Montag, 9. Dezember 2013

Eine Anmerkung zur römischen und hellenistischen Reiterdarstellung


Die typische Reiterdarstellung der römischen Kaiserzeit (Bild oben) unterschied sich von jener der griechischen Klassik und des Hellenismus (Bild unten) vor allem durch folgendes: Der römische Feldherr/Held/Kaiser reitet gemächlich und würdevoll; kombiniert wird dies häufig mit der Geste der adlocutio - dem halb zur Segnung, halb zum Gruße ausgestreckten Arm (gelegentlich auch mit einer aufgerichteten Lanze in der Hand).
Dem Gegenüber steht die "actiongeladene" Darstellungsweise der vorangegangenen Jahrhunderte, in der sich das Pferd häufig aufbäumt (sog. Levade) oder den Kopf mit weit aufgerissenen Augen nach hinten wirft. Besonders interessant ist hierbei jedoch die von einigen Fachleuten geäußerte Vermutung, dass diese angespannte Haltung nicht einfach nur auf künstlerischen Erwägungen beruht, sondern, dass vielmehr das von den Griechen verwendete Zaumzeug den Pferden größere Schmerzen zufügte, als die in späterer Zeit bei den Römern üblichen Ausführungen. Dies würde auch erklären, woher der in der antiken Literatur mehrfach erwähnte "blutige Schaum" im Pferdemaul herrührt.


Ausnahmen von obigen Merkmalen gibt es einige. So setzte sich etwa die "würdevolle" Darstellungsform bei den Römern - unabhängig vom tatsächlich verwendeten Zaumzeug - erst im Laufe des ersten Jahrhunderts nach und nach durch. Davor kopierte man lange Zeit hellenistische Vorbilder. Desweiteren waren - abseits von Darstellungen herausgehobener Persönlichkeiten bzw. Reiterstandbildern - in der Reliefkunst auch weiterhin levadierende Pferde nicht unüblich.
Trotz dieser Einschränkungen sind das im Schritt gehende Pferd und der Reiter mit leicht erhobener Hand typische und auch für den Laien leicht zu identifizierende Merkmale römisch-kaiserzeitlicher Kunst.


Weiterführende Literatur:
Marcus Junkelmann | Die Reiter Roms | Verlag Philipp von Zabern | Meine Rezension |
Infos bei Amazon: Teil 1Teil 2 - Teil 3

2 Kommentare

  1. Servus Richard, vielleicht kennst du das Buch "Praemium Virtutis, Reiterstandbilder von der Antike bis zum Klassizismus"? Wenn es um das Thema Reiterstandbilder geht, absolut empfehlenswert!

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    1. Hallo,
      dieses Buch kannte ich noch nicht.
      Ich nutze hauptsächlich Junkelmanns dreiteilige Reihe Die Reiter Roms sowie Römische Kunst von Augustus bis Constantin von Benard Andrea.

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