Montag, 2. September 2013

Das ottonenzeitliche Banner - Teil 1

Ein ottonenzeitliches Banner - von der Größe her handelt es sich eigentlich eher um einen Wimpel - soll diesen Herbst angefertigt werden. Also zogen meine Kollegen und ich die entsprechende Literatur zurate und durchstöberten das Internet nach einschlägigen Darstellungen, die uns als Vorlage dienen könnten. Da besonders auf Siegeln des Hoch- und Spätmittelalters immer wieder Fahnen auftauchen, hofften wir hier auch etwas aus der ottonischen Epoche zu finden. Die Ausbeute fiel jedoch extrem mager bzw. unbefriedigend aus. So ist auf dem Siegel Konrads I.  (Bild links unten) kaum etwas von dem abgebildeten Banner zu erkennen. Einer Illustration aus dem 19. Jahrhundert (Bild rechts unten), die wohl genau dieses Siegel darstellen soll, schenke ich nur wenig Vertrauen, da etliche Details nicht mit dem Original übereinstimmen.

Lediglich das Siegel des 965 verstorbenen Markgrafen Gero schien letztendlich für unsere Zwecke geeignet zu sein (Bild links unten).
Doch leider, bei diesem Objekt handelt es sich um eine Fälschung aus dem 12. Jahrhundert. Hoffnung ruft hier allerdings der Umstand hervor, dass die Kleidung des Grafen der Mode seiner Zeit entspricht. Dieses Siegel könnte demnach die Kopie eines heute nicht mehr erhaltenen Originals des 10. Jhs. sein. Es wäre also denkbar, dass auch die Form der abgebildeten Fahne authentisch ist und ottonischen Gepflogenheiten entspricht. Was die relativen Abmessungen betrifft, muss man freilich aufpassen. Es scheint nämlich so, dass die Lanze aus Platzgründen verkürzt dargestellt wurde - mit dem Banner könnte es sich ähnlich verhalten.  


Eine Rekonstruktion nur auf Basis dieses Siegels anzufertigen, würde mir allerdings schwere Bauchschmerzen bereiten. Deshalb kann von Glück gesprochen werden, dass ich über folgenden Blogbeitrag von Markus gestolpert bin: Klick mich
Und damit wären wir auch schon beim oben rechts abgebildeten Mosaik angelangt, welches um 800 n. Chr. entstand. Darauf dargestellt ist Karl der Große, der kniend eine Lanze mit daran befestigtem Banner hält. Punkto Zuschnitt ähnelt dieses jenem, das auf dem Gero-Siegel zu sehen ist. Ergo: Selbst wenn man für die Siegel-Darstellung ein typisches Banner des 12. Jahrhunderts verwendet hat (jene Zeit, in der die Fälschung angefertigt wurde), so kann doch davon ausgegangen werden, dass die dreizüngige Form spätestens seit der Karolingerzeit in kontinuierlichem Gebrauch war. Ein temporärer Bruch, ausgerechnet im 10. Jahrhundert, erscheint sehr unwahrscheinlich.

Offen bleiben vorerst noch die Fragen...
  • welches Material für das Banner verwendet werden soll (wir neigen im Moment zu leichtem Leinen)
  • welche Farben am passendsten wären (Gab es Farbcodes? Welche Pigmente sind am wetter- und lichtbeständigsten?)
  • was auf der Fahne dargestellt werden soll (sehr schwierig, da wir kein reines Fantasie-Produkt anstreben; eventuell orientieren wir uns an der Fahne Karls des Großen, auf der kleine Kreuze und Kreise zu sehen sind.)
  • wie die Sache genäht - und eventuell auch bestickt - wird; schließlich sollte auf beiden Seiten des Tuchs dasselbe Motiv zu sehen sein.
Die weiteren Ergebnisse unserer Nachforschungen - vor allem aber deren praktische Umsetzung - werde ich hier in den nächsten Wochen und Monaten in zwei weiteren Beiträgen präsentieren.
Zuvor möchte ich aber noch zeigen, wie beispielsweise die Kollegen von Ottonenzeit.de ihre Banner/Wimpel gestaltet haben: Bild 1, Bild 2, Bild 3

Passend zu diesem Thema:
Das ottonenzeitliche Banner - Teil 1


2 Kommentare

  1. "Bild 1": Sehr knallige Farben und von der Symbolik allem Anschein nach am Banner Wilhelm des Eroberers angelehnt, vermute ich.
    LG,
    Erwin

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    1. Apropos Wilhelm der Eroberer - auf dem Teppich von Bayeux sind natürlich auch einige Banner in jener Form zu sehen, wie sie Karl der Große auf dem obigen Mosaik hält - wenn auch in deutlich kleinerer Ausführung.
      Zeitlich liegt mir der Teppich - von unserer Darstellung ausgehend - aber eigentlich zu weit in der Zukunft, um mir hier noch Anleihen bei den verwendeten Symbolen zu nehmen (natürlich, mit einem Kreuz kann man wahrscheinlich nicht viel falsch machen).

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