste Jahreshälfte (bis inklusive Juli) annehmen.

Es tut uns wirklich sehr Leid, wir hoffen aber, dass wir im Hintergrund etwas weiterarbeiten können, sodass ein Besuch im Sommer dann umso schöner wird, weil es umso mehr Fortschritte zu bestaunen gibt.

Das wird dem ohnehin defizitären Projekt zusätzlich ein gewaltiges Loch in den Geldbeutel reißen. Die Stadt Meßkirch - also der Steuerzahler - darf daher die großen Spendierhosen schon einmal bereitlegen und das Füllhorn vorwärmen.

Ich gehe übrigens davon aus, dass man die diesjährige besondere Situation seitens der Politik und der Projektbetreiber dazu nutzen wird, um vom allgemeinen wirtschaftlichen Misserfolg des Campus Galli abzulenken. Der mit viel Trara 2014 ins Boot geholte Archäozoologe Hannes Napierala hat es trotz vieler Vorschusslorbeeren und großartiger Ankündigungen als Geschäftsführer nämlich nicht zuwege gebracht, dass sich das Projekt finanziell selbst tragen kann - Nutznießer seiner kostspieligen Anstellung ist also vor allem er selbst.
Wer fühlt sich hier nicht an den Genossen Honecker erinnert, der die Schuld an schlechte Ernten in der DDR auch nie bei der eigenen wirtschaftlichen Inkompetenz suchte, sondern lieber das Wetter und den Klassenfeind dafür verantwortlich machte ...

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Kommentare:

  1. Das scheint ja ein noch größerer Sauhaufen zu sein als bei mir hier das Slawendorf Brandenburg. Lokaljournalisten decken beim heruntergekommenen Slawendorf die Misswirtschaft auch mehr zu als auf und stellen sich lich stattdessen an die Seite von Einfältigen, Egoisten und Ideologen, die das Dorf um jeden Preis erhalten wollen.

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  2. Wie will man den Betrieb beim Campus Galli am 21. April aufnehmen, wenn Menschenansammlungen auch im Freien auf Monate hinaus unbedingt zu vermeiden sind? Das funktioniert doch nie und nimmer. *kopfschüttel*
    Auf die Auflagen, die die Betreiber des Freilichtmuseums dann einhalten müssen, bin ich schon gespannt.

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  3. Diese Chronik ist auf Amazon auch noch von jemand anderem rezensiert worden. K.Wolf schreibt: "Alle Informationen trafen positiv zu."
    Das war es, das ist die ganze Rezension. Ein richtig beeindruckendes Feuerwerk an Eloquenz und Kompetenz.
    :-)

    RR

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    1. Höchstwahrscheinlich ist das jemand, der dem Campus Galli nahesteht. Kompetente Kommentare darf man aus dieser Ecke nicht erwarten.

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    2. Der Rezensent bemüht sich nicht einmal, wenigstens halbwegs seriös zu wirken. So etwas würde ich an der Stelle von Amazon gar nicht erst zulassen. Eine Mindestzeichenanzahl würde viele dieser Pseudorezensenten bestimmt abschrecken.
      Liebe Grüße,
      Martina

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  4. Ich vermute, dass die sich abzeichnende Wirtschaftskrise auch genutzt werden könnte, den Laden "leider, leider" ganz schnell schließen zu müssen...

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    1. Das sehe ich anders. Schuldenmachen wird in den kommenden Jahren stark in Mode kommen. Mit dem Argument, dass man Arbeitsplätze erhalten muss, wird man gerade dann auch dem Campus Knalli weiter kräftig unter die Arme greifen. Dass der nicht erst seit der Pandemie nicht funktioniert hat, sondern von Anfang an nicht, wird man schön unter den Teppich kehren.

      Mr. Frog

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