Montag, 2. April 2018

Buch: Die römischen Kaiser

Sextus Aurelius Victor (ca. 320 - 390 n. Chr.) wurde vermutlich in Nordafrika geboren. Obwohl er als Sohn eines kleinen Gutsbesitzers in vergleichsweise bescheidenen Verhältnissen aufwuchs, arbeitete er sich mit großem Fleiß im Staatsdienst die Karriereleiter empor. Er bekleidete unter anderem den Posten eines Statthalters der Provinz Pannonia Secunda und beschloss seine Laufbahn mit der renommierten Stadtpräfektur Roms.
Neben seiner Tätigkeit als Staatsbeamter und Politiker ging Aurelius Victor der Geschichtsschreibung nach. Eines seiner erhalten gebliebenen Werke ist das "Liber de Caesaribus", welches in der Tusculum-Reihe als deutsche Übersetzung unter dem Namen "Die Römischen Kaiser" erschienen ist. Inhaltlich deckt der Autor darin in sehr geraffter Form die Biografien der römischen Kaiser von Augustus († 14 n. Chr.) bis Iulianus († 363 n. Chr.) ab.
Wie für die Antike nicht unüblich, wertet Aurelius Victor die von ihm dargelegten Fakten immer wieder auf Grundlage seiner eigenen moralischen Maßstäbe. Anders als der berühmte Sueton, gleitet er dabei aber kaum je ins Anekdotenhafte ab. 
Gelegentlich unterlaufen dem Autor etwas gröbere Schnitzer - beispielsweise schreibt er die Verleihung des römischen Bürgerrechts an nahezu alle freien Reichsbewohner nicht Caracalla, sondern Marcus Aurelius zu. Auf der anderen Seite enthält sein Werk aber auch Informationen, die sich in keiner sonstigen Quelle finden (etwa die Erwähnung eines folgenschweren Edikts des Kaisers Gallienus, laut dem Senatoren keine militärischen Posten mehr bekleiden durften). 
Zu den Quellen von Aurelius Victor zählen u.a. der oben schon erwähnte Sueton, außerdem Plinius, Tacitus und vermutlich Marius Maximus, dessen Schriften im Original längst verloren gegangen sind.

Die vorliegende Ausgabe umfasst gut 300 Seiten. Wobei die Hälfte vom Anhang bzw. von zahlreichen informativen Text-Erläuterungen, einer sehr guten Einführung und einem Register in Beschlag genommen wird. Somit bleiben ca. 150 Seiten mit dem eigentlichen Buchtext, von dem allerdings wiederum die Hälfte aus dem lateinischen Original besteht. Die deutsche Übersetzung, für die Manfred Fuhrmann verantwortlich zeichnet, umfasst somit rund 75 Seiten - was einem Viertel des Buchs entspricht.
In der Einführung wird kurz darauf hingewiesen, dass die Sprache des Aurelius Victor nicht völlig unkompliziert ist. Leider hat es der Übersetzer nicht geschafft, diesen Umstand ausreichend für den heutigen Leser zu entschärfen. Daher wird man immer wieder mit verschachtelten Satzungetümen wie dem folgenden konfrontiert:

Denn Octavianus, nach seinem Vater Octavius und wegen seiner Adoption durch seinen Großonkel mit dem Beinamen Cäsar sowie bald darauf gemäß einem Beschluss der Vornehmsten, da er von  seinem Sieg im Parteienkampf milde Gebrauch gemacht hatte, mit dem des Augustus benannt, konnte, nachdem er durch Geschenke die Soldaten und durch den Anschein, sich um die Getreideversorgung zu kümmern, die Massen geködert hatte, die übrigen ohne Schwierigkeit gefügig machen.

Der Kaufpreis beträgt 50 Euro, was mir im Angesicht dieser mitunter etwas verschwurbelten Übersetzung als nicht mehr ganz gerechtfertigt erscheinen will. Solche Wortkaskaden waren zuletzt vor 100 Jahren 'state of the art' ...

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Kommentare:

  1. Bei 50€ würde ich mir auch eine durchgehend moderne Neuübersetzung erwarten, und keinen Schwulst von Vorgestern. Das gilt besonders für eine aktuelle Ausgabe , die in der Tusculum Reihe erschienen ist.

    Der Wanderschmied

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    1. Ich würde eher eine alte Übersetzung nehmen. Nicht Schwulst, sondern Akribie, Genauigkeit und Sauberkeit. Heute herrscht bei vielen Übersetzungen die Hirnverknappung und das Schrankendenken. Und was heißt schon modern? Idiotensicher? Inklusiv? Einfache Sprache?
      Folkmar der Völkerwanderer

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    2. Wer damit ernsthaft arbeiten möchte/muss, nimmt sowieso den lateinischen Text. Die deutsche Übersetzung ist dazu da, antike Werke einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Mit so einem ausladenden Geschwurbel ist das aber nur mehr bedingt möglich.

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