Dienstag, 12. August 2014

Buch: Pompeji in antiken Texten

Pompeji ist heute - neben Rom, Athen, Jerusalem und Alexandria - eine der berühmtesten Städte der Antike. Und das obwohl sie mit geschätzten 9000 Einwohnern gewiss nicht in derselben Liga wie die genannten Metropolen spielte. Es war dann auch nur ihr spektakulärer Untergang im Jahre 79 n. Chr., der für den  hohen Bekanntheitsgrad verantwortlich ist.
Was wir über Pompeji wissen, beruht einerseits auf den zahlreichen Erkenntnissen der archäologischen Forschung, andererseits auf antiken Schriftzeugnissen. Polybios, Isidorus, Statius, Strabon, Cicero, Velleius Paterculus, Plinius, Plutarch, Appian, Frontinus, Sueton, Tacitus,... - sie alle erwähnten Pompeji, den Vesuv und die nähere Umgebung in den verschiedensten Zusammenhängen (siehe das Inhaltsverzeichnis am Ende der Rezension). Die entsprechenden Textstellen wurden im von Arno Hüttemann herausgegebenen Buch Pompeji in antiken Texten (Reclam) zusammengefasst, übersetzt und mit einer detaillierten Einführung sowie erklärenden Anmerkungen versehen.
Hier erfährt der Leser beispielsweise, dass sich der Name Pompejis angeblich von einem Triumphzug (pompa triumphi) ableitet, den der Held Herkules einst auf dem Gebiet der späteren Stadt abgehalten haben soll (nicht zufällig heißt die Nachbarstadt Herculaneum). Glaubhafter ist freilich die wissenschaftliche Hypothese, der zufolge das oskische Zahlwort pompe (= fünf) auf eine Mitgliedschaft des frühen Pompejis in einem Städtebund hindeuten könnte. Die Römer verwendeten dann seit dem 1. Jh. v. Chr. offiziell den Namen Colonia Veneria Cornelia - nur gelegentlich mit dem Zusatz Pompeianorum. Grund für die Namensänderung war die Eroberung Pompejis im sogenannten Bundesgenossenkrieg (91 bis 88 v. Chr.); der spätere Diktator Lucius Cornelius Sulla Felix entmachtete damals die überwiegend hellenistisch geprägten Eliten und siedelte in und um die Stadt römische Veteranen an. 
Interessant ist auch, dass zwar der Geschichtsschreiber Strabon († ca. 23 n. Chr) den so schicksalhaften Vesuv für erloschen hielt, sein Zeitgenosse Vitruv aber durchaus auf das Vorhandensein einer latenten Gefahr hinwies:
"Auch wird berichtet, vor alter Zeit seien Feuerbrände herausgewachsen, hätten sich unter dem Vesuv angesammelt und von dort aus Feuer rings über die Felder gespien."
Der Untergang Pompejis kam für manch damals lebenden Menschen also vielleicht doch weit weniger überraschend, als man heute gemeinhin annimmt...

Fazit: Nach Varus, Varus! ist dies eine weitere und sogar noch gelungenere Bündelung von Originaltexten zu einem spannenden Thema der antiken Geschichte. Bei einem Preis von gerade einmal 5,80 Euro kann ich dieses interessante Büchlein nur wärmstens empfehlen!

Ich vergebe 5 von 5 Punkten | 
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Inhaltsverzeichnis (gekürzt):

Vorwort

Einführung in die Texte

Textteil 1: Landeskunde Kampaniens

Textteil 2: Geschichte Pompejis

1. Das vorrömische Pompeji
Zum Namen der Stadt
Kampanien: Eroberung und Besiedelung durch Samniten
Pompeji in den Samnitenkriegen

2. Das römische Pompeji
Pompeji im Bundesgenossenkrieg
Die Ansiedlung von Veteranen in Pompeji
Spartakus auf dem Vesuv
Vorzeichen der Catilinarischen Verschwörung in Pompeji
Cicero und Pompeji
Schlägerei im Amphitheater von Pompeji
Zur politischen Ordnung Pompejis in der Kaiserzeit: Beamtenwahlen

3. Das Erdbeben am 5. Februar 62. n. Chr

4. Der Vesuvausbruch 79 n. Chr. und der Untergang Pompejis

Anhang

Anmerkungen
Übersichtskarte
Verzeichnisse geographischer Namen
Texteditionen und Übersetzungen
Verzeichnis der Texte nach Autoren
Abbildungsnachweis

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