Mittwoch, 3. April 2019

📖 Buch: Poliorketika / Stadtverteidigung

Eines der Ă€ltesten militĂ€rischen FachbĂŒcher

"Poliorketika" / "Stadtverteidigung" entstand im 4. Jh. v. Chr. - nur wenige Jahrzehnte bevor Alexander der Große aufbrach, um die halbe Welt zu erobern.
Möglicherweise wurde das Werk sogar vom makedonischen Eroberer gelesen, denn es handelt sich um ein militĂ€risches Fachbuch, in dem der Autor - dessen Name (sicher nicht ganz richtig) mit Aeneas Tacticus ĂŒberliefert wurde - all jene Maßnahmen erlĂ€utert, welche notwendig sind, um eine typische Stadt und ihre heterogene Einwohnerschaft gegen einen Angriff bzw. eine Belagerung zu wappnen. Das macht dieses Buch nicht nur als militĂ€rhistorische Quelle interessant, sondern auch hinsichtlich des Alltagslebens antiker StĂ€dter.
Zu den von Aeneas genannte Maßnahmen zĂ€hlen etwa: Abwehr von Unterminierung der Stadtmauer, das BekĂ€mpfen von mit Leitern angreifenden Feinden, die Nutzung von Wasseruhren fĂŒr einen geregelten Wachwechsel, das Signalisieren mit Laternen etc.

Den einen oder anderen Leser wird es ĂŒberraschen, dass der Autor eine besonders große Gefahr fĂŒr eine belagerte Stadt in den eigenen Bewohnern sieht. Und zwar in jenen, die mit dem Feind sympathisieren könnten. Diese Gefahr schlĂ€gt sich in mehreren Kapiteln nieder. Etwa wenn es darum geht, die Stadttore so zu sichern, dass sie selbst von innen nicht allzu einfach geöffnet werden können. U.a. wird auf folgendes Szenario hingewiesen (interessanterweise in Form eines Ratschlags fĂŒr VerrĂ€ter).

Wer den Sperrbalken [des Tores] durchsĂ€gt, sollte Öl darauf gießen; er wird dann nĂ€mlich schneller und gerĂ€uschlos zersĂ€gt werden. Wenn man einen Schwamm um die SĂ€ge und den Sperrbalken bindet, wird das GerĂ€usch viel dumpfer sein. (19,1)

Mich ĂŒberrascht die beschriebene Gefahr vor dem Feind in den eigenen Reihen nicht, denn bereits in Livius' Schilderung des 2. Punischen Krieges sind mir auffĂ€llig viele Beispiele fĂŒr durch Verrat eroberte StĂ€dte untergekommen.

Die vorliegende zweisprachige Übersetzung des nicht vollstĂ€ndigen ĂŒberlieferten Werks stammt von Kai Brodersen. Dabei wurde von ihm der aktuelle Forschungsstand berĂŒcksichtigt und unterm Strich ein Text abgeliefert, der fĂŒr heutige Leser relativ leicht zu lesen ist. Typische Fuß- oder Endnoten gibt es nicht, aber Verweise zu einer recht ausfĂŒhrlichen und gut gelungenen Einleitung. Außerdem wurden im Text in Klammern erklĂ€rende ErgĂ€nzungen eingefĂŒgt. Der Anhang beinhaltet Literaturhinweise sowie ein kurzes Register mit geographischen Namen und Personennamen.
Der Preis fĂŒr das relativ dĂŒnne, kleinformatige Buch ist mit 40 Euro leider nicht sehr gĂŒnstig - selbst wenn man den robusten Hardcovereinband berĂŒcksichtigt.

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