Samstag, 12. Juni 2021

🎧 Hörbares: Leiden Tiere unter dem Christentum? -- Frauen um Jesus -- Die Geschichte der Seuchen -- usw.



 Religion, Theologie und Gewalt: Leiden Tiere unter dem Christentum? | Spieldauer 7 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

Heute schlĂ€gt Simone Horstmann den Bogen von der Tierindustrie zur Theologie. Gerade hat sie einen Sammelband herausgegeben, der sich mit „Religiöser Gewalt an Tieren“ befasst. Da fallen vielen wohl als erstes religiöse Rituale ein: die antiken Tempel, an denen massenhaft Tiere geopfert wurden. Bis heute prĂ€gt die Erinnerung an den Jerusalemer Tempel Judentum, Christentum und Islam. Und in Judentum und Islam gibt es bis heute rituelle Schlachtungen, das SchĂ€chten. Doch statt auf andere Religionen zu zeigen, zielt die katholische Theologin auf ihre eigene Religion ab: das Christentum.
Der geneigte Leser kann sich gar nicht vorstellen wie mich das jetzt ĂŒberrascht hat. Eine  westliche/deutsche Geisteswissenschaftlerin, die der Selbstbespiegelung frönt und das Negative lieber bei ihresgleichen sucht, obwohl es anderenorts objektiv betrachtet noch wesentlich schlimmer zugeht? Wer hĂ€tte das jemals fĂŒr möglich gehalten?
Hier gebe es zwar keine Tötungsrituale, aber die christliche Theologie begĂŒnstige eine andere Form der Gewalt an Tieren. Horstmann nennt sie „nihilistische Gewalt“.
„Damit meine ich, dass unsere Gesellschaft insofern noch vielfach – auch da, wo sie das gar nicht will vielleicht – theologisch und religiös geprĂ€gt ist. NĂ€mlich in der Hinsicht, dass sie davon ĂŒberzeugt ist: Es ist im Grunde eine SelbstverstĂ€ndlichkeit, dass wir Tiere töten. Und da geht eigentlich auch nichts Wirkliches bei verloren.“
Das kommt dabei heraus, wenn man als typisches Produkt des modernen UniversitĂ€tssystems zu doof ist eine KausalitĂ€t von einer Korrelation sowie einer Koinzidenz zu unterscheiden. Wer hingegen die Augen aufmacht, wird weltweit kaum eine Gesellschaft finden, die das Töten von Tieren nicht als etwas selbstverstĂ€ndliches betrachtet. Von einer Art bösem christlichem Charakteristikum, wie hier insinuiert wird, kann demnach keine Rede sein. Im Gegenteil, das in der christlichen Religion verankerte Element der NĂ€chstenliebe wird dieser Tage gerade in unserer Gesellschaft durchaus verstĂ€rkt auch auf Tiere ĂŒbertragen; nicht zuletzt von der Kirche selbst. Und das ist auch gut so.

 Apostel-Geschichte(n) - Vom Beginn des Christentums | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Frauen um Jesus - Die ersten Wegbereiterinnen | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
"[...] vergessen, oder besser 'verdrĂ€ngt". Gut möglich. Oder - im Gegenteil - dieser Tage einfach hinsichtlich ihrer Bedeutung hochgejazzt? Weil man nĂ€mlich fĂŒr gegenwĂ€rtige politisch-weltanschauliche Ziele unbedingt Belege in der Vergangenheit finden möchte?
 
 Familienforschung: Auf der Spur der Ahnen | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

 Die Geschichte der Seuchen: Interview mit Prof. Heinz Schott (ehem. Direktor des medizinhistorischen Instituts in Bonn) | Spieldauer 48 Minuten | Youtube | Stream & Info

 (Off-Topic) Die Hubble-Krise. Was stimmt nicht mit der Expansion des Universums? | Spieldauer 29 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download


3 Kommentare:

  1. Hallo Hilti, solche interessanten Off-Topic-Sendungen kannst du von mir aus ruhig öfter verlinken. ;-)

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  2. Die Christen und das liebe Vieh... Außer dem "Lamm Gottes" oder "Ixthys" kenne ich jetzt keinen nĂ€heren Bezug des Christentums zum Töten und Verspeißen von Tieren (oder Menschen..? "Dein Leib..., dein Blut...".
    Die Krippentiere werden auch nicht ausdrĂŒcklich als zum Verzehr bestimmt dargestellt, sondern beschreiben in etwa gutbĂŒrgerliche WohnverhĂ€ltnisse. Von der "Vogelpredigt" ganz zu schweigen...

    Sollte es aber um "Strukturelles" gehen, dĂŒrfte das Wimmern der Frau Horstmann in Richtung Asien, fortschreitend von West- nach Ost- immer weniger deutlich zu vernehmen sein...


    "Es ist im Grunde eine SelbstverstÀndlichkeit, dass wir Tiere töten. Und da geht eigentlich auch nichts Wirkliches bei verloren."

    Das muss dieselbe SelbstverstÀndlichkeit sein, mit der "wir" seit Millionen Jahren unser Essen töten. (Verzehrte Pflanzen leben in der Regel auch nicht weiter.)

    Und um den Bogen/ Haken ins Mittelalter zu schlagen: Bevor ich ĂŒber die Auswirkungen der Magdalenenflut* 1342 gelesen hatte, wie die damalige Landwirtschaft auf die dramatische Erosion der AckerflĂ€chen reagierte und die Viehzucht verstĂ€rkte, war mir gar nicht bewusst gewesen, dass Ackerbau und Viehzucht nicht in Konkurrenz miteinander stehen: Viehzucht wurde und wird regelmĂ€ĂŸig dort betrieben, wo Ackerbau nicht oder nur unter unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸigen Schwierigkeiten möglich ist. Solange also dem Menschen kein Pansen wĂ€chst, wird er Gras in der Form von Weidetieren konsumieren (mĂŒssen).

    *Die allwissende MĂŒllhalde verrĂ€t:
    " Nach einem kalten, schneereichen Winter hatte die Schneeschmelze im Februar bereits ein erstes Hochwasser bewirkt, das in Prag unter anderem die JudithbrĂŒcke, die VorlĂ€uferin der KarlsbrĂŒcke, zerstört hatte. Nach einem feuchten FrĂŒhsommer, der fĂŒr konstant hohe PegelstĂ€nde der FlĂŒsse sorgte, ließ dann eine Hitzewelle im Juli die Böden austrocknen, so dass sie kaum Wasser aufnehmen konnten. Dann zog etwa vom 19. bis zum 22. Juli ein Regengebiet vom SĂŒdosten kommend in nordwestlicher Richtung ĂŒber Deutschland hinweg, das weiten Gebieten große Niederschlagsmengen brachte."

    Geschichte wiederholt sich nicht, sie reimt sich bloß...

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