Freitag, 5. Dezember 2014

Krimskrams am Freitag: Die SPQR-Reihe von John Maddox-Roberts wird verfilmt --- Living History auf höchstem Niveau


Um einen ehemaligen österreichischen Politiker zu zitieren: Bin schon wieder da!

Ich bin wieder gesund und melde mich zurück an der Blogger-Front. Vielen lieben Dank übrigens für die Genesungswünsche! Meinem PC geht es allerdings nach wie vor schlecht und auch die Teile für den Zusammenbau eines neuen Gerätes sind noch nicht vollständig eingetrudelt. Doch was will man machen. Bis es soweit ist, muss ich eben versuchen mit dem defekten Gerät zu bloggen.
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SPQR-Romane werden verfilmt:

Neben Bernard Cornwells erfolgreicher Angelsachsen- bzw. Wikinger-Reihe sollen nun anscheinend auch die mindestens ebenso beliebten SPQR-Kriminalromane von John Maddox-Roberts verfilmt werden (danke für den Hinweis): Klick mich

Dass es ein paar Filmemacher aus Deutschland sind, die den ersten Teil der Geschichte rund um Decius Caecilius Metellus in Szene setzen wollen, wird bei manch Fan der Bücher ein gewisses Stirnrunzeln hervorrufen: Kann das etwas werden? 
Nun, die Erfahrung lehrt, dass der Produktionsstandort kein herausgehobenes Kriterium für die Verfilmung eines historischen Romans ist, denn die Ausstattung des Endprodukts ist in jedem Fall inakkurat bzw. ahistorisch bis zum Abwinken. Hollywood-Bonus gibt es diesbezüglich keinen.
Als notorische Meckerziege muss ich jedoch darauf hinweisen, dass bei diesem Projekt bereits die Ankündigung wenig Gutes verheißt:
Rom, 70 v. Chr. Das kleine Fischerdorf ist zu einer maßlosen Weltmetropole geworden und die ersten Senatoren spielen mit Begeisterung das neue Spiel der Macht. Hier beginnt die Dienstzeit von Decius Metellus. Als schwarzes Schaf einer weit verzweigten, adligen Familie beginnt sein Dienst als unterster Beamter der römischen Bürokratie, als Inspektor von Rom.
"Fischerdorf"? Rom lag zwar am Tiber, und die Bewohner fingen daher sicher auch den einen oder anderen Fisch, aber wer die frühe Geschichte/Mythologie dieser Stadt kennt, der weiß, dass Ackerbau und Viehzucht im Zentrum der Erwerbstätigkeit standen. Der patrizische und plebejische Adel entwickelte sich nicht zufällig aus den größten Bauernfamilien bzw. Landbesitzern.
Der besondere Witz hierbei ist nun, dass ausgerechnet in den SPQR-Romanen dieser bäuerliche Ursprung Roms - sprich der Ackerbau - in diversen Rückblicken besonders gerne betont wird. Der Fischerei schenkt man dabei hingegen keine gesteigerte Aufmerksamkeit.

Und weiter: "Die ersten Senatoren spielen mit Begeisterung das neue Spiel der Macht"? Und was ist mit den mindestens drei Generationen an Senatoren davor, die mit ihren Intrigen die späte Römische Republik in in Brand steckten? Hat der Verfasser der Ankündigung vielleicht schon einmal etwas von den Gracchen gehört? Oder vom Krieg gegen Jugurtha (ich will immer Jughurta schreiben, wie das Joghurt ;) ), als sich römische Senatoren kaufen ließen und ihre eigene Armee ans Messer lieferten? Wohl nicht, denn sonst wüsste man, dass das 1. Jh. v. Chr. den Höhepunkt senatorischer Machtspiele markierte, nicht deren Anfang.

Dass man den Protagonisten als "Inspektor von Rom" bezeichnet, muss vermutlich als Zugeständnis an den Durchschnittszuseher gewertet werden; die Bezeichnung tresvir capitales könnte ja manch "Couch-Potato" bereits überfordern und ihn zum Umschalten aufs Dschungelcamp oder ähnlich geistreiche Formate bewegen. Auch soll wohl ein allzu großer Lerneffekt - der die Romane auszeichnet - bei der Film-Fassung vermieden werden.

Die  Bebilderung der Ankündigung (sie erinnert übrigens sehr an HBOs Rome) ist ebenfalls wenig verheißungsvoll, tragen hier doch sämtliche Senatoren eine Toga mit rotem (purpurnem) Streifen. Diese sogenannte toga praetexta war in der Regel nur jenen Senatoren vorbehalten, die eines der wenigen hohen Wahlämter inne hatten. Ausgerechnet in den SPQR-Romanen selbst wird dies zigmal hervorgehoben. Keineswegs gehörte die toga praetexta zum üblichen Standesabzeichen eines Senators. Der trug stattdessen auf seiner Tunika zwei breite purpurne Streifen (clavi), die jeweils von den Schultern bis zum unteren Ende des Kleidungsstückes verliefen.

Fazit: Das kann ja heiter werden :)
Wenn die Verantwortlichen für Kostüme und sonstige Requisiten ähnlich sorgfältig arbeiten wie die Marketing-Abteilung, dann erwarte ich mir hier nicht sehr viel. Die Summe vieler Details ist es nämlich, die den ganz besonderen Geist einer Zeit ausmacht. Wer hier willkürlich und leichtfertig Elemente austauscht oder weglässt, der "betrügt" den Seher und bringt ihn um eine einzigartige Erfahrung. 
Alternativ empfehle ich daher das unschlagbare Kopfkino - in Kombination mit den großartigen SPQR-Hörbüchern von Audible (nein, ich bekomme nichts von denen). Der Sprecher gibt die feine Ironie, den Humor und den beißenden Sarkasmus der Bücher perfekt wieder: Klick mich 
(Hörprobe unter dem Cover)
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Der Campus Galli am Meßkircher Weihnachtsmarkt - Living History auf höchstem Niveau!

Die Belegschaft der Mittelalter-Baustelle Campus Galli beteiligten sich jüngst mit einer Abordnung am Meßkircher-Weihnachtsmarkt, berichtet das Qualitätsmedium Schwäbische Zeitung.
Und wie man es von den Profis der Karolingischen Klosterstadt gewöhnt ist, legte man auch hier wieder größten Wert auf Authentizität und eine klare Trennung zwischen Marktmittelalter und seriöser Geschichtsdarstellung: Bild 1, Bild 2, Bild 3
Auch der allseits geschätzte Bert M. Geurten war natürlich mit von der Partie. Vermutlich angesichts der satten Gewinne, die sein Projekt Jahr für Jahr einfährt, zeigte sich der renommierte Experimentalarchäologe und Mediävist bester Laune (er lacht hier ganz bestimm mit den Meßkirchern, nicht über sie): Bild 4

Aber was treibt eigentlich der biblische Adam  auf folgendem Foto, das bei einem der Verkaufsstände des Weihnachtsmarktes gemacht wurde? Hat Gott ihn nicht gewarnt, dass man davon blind werden kann? Bild 5
;)

Weitere Bilder finden sich hier:

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9 Kommentare

  1. Richard, die Szene mit Adam und Eva ist vor dem Hinauswurf aus dem Paradies angesiedelt, da war man glaube ich noch nicht schamhaft :-)
    Lg,
    Erwin

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    1. Ich bin ja nicht so "bibelfest", aber da könntest du richtig liegen :)

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    2. VOR dem Rauswurf hatten Adam und Eva ja noch keine Kinder. Deswegen greift Adams Hand ja auch ins Leere ;) Er scheint zu denken: Fehlt da was? - Anscheinend ja. Aber das Spielen mit der Schlange konnte sich die Menschheit ja bis heute nicht abgewöhnen :P

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  2. Haha, ob sich da jemand einen Scherz erlaubt hat, als er die Hand von Adam genau in diese Position brachte? :-D
    Auf die Verfilmung der SPQR Krimis bin ich auch schon gespannt. Leider haben mich bisher so ziemlich alle Romanverfilmungen enttäuscht. Gar nicht mal so sehr wegen der Ausstattung, da erwarte ich mir sowieso nichts mehr, sondern wegen der stark zusammengekürzten Handlung. Ein Buch mit hunderten Seiten lässt sich nicht gut in 1 1/2 bis 2 Stunden filmisch umsetzen, ohne dabei gleichzeitig an Qualität einzubüßen.
    Sind die Hörbücher eigentlich ungekürzt?


    Gero

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    1. Die müssten eigentlich ungekürzt sein...glaube ich.

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  3. Hiltibold, heute Abend wird im Meßkircher Gemeinderat beschlossen, dass der Campus Galli 300 000,00 € fürs neue Jahr erhält. Na, wie findest du das? LG Waltraud

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    1. Ich finde es vor allem gut, dass hier nicht mein Steuergeld versenkt wird ;)

      Außerdem ist festzustellen, dass man mit den jüngsten Prognosen jenes Ziel, das Geurten erst kürzlich wieder bekräftigt hat - nämlich 100000 Besucher bzw. schwarze Zahlen im 4. Jahr - nicht wird erreichen können.
      Vor allem aber bleibt der Campus Galli aus fachlicher Sicht unseriös und entspricht somit nicht den ursprünglichen Ankündigungen. Daran hat auch der neue Geschäftsfüher bisher kaum etwas geändert.
      Vielmehr treibt sein Gehalt die ohnehin schon problematischen Lohkosten noch weiter kräftig in die Höhe. Statt Rationalisierung leistet man sich mit ihm und dem Vereinsvorsitzenden Geurten eine doppelte Spitze.

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    2. Und außerdem brauchen sie ganz viel Geld für eine neue Küche:
      http://www.suedkurier.de/region/linzgau-zollern-alb/messkirch/Campus-Galli-soll-eine-groessere-Kueche-bekommen;art372566,7460081

      Die lebensmittelrechtlichen Probleme mit den "mittelalterlich nachempfundenen Lehmöfen" etc. werden von der Hofberichterstattung dezent übergangen.

      Im Englischen gibt es eine schöne Redensart, " to throw good money after bad". Der CG ist ein schönes Beispiel dafür. Wenn sich schon keine Historiker finden, um nach den Forschungen im CG ihre Magisterarbeiten zu schreiben, so findet sich vielleicht ein BWLer, der gern eine Arbeit darüber verfassen möchte, wie man so ein Projekt nicht angeht ....

      @Hiltibold - Hat Herr N. sich eigentlich schon mal bei Dir gemeldet, um seinen versprochenen Gastbeitrag abzuliefern?

      - Exilwikingerin -

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    3. Hat Herr N. sich eigentlich schon mal bei Dir gemeldet, um seinen versprochenen Gastbeitrag abzuliefern?

      Ja, er hat sich gemeldet und quasi um etwas mehr Zeit gebeten. Warten wir also ab, wann es soweit ist ;)

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