Donnerstag, 6. November 2014

Ein antiker "Bienentopf" aus Pompeji


Heute ist es üblich, Honig in Töpfen aufzubewahren; im Antiken Rom bewahrte man darin mitunter die Bienen selbst auf. Soll heißen, neben den damals üblichen Bienenstöcken aus geflochtenen Weidenruten, Korkeichenrinde oder ausgehöhlten Baumstämmen kamen auch Tongefäße zum Einsatz - wie ein Fund aus Pompeji beweist; siehe meine obige Zeichnung, die vielleicht nicht in jedem kleinen Detail korrekt ist, aber das Grundprinzip relativ gut veranschaulicht. Bei den Punkten auf der Außenseite handelt es sich übrigens nicht um Verzierungen, sondern um Löcher.

Uns sind einige Ratschläge antiker Autoren überliefert, bei denen es um den Aufstellungsort solcher - und anderer - Bienenstöcke/Bienenkörbe geht.
Laut Vergil wäre ein sonnenbeschienener und windgeschützter Platz, in dessen unmittelbarer Nähe sich ausgedehnte Wiesen und Felder befinden, optimal. Varro meint wiederum, man solle üble Gerüche von Ställen, Latrinen Misthaufen etc. tunlichst meiden. Selbst der Geruch von Parfum müsse von Bienenstöcken ferngehalten werden. Der Landwirtschaftsautor Columella setzt hier noch eines drauf, indem er vom Imker - dem apiarius (apes = Biene) oder mellarius (mel = Honig) verlangt, dass dieser auf scharf riechende Nahrungsmittel und Getränke wie Knoblauch oder Alkohol verzichtet, wenn er sich dem Bienenstock nähert. Auch sollte er sich vor dem Kontakt mit den fleißigen Honigsammlern gründlich waschen und am Vortag sogar auf den Geschlechtsverkehr verzichten ^^
Ob man speziell den letzten Ratschlag - der eigentlich eher vom alten Cato hätte stammen können - auch wirklich befolgte, steht auf einem anderen Blatt.

Trotz der Geruchssensibilität von Bienen wurden ihre Stöcke immer wieder ausgeräuchert: Einerseits um Schädlinge zu vertreiben, andererseits gelangte man so ungefährdet an die Honigwaben. "Geerntet" wurden diese zwei bis dreimal im Jahr. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang übrigens den Hinweis Columellas, dass Fenster und Türen jenes Raums, in den man die Honigwaben zur Weiterverarbeitung brachte, besonders sorgfältig abgedichtet werden müssten; auch sollte vor den Eingang ein rauchendes Kohlebecken gestellt werden, denn "die Bienen suchen hartnäckig nach ihren verlorenen Schätzen." :)
Man möchte sich lieber nicht vorstellen, was los war, wenn die Bienen einmal doch fündig wurden...
Apropos zornige Bienen: Video

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Weiterführende Literatur und Quellen:

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