Samstag, 23. November 2019

📖 Buch: Löwenmenschen und Schamanen - Magie in der Vorgeschichte

Mischwesen, Drogen und ein bisschen politische Korrektheit

Anders als fĂŒr den modernen Menschen war das ÜbernatĂŒrliche fĂŒr unsere Vorfahren noch von herausragender Bedeutung und spielte in ihrem Alltag eine sicher nicht unbedeutende Rolle. Im Zentrum von Magie, Beschwörungsritualen und der Kontaktaufnahme mit der 'Anderswelt' standen Spezialisten, die wir heute als Schamanen bezeichnen. Auch in der Steinzeit dĂŒrfte es sie in der einen oder anderen Form gegeben haben - denn darauf deuten archĂ€ologische Zeugnisse wie z.B. ĂŒberaus auffĂ€llige Bestattungen sowie ethnologische Vergleiche hin.

Ein interessanter, im vorliegenden Buch relativ ausfĂŒhrlich behandelter Aspekt des Schamanismus ist die Verwendung von Drogen, mit denen es möglich ist, sich in Trance (lat.: transire = hinĂŒbergehen) zu versetzen. Von Versuchen weiß man u.a., dass sehr viele Menschen - unabhĂ€ngig von ihrem kulturellen Hintergrund - in diesem Zustand Mischwesen zu sehen glauben, die halb Mensch und halb Tier sind. Dieser Umstand wird als mögliche ErklĂ€rung dafĂŒr gesehen, dass schon sehr frĂŒh in unserer Geschichte solche Wesen in Form von Wandmalereien und geschnitzten Figuren dargestellt wurden; siehe etwa der auf dem Cover abgebildete ca. 40 000 Jahre alte Löwenmensch vom Hohlenstein-Stadel oder die ca 17000 Jahre alte Felsmalerei eines Menschen mit Vogelkopf in der französischen Höhle von Lascaux. Man hat es bei solchen Mischwesen also nicht zwangslĂ€ufig mit Indizen fĂŒr Genmanipulationen durch außerirdische Besucher zu tun, wie es z.B. ein Erich von DĂ€niken fĂŒr denkbar hĂ€lt.😄

Viele weitere Aspekte des vorgeschichtlichen Schamanismus werden von den Autoren behandelt. Etwa die Bedeutung von Amuletten, ZauberstĂ€ben, Kleinplastiken und Musikinstrumenten (Drogen scheinen demnach schon der Generation von Ötzi in Kombination mit fetziger Musik besonders gut geschmeckt zu haben).
Insgesamt wird hier ein interessanter und reichlich bebilderter Einblick in eine mir bisher ziemlich unbekannte Welt geboten. Wobei mich allerdings nicht jedes der prĂ€sentierten Zeugnisse fĂŒr Schamanismus restlos ĂŒberzeugt hat. Stattdessen kam mir mehrmals der vor Selbstironie nur so triefende ArchĂ€ologen-Spruch in den Sinn: "Was man nicht erklĂ€ren kann, sieht man gern als kultisch an".😉

Notiz am Rande: Laut Autoren ist die Bezeichnung "BuschmĂ€nner" fĂŒr indigene afrikanische Volksgruppen "beleidigend" ... huiuiui!
Ich finde es ja eher beleidigend, und zwar fĂŒr die Intelligenz der Leser, wenn in dem Buch das Bundesland Tirol in der Schweiz angesiedelt wird ...


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