Mal ein Off-Topic-Thema: Es war am Montag dem 28. September 2026, um ca. 00:25 Uhr. Ich war gerade aufgestanden, weil die Toilette mich gerufen hatte. Nach der raschen Erledigung des Geschäfts, wollte ich wieder ins Schlafzimmer zurückgehen, als ich plötzlich ein immer lauter werdendes Flugzeuggeräusch hörte. Mir kam der Lärm sofort komisch vor. Das war kein Flieger mit Strahltriebwerken und auch keine normale Propellermaschine. Vielmehr hörte sich das nach großen Turboprop-Triebwerken an. Daraus ergab sich mein nächster Gedanke: Militär.
Also griff ich nach meinem Tablet und ging auf die Website https://opensky-network.org. Dort schnell Graz herangezoomt und da war er auch schon zu sehen, der lärmige Flieger. Zivil zwar, aber eine ursprünglich primär fürs Militär entwickelte Antonov AN-12 mit der Registrierungsnummer UR-11316; Eigentümer ist "Motor Sich Airlines". Flugnummer: M96549. Ursprung des Fluges: Vitoria im Norden Spaniens.
Das "UR" sprang mir sofort ins Auge. Oho, dachte ich mir, das Ding ist demnach registriert im Land des Helden im olivgrünen Pyjama (neuerdings trägt er auch schickes Schwarz). (zum Vergrößern auf die Bilder klicken)
Warum fliegt so ein Radauvogel (Baujahr 1969!) mitten in der Nacht durch die Gegend? Also habe ich zum Flug weiter recherchiert. Und siehe da, folgendes Bild ergab sich daraus: Ziel der Antonov war Oradea in Rumänien. Am nächsten Tag fand ich dann noch folgendes heraus: Erst nachdem das Flugzeug merkwürdigerweise dreimal östlich des ungarischen Debrecen gekreist ist (da bekomme ich gleich Hunger auf die entsprechenden Würstel), ist es schließlich in Oradea gelandet. Um 03:08 Uhr am Morgen.
Das wunderte mich. Gibt es dort kein Gesetz, das die Anwohner des Flughafens vor einer solch massiven Lärmbelästigung zur Schlafenszeit schützt? Dieser Oldtimer ist ja wirklich absurd laut, wie ich selbst miterleben konnte (im Herstellerland Sowjetunion waren dazumal die Lärm- und Umweltauflagen vermutlich nicht sehr ambitioniert).
Nun kontaktierte ich mehrere Chatbots (mehrere deshalb, weil der gehypte Krempel zu unzuverlässig ist, um nur einen als Quelle zu nutzen). Die sagten mir (unter Angabe der Originalquellen) übereinstimmend: Doch, es gibt solche Gesetze gegen Fluglärm in Rumänien. Der Flughafen ist daher normalerweise in der Nacht geschlossen, aber gegen einen Aufpreis könne man eine Ausnahmegenehmigung erhalten. Allzu üblich sei das aber nicht. Schließlich muss extra Flughafenpersonal nur für diese eine Landung mobilisiert werden. Auch stellt sich die Frage, ob das Flugzeug genau deshalb den Flughafen nicht sofort anfliegen konnte, sondern erst lange Kreise nördlich davon zog, nachdem das Personal vor Ort vielleicht noch nicht wach/verfügbar war? Eigentlich müsste so eine Nachtlandung 24 Stunden vorher angekündigt werden, heißt es.
Als mir die Gemengelage durch den Kopf gehen ließ, musste ich grinsen: Das war doch kein normaler Frachtflug! Das Ding hat mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwelches Kriegsmaterial oder ähnlich relevante Güter (z.B. Notstromgeneratoren) für die Ukraine geliefert. Schön heimlich, still und leise (wobei "leise" im Falle dieses Flugzeugs nicht wortwörtlich genommen werden darf). Spanien, wo die Antonov gestartet ist, gehört zu den ausdauerndsten Sponsoren der Ukraine. Das würde also auch gut passen. Wie außerdem meine weitere Recherche ergab, ist die Ukraine mit dem LKW von Oradea aus in nur zweieinhalb bis drei Stunden erreichbar. Unwahrscheinlich, dass man einen solchen Nachtflug-Aufwand betreiben würde, bloß um iPhones oder Büroklammern zu transportieren.
In der Ukraine selbst kann das Flugzeug ja nicht landen, weil der Luftraum dort für Zivilflugzeuge gesperrt ist. Also operieren ukrainische Fluglinien aus den Nachbarländern heraus. So ist auch dieses spezielle Flugzeug zurzeit am Flughafen Piešťany (Slowakei) beheimatet.
Wahrscheinlich werde ich nie erfahren, was das alles genau zu bedeuten hat. Mir ist da aber noch etwas eingefallen. Nämlich, dass ich diesen speziellen Triebwerksradau nicht zum ersten Mal mitten in der Nach über dem Rand von Graz gehört habe. Das gabs in den vergangenen Monaten schon mehrfach.
Und da stellt sich eine weitere Frage: Fliegt man vielleicht auch deshalb in der Nacht, damit beim Überqueren Österreichs mit Kriegsmaterial keine unbequemen Fragen auftauchen - hinsichtlich Neutralität und so? Nicht, dass sich die österreichische Regierung darum ernsthaft scheren würde; das hat sie schon zigfach unter Beweis gestellt. Aber im Dunklen munkelt es sich halt besser.
Nachtrag 1: Es ist jetzt Dienstag, der 29. September. Vor wenigen Minuten, um ca 00:30 Uhr, ist die besagte Antonov wieder von Vitoria aus nach Oradea abgeflogen (MSI6549). Offenbar ist man sehr beschäftigt...
Nachtrag 2: Ein Leser schreibt mir, dass man bei Opensky Filter anwenden kann. Beispielsweise in der Form, dass nur militärische Flugzeuge angezeigt werden. Das habe ich gemacht - und siehe da, über Rumänien befinden sich momentan auffällig viele Militärflugzeuge aus Spanien; alles Transportmaschinen. Was in gewisser Weise zu den fleißigen Transportflügen der Antonov passt. Hier dürfte gerade eine große Menge Material aus Spanien angeliefert werden, das für die Ukraine bestimmt ist. Freilich, wenn mir das auffällt, dann auch dem russischen Militärgeheimdienst ...
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Witzig, haben wir in München auch. Einmal waren 6 Maschinen zu sehen die im Gänsemarsch über den Himmel zogen. Hier im Zentrum ist es sonst ruhig, nun aber haben wir jede menge Aktivität. Ich kann die Vögel zwar nicht sehen, aber dafür hören. Oft geht das über Stunden. Ich denke mal, Kriegsgüter etc? Langsam wird es ungemütlich.
AntwortenLöschenNachdem die Schwarzmeerhäfen der Ukraine nun mehr oder weniger blockiert sind, wird man verstärkt auf Alternativrouten setzen müssen. Und das bekommen wir zu hören.
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